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"Die Prostitution war für mich nur ein Job"
Morgens zur Uni, abends ins Bordell: Alexandra Aden führte während ihres Studiums ein Doppelleben. Ihre Erfahrungen hat die Kulturmanagerin in einem Buch verarbeitet.
Frau Aden, Prostitution gehört nicht gerade zu den klassischen Studentenjobs. Wie sind Sie dazu gekommen?
Am Anfang meines Studiums musste ich gar nicht arbeiten, weil ich einen recht wohlhabenden Freund hatte. Als der mich verließ, stand ich vor dem Problem, mich selbst finanzieren zu müssen. Ich habe es erst mit normalen Jobs versucht, kam aber überhaupt nicht über die Runden. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich nicht mit Geld umgehen kann. Durch Zufall bin ich auf eine Annonce in der Zeitung gestoßen. Ich hab einfach mal angerufen und geschaut, worum es da geht.
Was stand in dieser Annonce?
Es wurden Frauen ab 18 gesucht, die sich vorstellen können, in einem Club zu arbeiten. Sehr viel mehr stand nicht dabei. Deswegen wusste ich auch nicht 100-prozentig, was auf mich zukommt. Geht es da nur um Unterhaltung? Oder um mehr? Ich habe meinen Mut zusammengenommen und angerufen, und man hat mich noch am selben Abend dahin bestellt. Und recht schnell war klar: Es geht um Sex. Ich bin ins kalte Wasser gestoßen worden, hab mich schnell umgezogen, der erste Gast kam und zack, war ich auf dem Zimmer.
Das erste Mal einem Freier gegenüberstehen, seinen Körper verkaufen. Wie war das?
Ich hatte zum Glück nicht lange Zeit, darüber nachzudenken. Das war vielleicht das Beste. Als ich im Zimmer stand, hatte ich natürlich schon Angst. Der Gast duschte, und ich wusste nicht genau, wie ich mich jetzt verhalten soll. Man hatte mir vorher gesagt, was er möchte, nämlich französisch. Das hab ich einfach getan. Ich habe mich weitestgehend abgeschaltet. Danach bin ich erstmal duschen gegangen, weil das doch alles sehr fremd war. Aber als ich das Geld bekam, hat mich das überzeugt. Wenn das erste Mal schlimm verlaufen wäre, hätte ich es sofort wieder gelassen. Aber es war eben okay.
Sie haben danach ein Doppelleben geführt, waren einerseits Studentin, andererseits Prostituierte. Wie haben Sie das organisiert?
Ich habe tagsüber studiert und Seminare besucht, und abends bin ich ein- oder zweimal pro Woche in den Club zum Arbeiten gegangen. In dem Moment, in dem ich mich umgezogen und geschminkt habe, war ich eine andere Person. Da war die Studentin verschwunden. Dadurch, dass ich nicht so oft gearbeitet habe, habe ich das Doppelleben ganz gut hinbekommen. Ich habe mich auch als Studentin gesehen, nicht als Prostituierte. Das war einfach ein Job, um Geld zu kriegen.
Gab es Situationen, mit denen Sie zu kämpfen hatten?
Eigentlich nicht, meistens war es Routine. Allerdings gab es hin und wieder besondere Wünsche von Freiern. Einer bestellte mich mal in eine Kirche, ich stand also im Kreuzgang, und da war jemand, der vermutlich der Pastor war, er war zumindest so angezogen. Und da kam es eben zum Sex. Einen Stammgast hatte ich, der war Richter, er hatte seine ganz eigenen Vorstellungen von seinem Besuch. Es war fast eine Art Bühnenstück, das wir da immer aufführten. Die anderen Männer kamen, tranken etwas, wollten Sex und gingen wieder.
Die meisten sind also Durchschnittstypen?
Ja, Mittelschicht. Die allermeisten sind verheiratet und haben Familie, Kinder. Sie unterscheiden sich nicht von anderen Männern, haben aber ihre Bedürfnisse.
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23 Kommentare zu “"Die Prostitution war für mich nur ein Job"”

