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Im Porträt: Kathrin Moradi

Ein Hoch auf Bachelor und Master

A. Himmelrath, B. Mersch
Wer in den vergangenen Jahren mit einem der neuen Abschlüsse auf den Arbeitsmarkt kam, musste in den Unternehmen oft viel Überzeugungsarbeit leisten. Mittlerweile haben die Bewerber gute Karten.
Kathrin Moradi, Master-Absolventin der FH MünchenFoto: © Thomas Dashuber
Kathrin Moradi ist fast so etwas wie ein Vorbild - für das von der Bildungspolitik geforderte neue, lebenslange Lernen mit kontinuierlicher Weiterbildung und ungerader Karriere. Die 33-Jährige hatte zunächst an der TU München Architektur studiert und fünf Jahre in ihrem Beruf gearbeitet, bevor sie sich 2004 für einen zusätzlichen Master-Studiengang einschrieb: "Ich suchte damals ein breit gefächertes Studium, das mir viele berufliche Perspektiven eröffnet", erzählt Kathrin Moradi. An der FH München wurde sie fündig: "Systems Engineering" heißt der Studiengang, bei dem es um die Analyse, Optimierung und Realisierung komplexer Systeme geht. Dass die Münchenerin eine gute Wahl getroffen hat, zeigt das aktuelle Junge-Karriere-Ranking: Die FH München belegt hier in gleich zwei Fächern - Maschinenbau und Elektrotechnik - den Spitzenplatz.Obwohl die Zahl der Master-Absolventen von deutschen Hochschulen Anfang 2006 noch überschaubar war, hatte Kathrin Moradi damals keinerlei Probleme, potenzielle Arbeitgeber von sich zu überzeugen. Im Gegenteil: "Jede dritte Bewerbung hat zu einem Vorstellungsgespräch geführt", sagt sie und verweist auf die Struktur ihres Studiengangs: "Die inhaltlichen Schwerpunkte treffen genau die Bedürfnisse der Wirtschaft." Positives Feedback habe sie außerdem für ihren beruflichen Wechsel und die Bereitschaft zur eineinhalbjährigen Weiterbildung erhalten. Genau diese Flexibilität ist einer der Grundgedanken hinter der Einführung der Bachelor- und Master-Abschlüsse.

Die besten Jobs von allen

Das weiß mittlerweile auch eine Mehrheit der Personaler. Beim Junge-Karriere-Ranking sagten 18,2 Prozent der Personalverantwortlichen in Unternehmen mit weniger als 1000 Mitarbeitern, sie seien über die neuen Abschlüsse "sehr gut" informiert. Bei diesen Unternehmen fühlen sich 31,8 Prozent sogar "gut" informiert. Bei Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern sagen 8,1 Prozent der Personaler, sie kennen sich "sehr gut" mit den neuen Abschlüssen aus. 46,8 Prozent der Personaler halten ihre Kenntnisse für "gut".Insgesamt können also mehr als die Hälfte aller Personal-Entscheider mit Bachelor und Master etwas anfangen. Das liegt nicht zuletzt an Kampagnen wie der des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft, der im Juni 2004, als die ersten Studenten ihre Abschlüsse in den neuen Studiengängen machten, zusammen mit 15 Personalvorständen großer Unternehmen die gemeinsame Erklärung "Bachelor Welcome" veröffentlichte. Darin versprachen Konzerne von der Deutschen Bahn bis zu Bilfinger Berger Bachelor-Absolventen attraktive Einstiegschancen und Entwicklungsmöglichkeiten in Fach- und Führungsfunktionen. 2006 legten die Unternehmer mit der Erklärung "More Bachelors and Masters Welcome" noch einmal nach: Sie forderten die Universitäten auf, die Studienreform schneller voranzubringen und darauf zu achten, dass jeder Bachelor-Abschluss die Qualifizierung für einen Beruf im Auge behält."Mittlerweile gibt es in Sachen Bachelor und Master keine Berührungsängste mehr", sagt Daniela Eck, Leiterin des Personalmarketings bei der Krones AG, dem Weltmarktführer für Getränkeabfüll- und Verpackungstechnik. Kein Bachelor-Absolvent müsse heute Angst vor einer zu geringen Qualifizierung haben: "Wir begrüßen solche Bewerbungen ausdrücklich, und für viele Positionen ist ein Master auch gar nicht nötig." Dass die Hochschulen der Forderung nach Vermittlung beruflicher Schlüsselkompetenzen verstärkt nachkommen, belegen auch die aktuellen Ranking-Ergebnisse: Im Bereich Management und Beratung bevorzugt nur noch eine Minderheit der Unternehmen Betriebswirte oder E-Techniker mit Diplom. Lediglich im Maschinenbau gilt genau der Hälfte der Firmen das Diplom noch als der bessere Abschluss - das gute Image der deutschen Ingenieurausbildung dürfte dafür verantwortlich sein.Nach zwei Jahren Tätigkeit als Beraterin bei der 3D Systems Engineering GmbH, wo sie für Unternehmen der Automobil-, Luft- und Raumfahrttechnik tätig ist, fällt auch die Bilanz von Kathrin Moradi rundum positiv aus - ihr Master-Studium sei "einfach toll" gewesen: "Ich bin mit fundiertem Fachwissen und einem exzellent ausgestatteten Methodenkoffer in den Beruf gestartet." Weil ein Drittel der Fächer auf Englisch unterrichtet wurde, seien sprachliche und interkulturelle Kompetenzen fast nebenbei vermittelt worden: "Für die Praxis war das genau die richtige Mischung."
Dieser Artikel ist erschienen am 30.05.2008
 

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