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Medizin-Studenten
Medizin-Studierende vor KörperteilenFoto: Uni Witten/Herdecke
Jubiläum Uni Witten/Herdecke

"Eine fast außerirdische Begegnung"

Stefani Hergert
In der Mediziner- und Wirtschaftsausbildung war sie eine Revolution: Über die Gründungsidee der vor 30 Jahren ins Leben gerufenen ersten Privatuni am Rande des Ruhrgebiets Deutschlands, über ihre finanziellen Probleme und die Verantwortung von Unternehmern spricht Förderin Traudl Herrhausen im Interview.
Praxisnah und werteorientiert will diese Universität ausbilden: Für alle Studenten ist der Blick über die eigene Disziplin hinaus mit Fächern wie Kunst oder Philosophie Pflicht.

Die Gründer rund um den ersten Präsidenten Konrad Schily fanden früh starke Förderer: Wirtschaftsgrößen wie Berthold Beitz, Reinhard Mohn und Gerd Bucerius zählten dazu. Und Alfred Herrhausen, der ermordete Chef der Deutschen Bank.

Jetzt feierte die Universität Witten/Herdecke auch, dass es sie überhaupt noch gibt. Denn auf finanziell soliden Füßen stand die Uni mit 1500 Studenten, die sich einen Namen in der Forschung zu Familienunternehmen gemacht hat, nie.

Ende 2008 drohte wieder einmal das Aus, weil sich wichtige Förderer zurückgezogen hatten und das Land Nordrhein-Westfalen den jährlichen Zuschuss von 4,5 Millionen Euro einfror. 2009 folgte der Neustart mit der Software-AG Stiftung als neuer Gesellschafterin, einer neuen Führung und einem Wachstumsplan. Abgeschlossen ist die Sanierung noch lange nicht und auch der Landeszuschuss ist nur bis Ende 2013 gesichert.

Ein Gespräch mit der langjährigen Förderin der Uni,
Traudl Herrhausen:


Frau Herrhausen, braucht Deutschland eine Uni wie Witten/Herdecke noch?


Herrhausen: Ja, weil sie genau das bietet, was sie seit 30 Jahren propagiert, weil sie lebt, was in ihren Grundsätzen festgeschrieben wurde: zur Freiheit ermutigen, nach Wahrheit streben, soziale Verantwortung fördern.

Ihr Mann hat Witten/Herdecke von der Gründung an unterstützt, Sie selbst saßen von 1997 bis 2007 im Direktorium der Universität. Wie kam es dazu?

Ich kann mich noch genau erinnern an den Tag, als mein Mann nach Hause kam und mir sagte, heute habe er eine Begegnung gehabt, die sei fast schon außerirdisch gewesen. Er habe sich mit Konrad Schily getroffen, und der wolle doch tatsächlich eine private Universität gründen.

Eine spinnerte Idee?

Er hat es kaum glauben können, aber ihn trieb die Idee um, Universitäten, so wie sie damals waren, zu reformieren. Er war einer der Ersten, der das Wort Elite in den Mund genommen hat, aber im Sinne von Bildung, intellektueller Anstrengung und Ausdauer und nicht im Sinne von Abstammung. So hatten er und Schily eine Gesprächsgrundlage. Mein Mann hat Kontakte hergestellt, Türen geöffnet und versucht, Geldgeber zu finden. Mit ihm sind die Deutsche Bank und charismatische Unterstützer wie Berthold Beitz und Reinhard Mohn eingestiegen.

 

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