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Krise der US-Elitehochschulen

Goldene Gelegenheit für Europa

Axel Gloger
Amerikas Elitehochschulen stecken in der Krise: Diese Schwächephase könnten Europas MBA-Anbieter nutzen, um eine eigene, eine europäisch geprägte Art des Managementstudiums zu profilieren.
LondonNach London zieht es viele internationale Studenten: Vielfalt ist deshalb ein Vorteil der europäischen gegenüber den US-Business-Schools. Die Programme aber ähneln sich.Foto: timages/Fotolia.com
Einfache Erfolgsrezepte ziehen nicht mehr

Die Finanzkrise hat nicht nur Banken und Unternehmen durchgeschüttelt. Auch die internationalen Wirtschaftshochschulen, die das praxisnahe Managementstudium mit Abschluss Master of Business Administration (MBA) anbieten, haben sich Blessuren zugezogen — vor allem jene in den USA.

Renommier-Institute wie Business Schools Harvard, Wharton und Kellogg bildeten den Nachwuchs für die Finanzindustrie des Landes aus. Ihre Absolventen bekleideten auch Spitzenjobs bei der Pleitebank Lehman Brothers, sie waren Miterfinder des Subprime Booms und sie saßen an den Schaltstellen der Macht, als der Versicherer AIG, der Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac kurz vor dem Ruin standen.

Die besten Jobs von allen


All das zeigt: Offenbar schützt der MBA-Abschluss von einer Hochschule der A-Liga nicht vor Führungsentscheidungen, die ins Desaster führen. Das macht manchen Vertreter der Business-School-Branche nachdenklich. "Die einfachen MBA-Erfolgsrezepte ziehen nicht mehr", sagte Robert Bruner, Dekan der Darden School in Charlottesville im US- Bundestaat Virginia, auf einer Konferenz in Barcelona

Vielfalt ist noch kein wesentliches Unterscheidungsmerkmal

Das Selbstbewusstsein der US-Schulen ist angeknackst. Strategisch böte das eine einmalige Chance: Europas MBA Anbieter könnten die Kritik an der amerikanischen Konkurrenz nutzen, um sich mit einer anderen, einer europäischen Art des Managementstudiums zu profilieren. Es könnte die Stunde der Europäer sein, die in den vergangenen 20 Jahren massiv aufgeholt haben.

Jetzt könnten sie die Business-Schools in den USA überholen. Aber davon ist in der Branche wenig zu sehen.

Die Verantwortlichen an Europas Manager-Hochschulen registrieren zwar Unterschiede zwischen den Hochschulen. "Europas Schulen bieten mehr Vielfalt in der Studentenschaft", sagt die MBA-Direktorin des IMD in Lausanne, Janet Shaner. An der Business-School am Genfer See kommen 97 Prozent der Studenten in der MBA-Klasse aus dem Ausland, beim Branchenprimus Harvard sind es 34 Prozent. Nur: Diese Unterschiede sind den Schulen zugefallen und begründen noch keinen europäischen MBA-Typus

Amerikanische Sichtweise dominiert

Die Vielfalt haben die Europäer schlicht der Geografie zu verdanken. In einem 2000-Kilometer-Radius um eine US-Hochschule herum befinden sich nur ein oder zwei Länder. Zieht man denselben Kreis um eine beliebige Business School in Europa, liegen meist zehn bis 20 Länder im Einzugsgebiet.

Deshalb gibt es etwa am IMD, der Berliner ESMT oder der London Business School mehr internationale Studenten. Aber ein echtes Differenzierungsmerkmal ist das nicht. Viele europäische Länder haben ein anderes Wirtschaftsmodell als die Vereinigten Staaten — wenn sich dieses auch in den Lehrinhalten widerspiegeln würde, könnte das ein echter Wettbewerbsvorteil sein. Doch bei den Lerninhalten dominiert die amerikanische Sichtweise

 

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