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Graduate Schools

Für den Doktortitel in die Schule

Britta Mersch
Die Ausbildung für Doktoranden wandelt sich. Nachwuchs-Forscher können an Graduate Schools promovieren. Dort werden sie intensiv gefördert - doch die Plätze sind rar.
Für den Doktortitel die Schulbank drückenFoto: © Ivan Khafizov - Fotolia.de
Eva Nowack steht in einem der Labore im Botanischen Institut der Universität zu Köln. Sie stülpt sich Gummihandschuhe über und zieht einige kleine Gefäße aus einem Behälter. Vorsichtig füllt sie etwas Flüssigkeit in die kleinen Gläser, in denen sich Algenzellen befinden: "Ich isoliere DNA", sagt sie, "das ist eine typische Aufgabe bei meiner Doktorarbeit." Die 28-Jährige promoviert zurzeit im Fachbereich Botanik. Ihr Thema: die Evolution von Plastiden, die bei der Fotosynthese eine Rolle spielen.Dass Nowack dabei hauptsächlich Versuche im Labor durchführt, ist nicht ungewöhnlich. Doch anders als viele ihrer Kommilitonen hat sie einen der wenigen Plätze an der "Graduate School for Biological Sciences" ergattert, die erst vor kurzem ins Leben gerufen wurde.Die Doktorandin profitiert von dem Platz nicht nur in fachlicher Hinsicht. "Die zehn Doktoranden kommen aus verschiedensten Teilen der Welt", sagt Nowack. Den engen Kontakt zu anderen Nachwuchswissenschaftlern sieht sie als Gewinn: "Wir versuchen, uns bei unseren Projekten gegenseitig zu unterstützen."

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Fachübergreifende Betreuung ist wichtigDie Doktoranden an der Kölner Graduate School bekommen neben der wissenschaftlichen Ausbildung ein umfassendes Begleitprogramm. Kurse in Rhetorik, wissenschaftlichem Schreiben und zur Gewinnung von Fördergeldern gehören ebenso dazu wie regelmäßige Treffen mit den insgesamt drei Betreuern. "Jeder Doktorand wird von Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Fachbereichen unterstützt", sagt Michael Melkonian, Hochschulprofessor für Botanik und stellvertretender Sprecher der Graduate School for Biological Sciences. "Dieses so genannte Thesis-Komitee begleitet die Nachwuchswissenschaftler während ihres gesamten Studiums."So wollen die Verantwortlichen verhindern, dass ein Doktorand von einem Professor abhängig ist - und die Arbeit letztlich an persönlichen Problemen scheitert. Mit der Einrichtung der Graduiertenschule reagieren die Kölner Biowissenschaftler auf einen Trend, der sich in der Doktorandenausbildung zunehmend durchsetzt. Die jungen Forscher sollen stärker in interdisziplinäre Netzwerke eingebunden werden. Während der gesamten Ausbildung pflegen sie außerdem engen Kontakt zu den Betreuern. Die Hochschulen wollen so vermeiden, dass sich der Nachwuchs auf wissenschaftlichen Nebenpfaden verirrt und die Doktorarbeit am Ende frustriert an den Nagel hängt.Wichtige Impulse für die neue Form der Doktorandenausbildung hat die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern gebracht, die im vergangenen Jahr in die vorerst letzte Runde gegangen ist. Durch sie sind an den Hochschulen 39 neue Graduate Schools entstanden. Jede wird fünf Jahre lang mit rund einer Million Euro jährlich gefördert. "Durch die Exzellenzinitiative bekommt die Graduiertenförderung erstmals einen institutionellen Rahmen", sagt Annette Schmidtmann, die bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für die Nachwuchsförderung zuständig ist.
 

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