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Studienwahl

Heute Abi, morgen Bachelor

D. Fricke, K. Stricker
Schneller, straffer, praxisnäher: Der neue Studienabschluss Bachelor hat sich warm gelaufen. Der Trainingsplan verlangt künftigen Studenten aber einiges ab.
Wo geht es hier bitte zum Bachelor?Foto: © Klaus Eppele - Fotolia.com
"Was studierst du? Bätschela?" 
Noch vor wenigen Jahren ernteten Bachelor-Studenten nicht nur von der Oma ungläubige Blicke. Auch ihren künftigen Arbeitgebern mussten die Absolventen der ersten Generation erst mal erklären, warum sie die Uni nicht mit einem deutschen Diplom oder einem Magister verlassen haben. Heute mag zwar Tante Trudi beim Bachelor immer noch an einen jungen Mann denken, der bei RTL seine Traumfrau sucht, doch ansonsten hat sich längst herumgesprochen, dass der Bachelor nicht viel mit Romantik zu tun hat, sondern ein neuer internationaler Studienabschluss ist.
Die Hälfte des Studienangebots deutscher Hochschulen (48 Prozent) ist umgestellt, im Herbst wollen mehrere große Unis, zum Beispiel Köln, flächendeckend nachziehen. Wer also in diesem, im nächsten oder übernächsten Jahr sein Studium beginnt, wird sich in der Regel für einen Bachelor einschreiben. "Auf Bachelor" heißt mehr als nur unter einem neuen Etikett zu studieren. Das Studium ist straffer organisiert und schon nach drei Jahren - bis zum alten Uni-Diplom dauerte es im Schnitt knapp sechs Jahre - muss man entscheiden, ob man danach in den Beruf einsteigt oder noch einen zweiten Abschluss, den Master draufsattelt.

Die besten Jobs von allen

Einmal Neustart, bitte! Die Umstellung der Studiengänge ist eine der größten Veränderungen im deutschen Hochschulsystem, die es in den letzten Jahrzehnten gegeben hat. Sie ist Teil eines Projekts, das sich "Europäischer Hochschulraum" nennt und bis 2010 umgesetzt sein soll. Hauptsächlich geht es darum, die Abschlüsse vergleichbarer zu machen, den internationalen Studentenaustausch zu verbessern und die Studenten besser auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Beschlossen wurde das zweistufige System aus Bachelor und Master.Verunsicherung bei StudierendenWas in der Theorie einfach und plausibel klingt, war für die Hochschulen ein riesiger Kraftakt: Zudem gab es anfangs sehr viele Skeptiker, die nicht einsahen, warum man das bewährte deutsche Diplom aufgeben sollte. Auch Arbeitgeber fragten sich, was Absolventen, die viel jünger und nach nur drei Jahren Studium in den Job wollten, eigentlich können. Kurzum: Bachelor und Master lösten erst mal ein ziemliches Chaos aus. Einige Hochschulen begannen sofort mit der Umstellung, viele warteten ab, andere weigerten sich anfangs sogar. Die Folge: Studienanfänger waren massiv verunsichert.Heute sieht die Situation zum Glück anders aus: Die Hochschulen haben ihre Widerstände weitgehend aufgegeben - viele sehen inzwischen mehr Chancen als Risiken. Studien bestätigen, dass die ersten Bachelor-Absolventen besser im Job durchstarten, als viele vermutet haben. Nur für die Fächer Medizin und Jura gibt es bis heute keine Lösung: Hier ist immer noch das Staatsexamen die Eintrittskarte für Ärzte, Anwälte oder Richter.Hilfe, wo ist der Richtige? Auf eines müssen sich künftige Studenten aber auf jeden Fall einstellen: Ein gemütlicher Spaziergang ist ein Bachelor nicht. Das fängt bei der Studienfachwahl an: Fast 4.000 Bachelor-Studiengänge - von A wie Abfallwirtschaft bis Z wie Zellbiologie bieten deutsche Hochschulen schon jetzt an. Darunter sind Klassiker wie Germanistik, Maschinenbau oder BWL, aber auch so spezialisierte Studiengänge wie "Packaging Technology" oder "Baltic Management Studies". Auf dem Vormarsch sind auch die so genannten dualen Studiengänge, bei denen man ein Studium mit einer Ausbildung im Betrieb verbindet: 650 solcher Kombipakete gibt es bereits. Was lange eine Domäne der Berufsakademien war, wird zunehmend von Fachhochschulen und auch Universitäten angeboten.Den richtigen Studiengang findenDoch welcher Bachelor passt nun zu mir? Wie finde ich heraus, ob der Studiengang auch wirklich gut ist? Neben Uni-Rankings, Info-Materialien einzelner Fachbereiche, Studienberatungen oder Schnuppertagen der Hochschulen - die man natürlich fleißig nutzen sollte - gibt es für angehende Bachelors zwei weitere Orientierungshilfen: Das ist zum einen die Akkreditierung - sozusagen der TÜV für Studiengänge. Auf der Webseite www.akkreditierungsrat.de/ kann man alle geprüften Studiengänge und einen ausführlichen Bericht abrufen. Wer seinen Wunschstudiengang dort nicht findet, sollte an der Uni nachhaken, ob er dort zur Begutachtung eingereicht wurde.Ein weiteres Navi ist ein neues Rating, das untersucht, wie gut die neuen Studiengänge auf den Job vorbereiten. Schließlich sollen Bachelor-Studiengänge nicht nur Fachwissen, sondern auch Schlüsselqualifikationen wie Rhetorik oder Projektmanagement für den Job vermitteln. Fast 400 Programme in den Bereichen BWL und Ingenieurwesen haben Experten unter die Lupe genommen und zum Beispiel daraufhin abgeklopft, ob sie international und praxisbezogen sind. Das Ergebnis zeigt, dass nur 20 Prozent der Studiengänge diese Anforderungen tatsächlich erfüllen, ein anderes Fünftel fällt gar komplett durch. Alle Ergebnisse des Bachelor-Ratings könnt ihr unter www.karriere.de/bachelor nachlesen. Grundsätzlich gilt: Wer sich nicht zwischen einem sehr spezialisierten und einem breit angelegten Studiengang entscheiden kann, sollte eher die generalistische Ausbildung wählen. So hält man sich mehr Möglichkeiten offen, die Spezialisierung kann dann später im Master-Studium erfolgen.Bachelor ist ein FullTime-Job. Egal, ob Uni oder Fachhochschule: Das Klischee vom Studenten, der vor elf Uhr grundsätzlich keine Vorlesung besucht, hat mit der Einführung der Bachelor-Studiengänge wohl endgültig ausgedient: Bis zu 1.800 Stunden pro Jahr soll ein Bachelor-Student pro Jahr für sein Studium im Einsatz sein. Das schließt nicht nur die Zeit ein, die man in Seminaren und Kursen sitzt, sondern auch Lernsessions in der Bibliothek oder zu Hause sowie Pflichtpraktika. Schon ohne, dass Ferien eingeplant sind, entspricht dieses Pensum einer 35-Stunden-Woche.
Dieser Artikel ist erschienen am 04.06.2007
 

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