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Hochschul-TÜV

Die Prüfung bestanden

Stefani Hergert
Gleich vier deutsche Wirtschaftsfakultäten waren in den vergangenen Monaten beim international wichtigen Hochschul-Tüv erfolgreich. Für die Anbieter und den deutschen Markt ist das gut. Doch prüfen die drei globalen Akkreditierer höchst unterschiedlich. Für Studienbewerber lohnt daher ein zweiter Blick.
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Foto: GISMA Business School

Rekord für Deutschland

Es ist eine hohe Auszeichnung, schwer zu bekommen und gerade deshalb würden sich viele gerne damit schmücken: das Gütesiegel einer der drei international wichtigen Organisationen, die Wirtschaftsstudiengänge und BWL-Fakultäten akribisch prüfen. In Deutschland hat das bisher nur etwas mehr als eine Handvoll Hochschulen geschafft.

Daher ist es umso erstaunlicher, dass in den vergangenen fünf Monaten gleich vier Wirtschaftsfakultäten und Wirtschaftshochschulen – Business-Schools genannt – eines der Siegel erhalten haben, darunter sogar eine Fachhochschule. Das ist Rekord – und gut für den wenig internationalisierten deutschen Markt. Und doch wirft die Vergabe Fragen auf. Denn die drei Organisationen arbeiten höchst unterschiedlich.

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Sie haben sperrige Namen: Association to Advance Collegiate Schools of Business (AACSB), Association of MBAs (AMBA) und European Foundation for Management Development (EFMD) – und sie sind die Instanzen für Wirtschaftshochschulen weltweit. Denn diese drei Organisationen begutachten Wirtschaftsstudiengänge und Business-Schools – sind damit eine Art Tüv für Hochschulen. Ihre Siegel bezeugen, dass die Hochschulen eine hohe Qualität haben. Im Gegensatz zu den deutschen Akkreditierern sind sie keine Pflicht, sondern Kür für die wirklich Guten der Welt. Sie sind die einzigen, die global Gewicht haben – und waren lange vor allem für staatliche deutsche Hochschulen eine enorme Hürde.

Elf deutsche Anbieter tragen ein Siegel

Doch seit April dieses Jahres tragen die Wirtschaftsfakultäten der Universitäten Münster und RWTH Aachen sowie seit Ende Juli auch die Fachhochschule in Pforzheim das Gütesiegel der amerikanischen AACSB. Vor zwei Wochen konnte die private Gisma Business School verkünden, dass sie die Prüfung der britischen Amba bestanden hat.

Damit haben elf deutsche Anbieter eines der Siegel – so viele wie nie zuvor. Für die Wirtschaftshochschulen sind die Gütesiegel wichtig, weil internationale Studenten darauf achten und sie Partnerhochschulen zum Teil nur mit Siegel gewinnen können.

Für den deutschen Markt haben sie zusätzliche Bedeutung – die deutschen Anbieter sind klein und global kaum bekannt. „Viele deutsche Business-Schools haben keine Antwort darauf, warum beispielsweise ein Spanier oder ein Japaner zu ihnen kommen soll“, sagt Jens Wüstemann, Leiter der Mannheim Business School. Die Gütesiegel helfen, international bekannter zu werden und steigern damit auch den Wert der Studienabschlüsse.
 

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