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Studium

FH oder Uni: Was ist besser?

D. Fricke, B. Mersch
Universitäten und Fachhochschulen liegen im ewigen Clinch. Dabei werden sie sich immer ähnlicher. Junge Karriere überprüft die Vorurteile und Klischees.
Der ewige Kampf der BildungseinrichtungenFoto: © Vadim Blagodarnyy - Fotolia.com
An der FH studieren Praktiker, Uni-Studenten pauken die TheorieUrsprünglich gab es diese Aufteilung tatsächlich. FHs wurden mit dem Ziel gegründet, während des Studiums möglichst viel Praxis zu vermitteln. Mit den neuen Abschlüssen Bachelor und Master wird das nun anders: Auch Studiengänge an den Unis sollen stärker auf den Beruf vorbereiten. Und tatsächlich: Es bewegt sich etwas. „Vor allem in den Geisteswissenschaften ist eine Veränderung deutlich spürbar“, sagt Doris Herrmann, Geschäftsführerin der Akkreditierungsagentur AQAS in Bonn, „Praktika werden stärker in die Stundenpläne integriert.“ Die insgesamt sechs Akkreditierungsagenturen in Deutschland prüfen die neuen Angebote auf Tauglichkeit und Berufsorientierung. Selbst klassische Orchideenfächer wie Ostasien-Studiengänge bekommen einen Berufsbezug. Die Ruhr-Universität Bochum hat etwa den neuen Bachelor-Studiengang „Wirtschaft und Politik Ostasiens“ eingeführt, bei dem Studenten acht Wochen lang Praktika absolvieren oder gleich nach Asien fahren.

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In Fächern wie den Ingenieurwissenschaften dagegen legen auch Unis traditionell viel Wert auf eine ausgeprägte Praxisorientierung – die theoretischen Grundlagen spielen jedoch in der Regel eine größere Rolle als an der. Bei der Wahl der Hochschule sollten Studieninteressierte auf das eigene Bauchgefühl hören: „Die Lernkultur der Hochschultypen sollte ausschlaggebend sein“, rät Wolfgang Loggen von der Zentralen Studienberatung an der RWTH Aachen. Das Studium an einer FH zeichne sich etwa durch kleinere Lerngruppen aus. „Studieninteressierte, die sich nicht vorstellen können, mit mehreren Hundert Kommilitonen im Hörsaal zu sitzen, sollten lieber eine FH wählen“, so Loggen. Tatsächlich zeigt der aktuelle Studienqualitätsmonitor des Hochschul-Informations-Systems (HIS): Besonders Uni-Studenten leiden unter überfüllten Hörsälen. 50 Prozent sehen sich beim Lernen beeinträchtigt, bei den FH-Studenten sind es nur 20 Prozent.Uni-Studenten sind schlauer als die Kommilitonen von der FHDas ist natürlich Quatsch. Und trotzdem werden FH-Studenten schon mal mit diesem Vorurteil konfrontiert: Viele Uni-Kommilitonen unterstellen ihnen, für die Uni nicht das Zeug zu haben. Auch wenn dieses Klischee nicht stimmt – Unterschiede zwischen den Studenten gibt es. Die letzte Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks zeigt: Universitäten locken vor allem Studenten aus höheren sozialen Schichten, Fachhochschulen sind eher bei Kindern aus Arbeiterfamilien beliebt.Die soziale Herkunft bestimmt auch die Fächerwahl. „Kinder aus einkommensschwachen Familien entscheiden sich oft für ein Studium der Pädagogik oder Ingenieurwissenschaften“, sagt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk, „höhere soziale Gruppen wählen eher Physik, Astronomie oder Musik.“ Laut Sozialerhebung studieren 83 Prozent der Kinder aus Akademikerhaushalten. Haben die Eltern keinen Uni-Abschluss, sind es gerade mal 23 Prozent. Eine gängige Erklärung: Oft fehlen Kindern aus Arbeiterhaushalten die Vorbilder. „Wir fordern schon lange, die Hochschulen stärker zu öffnen“, sagt Stefan Grob, „dafür brauchen wir unter anderem eine bessere finanzielle Absicherung.“Uni-Studenten bummeln gerne, an der FH ist das Studium strafferAls alle Studenten noch die alten Abschlüsse Magister und Diplom bekamen, waren die Vorurteile klar: An der FH ist das Studium viel verschulter – und deshalb einfacher, so ein gängiges Vorurteil von Uni-Absolventen. Die galten bei FH-Anhängern wiederum als Bummelanten, weil sie Regelstudienzeit gerne um ein paar Semester überschritten. Mit Bachelor und Master hat sich die Situation geändert. Ein Bachelor-Studium umfasst in der Regel 180 bis 240, der kürzere Master 90 bis 120 Credit-Punkte – unabhängig davon, ob es sich um ein FH- oder Uni-Studium handelt. Das Lernen ist aber trotzdem anders: „Ich habe das Gefühl, dass ich an der Uni weniger Unterstützung oder klare Vorgaben bekomme“, sagt der angehende Elektrotechniker Julian Guddat. „Vorlesungen sind oft schwammig und haben auch gerne mal nichts mit den Übungen oder Klausuren zu tun.“ Der 24-Jährige kennt beide Hochschulformen. An der Hochschule Darmstadt (FH) absolvierte er zunächst seinen Bachelor in Mechatronik, dann wechselte er für sein Master-Studium an die TU München.
 

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