Alte Geschichte

Gladiatorenkampf statt Vorlesung

dpa
Die Nachwuchs-Gladiatoren kämpfen sicherheitshalber mit stumpfen WaffenFoto: © Natalie Glas
Obwohl der Tagesablauf vom „Exercitium fortis“ (Krafttraining) morgens um sechs bis zum „Ignis“ (Lagerfeuer) abends um neun streng durchgeplant ist, fühlt sich David „fast wie im Urlaub“. Nur eine mehrere Zentimeter lange Narbe an seiner Stirn zeugt davon, dass
es nachmittags doch mit einigem Ernst und echter Kampfeslust zur Sache geht. Dann treten die Männer in Original-Outfit und echten - wenn auch stumpfen - Waffen gegeneinander an. „Wenn die Klingen scharf wären, dann wären wir alle schon mehrmals tot gewesen“, sagt der Student.
Um das zu verhindern, ist Christian Eckert stets zur Stelle, der in der Nähe von Frankfurt eine Kampfsportschule betreibt und auf Aikido, Boxen und historisches Fechten spezialisiert ist. Er selbst trägt einen knallroten Lendenschurz und setzt sich mit seinen drahtigen Muskeln und dem gestählten Körper klar von seinen Schützlingen ab. „Als wir vor fünf Monaten begonnen haben, waren die Jungs teilweise unvorstellbar unfit“, erinnert er sich. „Jetzt kann jeder das Training durchhalten.“ Dazu gehört neben beidhändigem Schwertkampf auch das Stemmen von mittelgroßen Baumstämmen.Superstars der Antike „Bibite!“, ruft Eckert und fordert seine Mannen damit auf, das Trinken nicht zu vergessen. Das Klacken der Holzschwerter verstummt, während die Studenten gierig aus einem Gartenschlauch Wasser schöpfen. Nach dem selbstgekochten Mittagessen werden dann die Rüstungen angelegt. Die Schilder haben die Hochschüler selbst gebaut, die Helme wurden von der Uni Augsburg hergestellt und die Schwerter und Lanzen stammen von einem Schmied im Saarland. Furchteinflößend, aber auch wie echte „Showmen“ sehen die Bayern aus - kein Wunder: „Die Gladiatoren wurden damals total gefeiert, das war wie heute bei „Deutschland sucht den Superstar““, sagt Projektleiter Löffl.Die Ergebnisse der Feldstudie in der „experimentellen Archäologie“ sollen bis Jahresende vorliegen, wobei besonders die Erfahrungswerte der Studenten berücksichtigt werden, erklärt Löffl. Der hatte schon mehrere ungewöhnliche Ideen, die ihn immer wieder in die Kaiserstadt Carnuntum führten: Im Jahr 2004 leitete er die Expedition eines rekonstruierten spätantiken Flusskriegsschiffs auf der Donau, 2008 unternahmen er und mehrere Studenten in voller Montur einen Legionärsmarsch von hier bis nach Passau. Bei diesen kuriosen „Selbstversuchen“ geht es letztlich immer wieder um das eine: Der Wahrheit über das Leben im Alten Rom ein bisschen näher zu kommen.
Dieser Artikel ist erschienen am 10.08.2010

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