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Fernstudium

Fernuni Hagen am Rande ihrer Kapazität

Claudia Obmann
Die Fernuni Hagen platzt aus allen Nähten. Wie Rektor Helmut Hoyer jetzt sagte, sei mit 67.000 Fernstudenten eine Grenze erreicht, die „nicht mehr weiter strapaziert werden kann“. Auch das Budget von 80 Millionen Euro pro Jahr ist ausgereizt.
An Fernuniversität Hagen sind 67.000 Studenten eingeschriebenFoto: © PR
Ohne eine ordentliche Finanzspritze von den Ländern, vor allem aber vom Bund, der sich bislang finanziell überhaupt nicht beteiligt, könne die größte deutsche Hochschule keine zusätzlichen Studenten mehr vertragen. „Unsere Ausstattung war ursprünglich für rund 40.000 Studenten ausgelegt, inzwischen gehen wir davon aus, dass sich die Zahl der studierwilligen Berufstätigen in den nächsten Jahren bei uns kontinuierlich auf 100.000 erhöhen wird.“Das Budget von etwa 80 Millionen Euro pro Jahr -  von dem der Löwenanteil von 54 Millionen Euro vom Land NRW getragen wird, obwohl nur ein Drittel der Stundenten an Rhein und Ruhr lebt -, sei ausgereizt. Außerdem betreuten die derzeit 86 Professoren an den insgesamt vier Fakultäten für Recht, Wirtschaft, Kultur- und Sozialwissenschaften sowie Mathe und Informatik in 2009 erstmals zusammen 2000 Absolventen – oder 23 Abschlussarbeiten pro Kopf . Im Durchschnitt betreuen deutsche Profs laut Hoyer 15 Absolventen.   

Die besten Jobs von allen

Es gibt offenbar mehrere Gründe für die etwa zehnprozentige Steigerung der Studentenzahl pro Semester: Der Trend zum lebenslangen Lernen verstärke sich quer durch alle Bildungsschichten und die zu 80 Prozent berufstätigen Studenten aus ganz Deutschland sähen im Angebot der Fernuni ein praktisches Modell, sich nebenberuflich fortzubilden. Und somit Zusatzqualifikationen für weitere Karriereschritte zu erwerben, ohne dazu auf ihr Einkommen verzichten zu müssen.Schließlich steigt auch die Zahl derjenigen, die ohne Abitur einen wissenschaftlichen Abschluss erwerben wollen, um beruflich voran zu kommen: Mehr als 1000 Studenten, die sich aufgrund ihrer Berufserfahrung für ein Hochschulstudium qualifizieren, waren bereits an der Fernuni Hagen eingeschrieben. Etwa 800 von ihnen haben die Abschlussprüfungen bestanden.Noch ist nicht geplant, eine Auswahlprüfung für den Zugang zur Fernuni einzuführen, dafür soll jedoch das Gebührenmodell künftig geändert werden: Statt Materialpauschalen pro Semester sollen modulabhängige Beiträge erhoben werden.
Dieser Artikel ist erschienen am 26.03.2010
 

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