Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Kommen nach dem Tal des Elends nun bessere Zeiten für die EBS?
Foto: Kwest/Fotolia.com
EBS-Erbschaft

Durch das Tal des Elends

Teil 4: Modernes Management: Theorie, Praxis und Kunst

Wolff: Ich teile die Meinung des MBA-Kritikers Henry Mintzberg. Er argumentiert, dass Business-Schools Manager und keine MBAler ausbilden sollen. Er plädiert für einen Mix aus Theorie, Praxis und Kunst. Das ist modernes Management, das kann man auch schon im Bachelor machen. Zeigen Sie mir eine Business-School in Deutschland, die das strategisch macht.

Ist das eine Abkehr von der Strategie Ihrer Vorgänger?

Wolff: Ich würde es ,zurück zu den Wurzeln' nennen, aber in einem modernen Kontext. Es geht nicht darum, sich auf die Fachhochschule zurückzubesinnen. Ich wünsche mir, dass sich die Bachelorstudenten an der EBS am Anfang ihres Studiums mit den relevanten Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit oder Demografie beschäftigen. Auch dadurch erhoffe ich mir eine etwas andere Studentenschaft, mehr Studentinnen etwa. Unsere Absolventen sollen in mehr Branchen einsteigen als heute. Bisher fangen ja viele in den Beratungen und der Finanzindustrie an.

Sollen künftig noch mehr Praktiker lehren?

Wolff: Es geht darum, die Unternehmen systematisch und konsequent in die Business-School zu bringen. Das IMD Lausanne ist eine der besten Business-Schools der Welt – die Kollegen dort machen letztlich das, worüber wir reden. Die sind sehr stark in den Unternehmen verankert, und ihre Professoren publizieren dennoch in A-Journals. Der einzige Unterschied zu uns ist, dass sie keinen Bachelor anbieten.

Das IMD ist stark in der Weiterbildung, der Bereich ist das Problemkind der EBS.

Raatzsch: Wir sind dabei, die Weiterbildung zu stärken. Bei einer Reihe von Themen wie Leadership, Strategie, Nachhaltigkeit, Compliance oder Personalführung sind wir noch nicht so präsent, wie wir es gerne wären. Da sind wir dabei, das zu ändern. Außerdem verschwimmen derzeit die Grenzen zwischen Weiterbildung und Beratung; das ist ein völlig neues Geschäftsfeld. Wir haben Kollegen, die dieses Neuland gerade besiedeln.

Wolff: Wir sind noch nicht bei den 25 Prozent Beitrag zum Gewinn, den die Weiterbildung einmal ausmachen soll. Wir wollen die Gewinne aus der Weiterbildung in den nächsten zwei Jahren verdoppeln.

Herr Wolff, Herr Raatzsch, vielen Dank für das Interview.
 

Fair Company | Initiative