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Weiterbildung

Elitär ist höchstens der Name

Annika Reinert
Was die Studenten an der Universität nicht lernen, soll die Bayerische Eliteakademie vermitteln. Mitarbeiterführung lernen sie in Seminaren, an Kaminabenden und Exkursionen. Das Projekt ist ein Erfolg und trotzdem bisher einzigartig. Warum eigentlich?
35 Bewerber nimmt die Bayerrische Eliteakademie jedes Jahr aufFoto: © PR
Zwölf Jahre ist es her, da rumorte es gewaltig in der bayerischen Wirtschaft: An den Universitäten fanden die Firmen fachlich zwar top ausgebildete Absolventen - nur führen konnten die Führungskräfte von morgen nicht. 15 Mio. Mark nahmen Firmen wie Allianz, BMW und Deutsche Bank in die Hand, um das zu ändern, und gründeten die Bayerische Eliteakademie. Das Kapital wurde in eine Stiftung gesteckt, aus deren Zinsen und Spenden die Akademie ihr Seminarprogramm finanziert.Das Konzept ist in Deutschland auch heute noch einzigartig, weil in anderen Bundesländern politischer Wille oder finanzielle Bereitschaft fehlen. Die bayerische Wirtschaft -Initiator und Geldgeber - zieht sich hier den Führungsnachwuchs von morgen heran, bringt ihm bei, was er an den Universitäten nicht lernt.

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Das Programm ist intensiv, dreimal kommen die Stipendiaten für jeweils vier Wochen in einem Seminarzentrum in der Nähe von München zusammen, auch die Wochenenden gehören dazu. Seminare, Kaminabende und Exkursionen: Wissenschaftler, Medienleute und Entscheider aus der Wirtschaft diskutieren mit ihnen über Zivilcourage, Wirtschaftskriminalität oder ethikorientierte Führung. In Teamtrainings feilen sie an den Soft Skills, zwei Wochen in China sind das i-Tüpfelchen. Eine Million Euro Budget hat die Akademie jährlich, 35 Bewerber nimmt sie jedes Jahr. Die sollen mehr im Blick haben als ihre eigene Karriere, sich engagieren. Gute Noten sind nicht das Entscheidende.Rüstzeug für den BerufseinstiegEine davon ist Tanja Fassnacht. Zwei Jahre lang ist die heutige Projektmanagerin beim Drahthersteller Leoni in ihrer vorlesungsfreien Zeit auf Akademie gegangen. Während ihre Kommilitonen am Baggersee in der Sonne lagen, saß sie im Seminarraum. Als Stipendiatin stand sie Entscheidern aus der bayerischen Wirtschaft gegenüber und besuchte Kurse, die ihr für das Arbeitsleben wirklich etwas brachten. "Das war mein Rüstzeug für den Berufseinstieg", sagt Fassnacht.Die Akademie geht neue Wege - das fängt beim Kennenlernen an. In einem Speed-Dating findet jeder Stipendiat seinen Mentor, der ihn während der Ausbildung und darüber hinaus begleitet. Christian Johannes Tipecska ist so ein Mentor. Der 36-Jährige leitet ein mittelständisches Maschinenbauunternehmen mit 50 Mitarbeitern, jedes Jahr bekommt er einen neuen Mentee. Es geht darum, Kontakte herzustellen und Distanz zu Führungskräften abzubauen. "Mentoren sind Begleiter, keine Jobbeschaffer", sagt er.Die brauchen die Stipendiaten ohnehin nicht, ihnen stehen viele Türen offen. "Die Stipendiaten sind so vernetzt, das ist wertvoller als ein Praktikum", sagt Michael Oberwegner, Berater bei der Personalberatung Heidrick & Struggles. Es geht aber nicht darum, schnell nach oben zu kommen. "In meinen Mentees erkenne ich vor allem den Wunsch nach einer erfüllenden Beschäftigung", sagt Tipecska. "Freude an der Arbeit steht über dem Gehaltsscheck, auch wenn ihnen eine schnelle Karriere leichter fällt als den meisten Studenten", sagt Mentor Tipecska.Was ist eigentlich Elite?Nur ein Problem hat die Akademie: Der Begriff "Elite" ist verbrannt. Auch Fassnacht will sich nicht als Elite bezeichnen. "Ich möchte etwas bewegen in der Welt, und nicht wie ein Snob über allem stehen", sagt sie. Studenten, Alumni, Mentoren - sie alle drücken sich ein wenig vor der Definition des Wortes "Elite". "Der Begriff Elite ist eine Herausforderung in der Kommunikation", sagt selbst der Geschäftsführer Thomas Wellenhofer. Dabei wollten die Gründer damit lediglich all die Führungsqualitäten zusammenfassen, die an den Universitäten nicht ausreichend vermittelt werden - gesellschaftliche Werte und Verantwortungsbewusstsein stehen dabei ganz weit oben.Lesen Sie mehr zum Thema "Weiterbildung":
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Dieser Artikel ist erschienen am 31.05.2010
 

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