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US-Unis

Es geht langsam wieder aufwärts

Stefani Hergert
Amerikanische Universitäten machen nach den Rekordverlusten im Jahr 2008/2009 wieder Anlagegewinne. Doch Alumni und Firmen spenden noch immer weniger als zuvor - dabei sind diese Zuwendungen für die Schulen überlebenswichtig.
Langsam erhalten US-Unis wieder mehr GeldFoto: © Yanir Taflev - Fotolia.com
Auf einen Schlag waren es zig Milliarden Dollar weniger. 2008/2009 war wohl das schlimmste Jahr seit der Wirtschaftskrise 1929 für die US-Universitäten und damit für die Business Schools, die meist ja nichts anderes als die Wirtschaftsfakultäten der Hochschulen sind. Fast ein Fünftel (18,7 Prozent) ihres Vermögens haben sie in dem akademischen Jahr verloren Der Lichtblick: Seitdem geht es aufwärts, wenn auch nicht so schnell wie gedacht. Das muss es auch. Für die amerikanischen Unis und Business Schools sind Kapitalstock und Spenden kein Zubrot, sie machen oft einen erklecklichen Teil des Haushalts aus. Die Harvard Business School erzielte im Geschäftsjahr 2008 fast ein Viertel ihrer Einnahmen aus diesen zwei Quellen, gerade einmal 18 Prozent kamen über die Studiengebühren herein. 

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Schwergewichte wie die Universitäten Harvard oder Yale hat es besonders hart getroffen. Harvard verlor fast 11 Mrd. Dollar, oder fast 30 Prozent des Stiftungsvermögens, Yale steht mit fast 29 Prozent Verlust oder 6,5 Mrd. nur unwesentlich besser da. Viele der großen Universitäten haben risikoreich angelegt, lange ging das gut. Zwischen 1997 und 2007 hat die University of Chicago zum Beispiel jährlich im Schnitt 12,9 Prozent Rendite aus dem angelegten Milliardenvermögen erwirtschaftet.Ein bisschen Optimismus kommt aufDoch es gibt positive Signale. "In den vergangenen sechs bis acht Monaten sahen wir einen zehnprozentigen Zuwachs des Stiftungsvermögens, nachdem wir etwa 20 Prozent eingebüßt hatten", sagt Matt Ter Molen von der Kellogg Graduate School of Management. Ähnliche Zahlen kann die Darden School of Business der University of Virginia verkünden. "Das gibt uns Anlass zu Optimismus", sagt Ted Forbes, Präsident der Darden-Stiftung.Noch sind aber die Spender bei weitem nicht so generös wie vor der Krise. Vor allem Alumni öffneten seltener ihren Geldbeutel. Sie gaben ihrer Alma Mater laut einer Studie im Schnitt rund ein Fünftel weniger als noch ein Jahr zuvor. "Vor allem bei Zusagen für mehrjähriges Engagement sind viele sehr vorsichtig", sagt Forbes. Zum Glück würden die Spendensammler der Darden School aber nicht komplett zurückgewiesen. "Wir haben sehr loyale Alumni", sagt er.An der Haas School of Business der Universität in Berkeley ist die Zahl der Alumni, die gespendet haben, zwar nur um vier Prozent gesunken, doch die durchschnittliche Summe, die sie spenden, ist ebenfalls niedriger als ein Jahr zuvor. Und einen Aufwärtstrend sieht Michelle McClelland, Vizedekanin der Haas School, nicht. "Es ist noch zu früh um das zu sagen."Investitionen ins FundraisingAuch die Unternehmen halten sich zurück, berichten etliche Schulen. Doch auf Spenden und Zuwendungen sind sie angewiesen. "Die Zuwendungen geben uns die Flexibilität, neue Programme zu etablieren, Neues auf dem Campus in Angriff zu nehmen oder besondere Vorträge zu organisieren", sagt Ter Molen von Kellogg.Nun investieren etliche Schulen in ihre Fundraising-Abteilungen. Kellogg sammelte so im vergangenen Jahr sogar höhere Zuwendungen ein, hat aber im Jahr 2008 auch zwölf neue Kollegen für das Department, das sich um die Beziehungen zu den Alumni und die Entwicklung der Schule kümmert, eingestellt. 48 Angestellte sind nun allein dort beschäftigt. Die Mitarbeiter der Darden School, die für Spenden zuständig sind, dürfen jetzt sogar mehr reisen als vor der Krise. "Wir treffen mehr Ansprechpartner und haben definitiv das Reisebudget erhöht", sagt Stiftungspräsident Forbes.In den meisten anderen Abteilungen regiert jedoch der Rotstift: Die Reisebudgets werden gesenkt und an manchen Business Schools weniger Dozenten und Professoren eingestellt. Doch die Schulen versuchen, die Studenten von den Kürzungen nichts spüren zu lassen.
Dieser Artikel ist erschienen am 28.03.2010
 

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