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Privat-Uni

Gewagt und gewonnen

Stefani Hergert
Zwei Jahre nach dem Neustart hat die private Universität Witten-Herdecke den Hochschul-Tüv bestanden. Schwierige Jahre hat sie aber noch immer vor sich.

Foto: Uni Witten-Herdecke
"Kein Geld hatten wir immer schon"

An der Universität Witten-Herdecke gilt: Hauptsache anders. Auf einem „Markt der Möglichkeiten“ begeistern Professoren die Studenten für ihre Seminare, der „Heiratsmarkt“ bringt Studenten und Unternehmer zusammen. Das Wittener Reformmodell des Medizinstudiums ist viel gepriesen, das Leitbild der unternehmerischen Universität auch. Nur eines, das hat Witten-Herdecke mit staatlichen Universitäten gemeinsam: das chronisch leere Konto.

„Kein Geld hatten wir immer schon“ – der Spruch des Mitgründers Konrad Schily – Bruder des einstigen Bundesinnenministers Otto Schily – gilt bis heute. Ende 2008 drohte zuletzt die Pleite, die nur dank neuem Investor plus neuem Konzept abgewendet wurde. Seitdem hat Witten-Herdecke Riesenschritte gemacht. Das hat ihr am Montag auch das oberste Beratergremium der Hochschulpolitik, der Wissenschaftsrat, bestätigt.

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Sieben Jahre bekommt die Uni die Akkreditierung, eine Art Tüv für private Hochschulen. Doch der Ratsleiter, Wolfgang Marquardt, sagt auch: „Die Universität hat noch schwierige Jahre vor sich.“ Mit seinem Urteil bestätigt der Wissenschaftsrat keine Kleinstadtuniversität am Rande des Ruhrgebiets mit unkonventionellen Methoden, wie es der Name vermuten lässt. Die Universität Witten-Herdecke – das war und ist noch immer ein deutschlandweit einmaliges Konzept.

Einzigartiges Wissensspektrum

Eine private Universität, die das teure und in Traditionen verhaftete Medizinstudium revolutioniert hat, die mit Unternehmern für Unternehmer forscht und lehrt und damit in der Wissenschaftsgemeinde anerkannt ist. Und sich ganz nebenbei auch noch ein einzigartiges Wissen in Sachen Familienunternehmertum erarbeitet hat.

Die Erleichterung über das Ratsurteil ist spürbar. Eine Blamage wie 2005 wollte niemand noch einmal erleben: Damals hatte der Wissenschaftsrat das Medizin-Reformmodell regelrecht abgestraft. Das Herzstück reformieren oder schließen, mehr Alternativen gab es für die Uni nicht, die 1982 von den Ärzten Gerhard Kienle und Konrad Schily am anthroposophisch orientierten Gemeinschaftskrankenhaus in Herdecke gegründet wurde. Für viele in Witten war das der Beweis, dass sie es als Querdenker schwer haben im deutschen Wissenschaftsbetrieb.

 

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