Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Festo

Hier bloggen Azubis

Ulrike Heitze
Das Automatisierungstechnik-Unternehmen Festo geht bei der Azubi-Suche ungewöhnliche Wege. Lohnt der Aufwand? Karriere.de hat mit dem Ausbildungsleiter bei Festo, Stefan Dietl, gesprochen. Er ist für 400 Azubis verantwortlich.
Der Weg zur Ausbildung führt oft über den ComputerFoto: © sk_design - Fotolia.com
karriere.de: Ihr Ausbildungsblog wird gerne als "Good Practice" angeführt. Wie ist die Resonanz bei denen, die es angeht? Stefan Dietl: Wir haben 150 bis 200 Klicks täglich, zu ganz unterschiedlichen Zeiten. Wir nehmen an, dass tagsüber andere Personaler und Ausbilder vorbeischauen und sich abends die Jugendlichen oder ihre Eltern umsehen.

Die besten Jobs von allen

Welchen Zweck hat der Azubi-Blog?
Wir wollen Schüler mit Infos und Eindrücken versorgen, die sie sonst da draußen nicht bekommen. Wir wollen nicht nur die Frage beantworten, "Warum sollte ich Mechatroniker werden?", sondern auch, "Warum sollte ich Mechatroniker bei Festo werden?"
Sie haben auch den klassischen "Tag der offenen Tür" als "Nacht der Bewerber" in den späten Abend verlegt. Warum?
Weil wir als innovatives Unternehmen auch in der Ausbildung nicht Standard sein möchten und weil zudem unsere Zielgruppe eben nachtaktiv ist. Am Anfang haben uns noch viele den Vogel gezeigt. Aber mittlerweile machen es schon einige nach, die Idee kann also nicht so schlecht sein.
Sie lösen sich stark von den klassischen Recruiting-Mustern. Warum? 
Weil wir uns die Frage stellen "Was will unser Nachwuchs?" und nicht "Was finden wir gut?" Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Wenn Blogs in sind, gibt es halt Blogs. Wir müssen weg von der alten Denke "Wir sind hier die, die das Sagen haben, und die Bewerber kommen als Bittsteller".
Ist diese Denke tatsächlich verbreitet? 
Ich stelle zumindest fest, dass in den Unternehmen die Ideen fehlen. Viele haben die Notwendigkeit noch nicht in Taten umgesetzt und bleiben weiter bei ihrem klassischen Repertoire. Sehen Sie, meine Auszubildenden sind jedes Jahr 16. Ich werde jedes Jahr älter und entferne mich immer weiter von ihnen. Da muss ich mich doch ganz aktiv mit denen und ihrem Informationsverhalten beschäftigen.
Ein Beispiel? 
Wir haben uns gefragt, wo wir potenzielle Mechatroniker finden - und machen jetzt Bandenwerbung auf Slotcarbahnen, statt Anzeigen in der Tagespresse zu schalten.
Und das bringt was? Wir halten jedes Jahr genau nach, über welchen Weg die Bewerber kommen, die wir schließlich einstellen, und über welchen Weg diejenigen, die wir nicht nehmen. Die guten Bewerber kommen eher auf den unkonventionellen Kanälen zu uns. Und entsprechend können wir personelle und finanzielle Ressourcen steuern.Sie lassen Ihre Azubis unzensiert bloggen. Keine Angst, dass die das Unternehmen in die Pfanne hauen?
Natürlich finde ich nicht immer alles gut, was die schreiben. Wenn es zum Beispiel heißt, jemand musste lange kopieren. Aber damit muss ich leben. Wir wollen ja authentisch sein. - Und wenn mein Azubi daraus lernt, dass er sich das mit dem Kopieren demnächst besser einteilt, kann mir das doch recht sein.
Dieser Artikel ist erschienen am 05.09.2008
 

Fair Company | Initiative