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Prüfungsangst

Hilfe gegen das Zittern vor der Klausur

Steffi Sammet
Herzklopfen, Schweißausbrüche, Panikzustände: Jedem dritten Studenten versagen bei Prüfungen und Klausuren immer wieder die Nerven. Das muss nicht sein. Wer unter akuter Prüfungsangst leidet, kann seine Symptome mit gezieltem Training in den Griff bekommen.
Panik vor Klausuren muss nicht seinFoto: © Stefan Redel - Fotolia.com
Wenn bei Sabine Maier* Prüfungen anstanden, entwickelte die Biologiestudentin stets einen besonderen Sinn für Sauberkeit: Erst wenn alles blitzblank geputzt war, konnte sie sich hinter ihre Bücher klemmen. "Ich war vor meinen Klausuren immer so nervös, dass ich oft stundenlang in meiner Wohnung geschrubbt, gesaugt und gewischt habe", sagt Maier. Doch der Reinheitswahn belastete die Biologin. Schließlich raubte er ihr kostbare Zeit für die Vorbereitung."Ab und zu musste ich deswegen Nachtschichten einlegen, um den Stoff komplett pauken zu können." Während der Klausuren selbst legte sich die Nervosität der heute 30-Jährigen angehenden Patentanwältin aus dem oberbayerischen Trostberg jedoch stets schnell: "Sobald ich gesehen habe, dass ich was weiß, lief alles wie von selbst."

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So wie Maier leidet jeder dritte Student unter massiven Prüfungsängsten. Das fand die Uni Konstanz kürzlich in einer repräsentativen Umfrage unter mehr als 8300 Studenten heraus. Ein Viertel gab an, von den hohen Leistungsanforderungen "stark belastet" zu sein. Oft könnten sie vor einem Test wochenlang nicht schlafen oder litten unter Herzklopfen, Schweißausbrüchen und Schwindelgefühlen. Manche berichten gar von Blackouts. Von dem mühsam erlernten Stoff erinnerten sie plötzlich nichts mehr."Menschen mit Prüfungsangst müssen sich nicht hilflos ihrem Schicksal ergeben", sagt Diplom-Sozialpädagogin Marion Gräf, die in der Nähe von Frankfurt (Main) arbeitet. Prüfungsangst lässt sich auf verschiedenen Wegen bekämpfen, sowohl kurz- als auch langfristig. Eine Tatsache sollte Studenten allerdings bewusst sein: "Stress oder ein erhöhter Adrenalinspiegel vor und während einer Klausur ist ganz normal", sagt der Münchener Psychologe Jürgen vom Scheidt. Er vergleicht Prüfungssituationen mit dem Lampenfieber von Schauspielern, die vor einem großen Publikum auftreten müssen: "Nur mit einem gewissen Grad an Spannung erzielt man sehr gute Leistungen."Geht die Anspannung darüber hinaus, bieten sich verschiedene Möglichkeiten an. Von der beruhigenden Wirkung von Baldriantropfen oder Bachblüten, über autogenes Training und Yoga bis hin zu effektiven Lernmethoden wie Karteikärtchen schreiben. Wer professionellen Rat einholen möchte, kann Hilfe bei psychologischen Beratungsstellen suchen, beispielsweise beim IFA-Institut für Angstbefreiung, das in mehreren deutschen Großstädten Niederlassungen hat, oder er kann an entsprechenden Kursen von Mentalcoaches teilnehmen und direkt mit Psychologen an seinen Schwächen arbeiten. Inzwischen bieten auch zahlreiche Hochschulen Seminare an.Jürgen vom Scheidt führt eine Ursache für die vielfache Angst auf den wachsenden Leistungsdruck zurück. "Der Stress nimmt zu, da Unternehmen immer mehr Wissen beziehungsweise sehr gute Examensnoten verlangen - und natürlich will jeder mithalten." Dadurch wächst die Sorge, nicht gut genug zu sein enorm. "Aber auch Studenten, die in ihrer Kindheit hohe Erwartungen seitens ihrer Eltern erfüllen mussten, leiden unter Prüfungsangst", sagt Diplomsozialpädagogin Gräf. Angesichts derartiger Erfahrungen fiele es vielen schwer, Selbstvertrauen oder eine innere Gelassenheit zu entwickeln. Häufig setzen sich Studenten aber auch selbst unter Druck, weil sie extrem hohe Erwartungen an sich haben.Die Möglichkeiten, mit wenig Aufwand innerhalb kürzester Zeit seine Prüfungsangst zu verringern, sind zahlreich. Der Münchener Mentalcoach Thomas Baschab beispielsweise, der nicht nur mit Top-Managern, sondern seit Jahren auch mit Spitzensportlern arbeitet, hat Techniken entwickelt, mit denen ängstliche Kandidaten unmittelbar und schnell Einfluss auf ihre Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit nehmen.
 

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