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Nach dem Abi

Die Qual der Studien-Wahl

Britta Mersch
Mit dem Abitur ist die erste Hürde geschafft. Doch die nächste, oft schwierige Entscheidung steht schon an: Was will ich studieren? Eine erste Orientierung geben Online-Tests verschiedener Universitäten. Wir haben die Angebote unter die Lupe genommen.
Wer nach dem Abi an die Uni will, steht vor der Frage: Was will ich studieren?Foto: © Carsten Steps - Fotolia.com
Soll es BWL sein oder Jura? Medizin oder doch lieber Biologie? Ein künstlerisches Fach oder eher ein mathematisches? Es ist nicht leicht, sich für den eigenen Karriereweg zu entscheiden. Eine erste Orientierung bieten Online-Tests zur Selbstbewertung der eigenen Interessen und Fähigkeiten.Die bekanntesten dieser Tests stammen von den Hochschulen selbst und richten sich an ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Wer noch gar keine Ahnung hat, welches Studium überhaupt in Frage kommt, ist mit dem Test der Universität Hohenheim gut bedient. Die Hochschule in Stuttgart, an der nur rund 6000 Studenten eingeschrieben sind, wurde deutschlandweit bekannt, als sie die Internetseite was-studiere-ich.de ins Leben rief.

Die besten Jobs von allen

Das Besondere: Der Test fragt nicht nach Studieninteressen, sondern danach, welche Qualifikationen man für ein Berufsfeld mitbringen muss: "Unser Test geht weit über die allgemeinen Schlagworte wie Kreativität oder Teamfähigkeit hinaus", sagt Heinz Schuler, der den Test für die Uni entwickelt hat.Auch die Qualifikation muss passenDer Test der Uni Hohenheim ist mit einer Dauer von nur 20 Minuten der schnellste Weg, sich über mögliche Studienrichtungen zu informieren. Und er wird gerade weiterentwickelt: "In Zukunft sollen nicht nur die Interessen für bestimmte Tätigkeiten, sondern auch die Qualifikationen für einen Beruf abgefragt werden", sagt Heinz Schuler. Viele Abiturienten wüssten zwar, welche Fächer sie interessieren, könnten aber nicht einschätzen, ob sie die nötigen Qualifikationen mitbringen.Einen Blick auf den zukünftigen Berufsweg versucht das "Borakel" der Universität Bochum zu werfen. Der Test existiert seit drei Jahren und wurde inzwischen von über 125000 Studieninteressierten gemacht. Er gliedert sich in drei Teile: "Mein Berufsweg" ermittelt die Interessen und Fähigkeiten von Schülern und schlägt Berufe und Studiengänge vor. Daneben gibt es noch die Erhebung "Mein Studiengang", der die Qualifikationen der Schüler mit den rund 60 Bachelor-Studiengängen der Ruhr-Uni abgleicht. Das Portal "Meine Uni" gibt den Schülern einen Überblick über das Studium in Bochum - ist also eher Marketinginstrument.Ein ähnliches Verfahren bietet die Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg an. Mit dem HAW-Navigator können Schüler online herausfinden, ob sie den Anforderungen einzelner Studiengänge gewachsen sind. Die Fragen beziehen sich zwar in erster Linie auf die Studiengänge der HAW, also etwa Sozialpädagogik, Pflege, BWL oder Wirtschaftsingenieurwesen, geben Studieninteressierten aber dennoch einen allgemeinen Hinweis darauf, für welches Fach sie geeignet sind. Wer schon seit Jahren alle technischen Geräte im Elternhaus auseinander schraubt, jeden noch so kleinen Fitzel unter dem Mikroskop beobachtet oder die Lieblingsromane freiwillig ins Französische übersetzt, hat vermutlich schon ziemlich genaue Vorstellungen davon, welcher Beruf passen könnte.Online-Tests für niedrige AbbruchquotenUm trotzdem auf Nummer sicher zu gehen, können Online-Tests, die abfragen, welche Qualifikationen man für einen Studiengang mitbringen sollte, helfen. Oft werden diese Online-Fragebögen in Fächern mit hohen Abbruchquoten angeboten, weil viele im Vorfeld die Anforderungen schlicht unterschätzen. Um das zu verhindern, bietet etwa die RWTH Aachen einen Self-Assessment-Test für Informatik, Elektrotechnik, Maschinenbau, Physik oder Psychologie an. Für nicht-technische Fächer hat die RWTH Aachen ein Self-Assessment für den Verbund norddeutscher Universitäten entwickelt. Der Test folgt einem ähnlichen Prinzip.Andere Hochschulen, wie die Uni Frankfurt oder die Uni Bonn, bieten ebenfalls Tests für ausgewählte Fächer an. Doch egal, was das Borakel, der Test der Uni Hohenheim oder das Self-Assessment der RWTH Aachen für die Zukunft empfehlen: Abiturienten sollten sich bei der Studienwahl auf keinen Fall nur auf Online-Tests verlassen, sondern noch mal genau prüfen, ob die empfohlenen Fächer wirklich zu ihnen passen. "Schüler sollten die Test als nützliche Informationsquelle ansehen", sagt Benedikt Hell, Experte für die Auswahl- und Orientierungstests an der Uni Konstanz, "sie ersetzen aber nicht die persönliche Beratung."
 

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