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Eskalation im Kopf
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Psychologische Beratung

Eskalation im Kopf

Anne Ritter
Wenn Studenten sich in einer Krise befinden, können sie sich von den Psychologen der Studentenwerke helfen lassen. Die Nachfrage nach dem kostenlosen Angebot ist in den letzten Jahren gestiegen.
Prüfungsangst, Depressivität, Versagens- oder Zukunftsängste, Schwierigkeiten mit der Selbstorganisation, Partnerschaftskonflikte, Essstörungen, finanzielle Nöte oder Suchtprobleme – es gibt viele Gründe, warum es während des Studiums zu Krisen kommen kann.

Das Studium stellt Anforderungen an junge Menschen, die sich auf alle Bereiche des Lebens auswirken: Abschied nehmen von vertrauten Strukturen, die Zukunft planen, selbst Entscheidungen treffen, neue Beziehungen aufbauen, selbstständig und erwachsen werden. Solche Entwicklungsaufgaben können nicht immer geradlinig bewältigt werden können.

Kostenlose Beratung

Zur Unterstützung der Studierenden bieten 44 der 58 Deutschen Studentenwerke (DSW) eine kostenlose psychologische Beratung an. Die Berater sind in der Regel ausgebildete Psychologen, die der Schweigepflicht unterliegen. "Sie haben besondere beraterische und therapeutische Kompetenzen und können verhindern, dass studentische Lebenskrisen eskalieren", sagt DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde.

In einem ersten Gespräch klären die Berater das aktuelle Anliegen und die möglichen Hintergründe. Dann entscheiden sie gemeinsam mit dem Betroffenen, wie es weitergeht – etwa in Einzelgesprächen, Gruppentherapie oder einer Psychotherapie.

"Allgemein gesprochen fühlen sich die Studierenden, die die Beratungsstellen aufsuchen, in einer Sackgasse: Die persönliche Situation erscheint festgefahren, aussichtslos und es fehlen Ideen und Energie, um etwas zu verändern", erklärt Sabine Köster, Leiterin der Psychotherapeutischen Beratungsstelle für Studierende (PBS) des Studentenwerks Karlsruhe.

Hohe Nachfrage

Die Nachfrage der Studierenden ist hoch. Vermutlich sogar höher, als es die Zahlen glauben machen. Insgesamt 30.700 Klienten ließen sich 2012 in Einzel- oder Gruppengesprächen beraten – viele nutzten auch gleich beide Angebote. Die Nachfrage hat sich damit im Vergleich zu den Vorjahren mit einem Anstieg von 42 Prozent fast verdoppelt.

Doch viele Anfragen müssen aus Zeitgründen abgewiesen werden, und erscheinen erst gar nicht in der Statistik. "Die Beratungsstellen stoßen personell an ihre Grenzen", sagt Astrid Schäfer, Leiterin des Referats Beratungsangebote vom DSW. Deswegen setze man sich in der Berliner Zentrale des DSW stark für den Ausbau der Beratungsstellen ein – das sei allerdings schwer zu finanzieren.

Mit einem Imageproblem hat man also nicht zu kämpfen: Vor allem Studierende, die sich selbst schon haben beraten lassen, empfehlen den Service weiter.
Dieser Artikel ist erschienen am 11.11.2013
 

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