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MBA

Die Schere geht weit auseinander

Stefani Hergert
In Krisenzeiten boomt der MBA-Markt – eigentlich. Doch einige Schulen haben kleinere Klassen als noch im Jahr 2009. Trotz des hart umkämpften Marktes kommen aber neue Programme hinzu.
An der WHU in Vallender sind mehr als die Hälfte Selbstzahler.Foto: © PR WHU – Otto Beisheim School of Management
Wirtschaftliche Krisenzeiten sind gut für MBA Anbieter. Viele hoffen mit dem MBA die Krise auszusitzen und investieren daher in ihre Weiterbildung. Die deutschen Business Schools konnten davon schon 2009 nur zum Teil profitieren – in diesem Jahr geht die Schere bei den Teilnehmerzahlen im MBA noch weiter auseinander. „Der Wettbewerb auf dem deutschen Markt ist noch stärker und die Unternehmen sparen bei der Weiterbildung“, resümiert Michael Frenkel, Rektor der WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar. An der Gisma Business School in Hannover lernen jetzt nur noch 55 Studenten im Vollzeit-Programm, nachdem die Klasse 2009 schon verkleinert wurde. Die Querelen um die Finanzierung der Schule könnten ein Grund gewesen sein.Geringere Stipendien

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Auch an der Handelshochschule Leipzig (HHL) sitzen statt 39 nur noch 30 MBA-Studenten im Vollzeitkurs. Die Bewerberzahlen seien leicht zurückgegangen, sagt ein Sprecher. In der Branche wurde lange befürchtet, dass die HHL zurückfallen könnte, wenn sie nicht schnell einen neuen Chef findet und aus den roten Zahlen kommt. Das weist der Sprecher zurück. Noch immer sind viele Programme zu klein, um international wahrgenommen zu werden. „Die nächsten zwei Jahre werden der Lackmustest“, hatte Andreas Hackethal, Chef der Goethe Business School, vor einem Jahr gesagt. Und prophezeit: Wer es kurzfristig nicht schaffe, mehr als 30 richtig gute Teilnehmer zu gewinnen, werde es international schwer haben. Das ist das Minimum für die wichtigen – wenn auch umstrittenen – Rankings. Hackethals eigene Schule fand im zweiten Jahrgang des Vollzeit-MBAs nur 19 Teilnehmer, 29 waren es 2009. Geringere Stipendien seien ein Grund gewesen, heißt es an der Schule.Den Executive MBA (EMBA) hat die Goethe Business School gar ganz ausfallen lassen. Laut einer Sprecherin seien viele Gründe zusammengekommen – vor allem hätten sich die Firmen zurückgehalten. In Krisenzeiten sponsern sie weniger Teilnehmer, der Anteil der Selbstzahler steigt – an der WHU schon mehr als die Hälfte der Klasse. Dennoch sitzen im neuen Jahrgang mehr Studenten als 2009. Deutschland sei laut MBA-Messeanbieter QS bei ausländischen Bewerbern – vor allem Osteuropäern und Asiaten – beliebter geworden. Durchgeschlagen hat das aber nur bei einigen Schulen. Gewonnen haben Anbieter wie die Berliner European School of Managementand Technology (ESMT), die ihre Klasse von 25 auf 40 Teilnehmer vergrößert hat. Das durchschnittliche Ergebnis der Studenten im Standardtest GMAT kletterte auf 645 Punkte.Immer neue ProgrammeÜbertroffen wird  das im Vollzeit-Programm nur von der Mannheim Business School, deren aktuelle Klasse im Schnitt mit 670 Punkten glänzte. Zum Vergleich: der Durchschnitt der Top-Schulen der Welt liegt bei über 700 Punkten, 800 sind maximal drin. Trotz des hart umkämpften Marktes kommen neue Programme hinzu. Die WHU bietet jetzt auch einen Teilzeit-MBA in Düsseldorf an. 48 Bewerber interessierten sich dafür, 31 wurden genommen – für einen MBA ist das Verhältnis ungewöhnlich hoch. Hat die WHU es etwa beim Profil der Bewerber nicht so genau genommen? Frenkel wiegelt ab: „Das sind unsere Pioniere, es wäre selbstmörderisch, wenn wir hier Abstriche bei der Qualität gemacht hätten.“
Dieser Artikel ist erschienen am 08.10.2010
 

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