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"Die Prostitution war für mich nur ein Job"

Johanna Kutsche
Alexandra Aden hat die Entscheidung für den Job nie bereutFoto: © Ute Schmidt / bildfolio
Wie viel Geld haben Sie verdient?
Ich kam richtig gut zurecht. 2000 Euro waren es schon im Monat. Es kam immer drauf an, wie oft ich hingegangen bin. Wenn ich meine Ausgaben gedeckt hatte, bin ich nicht arbeiten gegangen. Allerdings wachsen mit dem Geld auch die Bedürfnisse, etwa wollte ich eine größere Wohnung. Für viele Studenten ist das so verlockend, dass sie irgendwann mit dem Studium aufhören. Für mich kam das nicht infrage, weil die Uni für mich immer im Vordergrund stand.Das Portal gesext.de, das wohl größte Auktionshaus für sexuelle Kontakte, meldete vor einigen Monaten, dass die Zahl der studentischen Auktionen seit Einführung der Studiengebühren um 400 Prozent gestiegen sei. Denken Sie, dass sich durch die Gebühren mehr Studentinnen prostituieren?Da sehe ich auf jeden Fall einen Zusammenhang. Die Studiengebühren und alle anderen Kosten steigen, sodass Eltern gar nicht mehr in der Lage sind, ihre Kinder zu unterstützen. Wenn dann die Angebote da sind, wie es heute nun mal der Fall ist, überlegt sich das manch eine Studentin. Ich denke sogar, dass es noch schlimmer werden wird.Haben Sie denn andere Studentinnen kennengelernt, die sich prostituieren?Nein, gar nicht. Aber ich war auch nur an zwei Orten, nämlich im Club und in einem Massagesalon. Allerdings wird man in Escort-Services sehr viele finden, weil auch da eine freie Zeiteinteilung möglich ist.Aus Ihrer Sicht klingt der Job recht nüchtern, als sei nichts dabei. Man sollte schon schauen, ob man sein Leben ohne den Job auf die Reihe bekommt. Ich habe das Buch von Laura D. gelesen, einer französischen Studentin, die sich ebenfalls prostituiert hat. Die war ja sehr jung, die kam gar nicht mit dem Job zurecht, sodass am Ende ihr Studium und ihr ganzes Leben litten. Man sollte nicht leichtfertig beginnen, weil immer die Gefahr des Hängenbleibens besteht. Wenn man einmal gesehen hat, dass man relativ leicht und zügig Geld verdient, ist die Motivation, unbequeme Jobs zu machen, nicht so groß. War es für Sie immer klar, dass Sie nach dem Studium mit der Prostitution aufhören? Es war eine Katastrophe. Ich war fertig mit dem Studium, fand aber überhaupt keinen Job, was auch an meinem exotischen Studienfach Kulturwissenschaften lag. Ich hatte kurzfristig aufgehört mit der Prostitution, stieg dann aber wieder ein. Und merkte, dass es mir schlecht dabei geht, weil die Perspektive fehlte. Alle Hoffnungen, die ich mit dem Studium verbunden hatte, die waren auf einmal weg. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich neue Projekte gefunden hatte. Mittlerweile muss ich mich nicht mehr prostituieren. Wenn Sie wählen könnten, würden Sie alles noch einmal genau so machen?Ja. Es ist ja alles relativ gut gelaufen, ich habe keine besonders schlimmen Erfahrungen gemacht. Es war einfach ein Mittel zum Zweck, daher habe ich die Entscheidung nie bereut.Der Name Alexandra Aden ist ein Pseudonym, auch ihr Alter verrät die Autorin nicht. Enge Freunde wissen von ihrer Vergangenheit als Prostituierte, der Ausstieg ist ihr mittlerweile gelungen. Aden hat im Rhein-Main-Gebiet Kulturwissenschaften studiert. Heute ist sie selbstständige Kulturmanagerin. Sie organisiert Ausstellungen und schreibt Beiträge für Kataloge. Ihr Buch "Und nach der Vorlesung ins Bordell - Bekenntnisse einer deutschen Kunststudentin" ist bei Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen und kostet 9,90 Euro.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.02.2009

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