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GMAT-Score
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GMAT-Score

Eintrittskarte mit vier Buchstaben

Teil 3: Hoher Score – steile Karriere?

Das kann bisweilen kuriose Blüten tragen. So gibt es Berichte von Studenten aus den USA, die aufgrund früherer Noten, des Lebenslaufs und des Vorstellungsgesprächs problemlos aufgenommen wurden, denen aber nahegelegt wurde, doch noch einmal einen GMAT-Test zu absolvieren, weil sie sonst den Durchschnitt senken würden. Andere Wirtschaftshochschulen drängen aussichtsreiche Kandidaten mit schlechterem GMAT, sich doch bitte mit dem ähnlich anspruchsvollen Test GRE (Graduate Record Exam) zu bewerben. Das Ergebnis dieses Tests wird nämlich von keinem Ranking berücksichtigt – und der unterdurchschnittliche GMAT-Wert des Kandidaten taucht so nirgends auf.

Dabei gibt es durchaus gute Gründe, den GMAT als wichtiges Auswahlkriterium zu nutzen. Gerade in Studiengängen, die so international sind, wie es der MBA zumeist ist, ist es schwierig, die Kandidaten miteinander zu vergleichen. "Wir haben Bewerber aus allen Teilen der Erde, von Aserbaidschan über Deutschland und Kanada bis Venezuela", sagt Ralf Bürkle, Marketingdirektor der Mannheim Business School. "Der GMAT bietet da eine gewisse Objektivität und Vergleichbarkeit in der Beurteilung des Leistungsvermögens."

Guter GMAT, gute Noten

Außerdem zeigt er, dass der Bewerber sich auf etwas gezielt vorbereiten und sich in die Materie einarbeiten kann. Eine Fähigkeit, die an der Business-School und später im Beruf extrem geschätzt wird. Viele Studien zeigen, dass der Erfolg an den Business-Schools gut mittels des GMAT vorhergesagt wird. Eine Forschergruppe um Darrin Kass von der Bloomsburg University fand zum Beispiel in einer Untersuchung heraus, dass Menschen mit höheren GMAT-Werten bessere Noten im MBA-Programm hatten.

Sie testeten den Einfluss des GMAT-Ergebnisses auch auf für Manager wichtige Kompetenzen wie Kommunikation, Teamarbeit, Entscheidungs- und Führungsfähigkeit. Das Ergebnis: Der aus quantitativem und verbalem Test gebildete Wert hat darauf keinen Einfluss. Viel aussagekräftiger war dagegen ein guter Testwert beim analytischen Schreiben.

Was sagt der GMAT über die Karrierechance aus?
 
Ein hoher GMAT-Wert ist deshalb auch kein Indikator für eine steile Karriere nach dem MBA. Die kanadische Rotman Business School hat das sogar empirisch untersucht. Kevin Frey, der Direktor des MBA-Programms, analysierte die Daten seiner Studenten über mehrere Jahre hinweg und versuchte herauszulesen, welche Eigenschaften einen erfolgreichen Berufseinstieg vorhersagten.

Aussagekräftig waren Arbeitserfahrung, frühere Noten, die Punktzahl beim Bewerbungsinterview und beim analytischen Schreibtest. Der GMAT dagegen war es nicht. Business-Schools, die ihre Bewerber nach dem GMAT-Score aussortieren, müssen sich deshalb fragen lassen, warum sie ihre Studenten danach wählen, wie gut sie das MBA-Programm überstehen werden – und nicht danach, wie gut sie später auf dem Arbeitsmarkt zurechtkommen.
Dieser Artikel ist erschienen am 03.11.2015
 

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