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"Die Prostitution war für mich nur ein Job"

Johanna Kutsche
Warum schlafen die nicht einfach mit ihren Ehefrauen?Das machen die auch. Ich denke, dass Männer einfach anders gestrickt sind, vielleicht evolutionär bedingt. Die wollen Abwechslung. Ich hatte Männer, die 40Jahre lang treu gewesen waren. Die fingen erst im Alter damit an. Die haben mir das auch erzählt: "Ich bin heute das erste Mal da, ich hab das noch nie gemacht, ich weiß auch nicht, warum jetzt." Ob die dachten, sie versäumen was, ich weiß es nicht. Für Männer ist es ein Kick, ins Bordell zu gehen. Wurden Sie nie mit Perversionen konfrontiert?Ich hatte ganz wenig mit Perversionen zu tun. Das gab es in unserem Club nicht, dafür gibt es eigene Clubs. Aber einen Gast hatte ich, der sich ein bisschen von den anderen unterschied. Er hat sich auch gar nicht ausgezogen, sondern eine kleine Micky-Maus-Figur hervorgeholt und in die Toilette gelegt. Alles, was er von mir wollte, war, dass ich auf die Figur pinkele. Das kam mir ein bisschen absurd vor, aber ich habe es gemacht. Danach musste ich die Micky Maus runterspülen. Und ich glaube, in dem Moment ist ihm einer abgegangen. Ich weiß es nicht, er war ja bekleidet. Er hat damit irgendetwas verbunden, mit dieser Figur.In Ihrem Buch heißt es, einer Ihrer besten Kunden sei Dozent an Ihrer Universität gewesen. Das war peinlich. Ich hatte natürlich auch Stammgäste, und als ich eines Tages über den Campus lief, begegnete mir einer von ihnen. Wir konnten nicht ausweichen, sind dann aufeinander zu, haben uns erstmal nur angeschaut und begrüßt, beide peinlich berührt. Ich habe herausgefunden, dass er Dozent an meiner Uni ist. Wir haben gar nicht darüber gesprochen, sondern haben in der anderen Welt weitergemacht. Ich musste mir auch keine Sorgen machen, dass er irgendetwas sagt oder mich verrät und umgekehrt. Es war wirklich unangenehm, weil sich beide Welten auf einmal berührten.Wussten eigentlich Ihre Freunde und Ihre Familie Bescheid? Ich hatte zwei gute Freundinnen, die Bescheid wussten. Die waren mehr oder weniger interessiert, man hat am Anfang mal ein bisschen darüber geredet, aber später war es kaum mehr ein Thema. Meine Eltern wussten es natürlich nicht, auch heute nicht. Das sind die Allerletzten, denen ich das erzählt hätte. Als ich dann später eine Beziehung eingegangen bin, habe ich es gesagt. Ich denke, wenn man eng zusammenlebt, sollte man nicht mit Lügen anfangen.Wie hat Ihr Partner auf die Prostitution reagiert? Ich habe meinen Mann, wir sind mittlerweile verheiratet, während meiner aktiven Zeit kennengelernt, an der Uni. Er wusste von Anfang an Bescheid, ist aber sehr froh, dass ich mich jetzt nicht mehr prostituiere. Mein Buch zum Beispiel hat er nicht gelesen, er wird es auch nicht lesen. Das wäre dann wohl doch zu nah.

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