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Promotionsberater

Die falschen Doktoren

Stefani Hergert
Der Skandal um gekaufte Titel war gute Werbung für die zwielichtige Branche der Promotionsberater. Das Millionengeschäft ist nicht zu stoppen.
Etwa zwei Prozent der jährlich in Deutschland verliehenen Doktortitel sind faul, so SchätzungenFoto: © Gina Sanders - fotolia.com
Meist ist es der Zufall, der die Mauschelei aufdeckt. Wie bei dem Hannoveraner Juraprofessor. Studenten hatten kundgetan, dass sie bei dem Mann keine Prüfung ablegen wollten, weil der Professor Kommilitoninnen gute Noten gegen Sex gegeben haben soll. Die Staatsanwaltschaft hakte nach – und fand dabei auch heraus, dass er auch Schmiergelder vom „Institut für Wissenschaftsberatung“ angenommen hatte. Im Gegenzug führte er Kunden des Beraters zum Doktortitel. Der Professor wurde wegen Bestechlichkeit verurteilt.Was die Uni da noch nicht ahnte: Der Jurist war nur einer von vielen. Gegen rund 90 Professoren aus ganz Deutschland ermittelte die Staatsanwaltschaft Köln 2009, Verfahren gegen etwa 40 von ihnen wurden gegen Geldauflage eingestellt, 20 Fälle sind noch immer nicht abgeschlossen. Der Hannoveraner Zufall mündete in den größten Skandal um Professorenbestechung und gekaufte Doktortitel, den Deutschland je gesehen hat.

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Rund um den Wunsch nach dem Doktortitel auch für akademische Nieten ist schon lange eine ganze Industrie entstanden. Und die profitiert bizarrerweise von jedem aufgeflogenen Fall, weil viele Aspiranten so überhaupt erst merken, wie leicht sie scheinbar an den Titel kommen können. Das Geschäft boomt, gerade im Aufschwung.Im Zuge des Skandals verschwand zwar das „Institut für Wissenschaftsberatung“. „Aber der Kuchen wurde unter den übrigen Promotionsberatern verteilt“, sagt der Münchener BWL-Professor Manuel René Theisen, der seit Jahren gegen den Titelhandel kämpft. Doch dem ist nicht beizukommen. Das Kürzel mit den zwei Buchstaben ist in Deutschland zu begehrt, weil es ein höheres Gehalt und bessere Karriereaussichten verspricht und als Namenszusatz die Eitelkeit bedient. Es seien auch nicht die hilflosen Mauerblümchen, die den falschen Doktor anstreben, sondern Karrieretypen. „Dahinter steckt pures ökonomisches Kalkül“, sagt Theisen.Aspiranten, die neben dem Beruf promovieren wollen, tun sich oft schwer, einen Doktorvater für sich zu gewinnen, zumal die Examensnoten vieler Möchtegern-Doktoren nicht gut genug sind. Rund ein Dutzend Promotionsberater in Deutschland offerieren Hilfe. Ihre offiziellen Dienste: Sie stellen den Kontakt zum Doktorvater her, helfen bei Themenfindung, Literaturrecherche und Betreuung. Natürlich alles völlig legal, wie sie nicht müde werden zu betonen. 10000 bis 30000 Euro verlangen sie dafür. Mediziner, Juristen und Betriebswirte gelten als Hauptzielgruppe.Doch der Grat zum Verbotenen ist schmal. In vielen Fällen zahlt man Professoren Geld, damit diese den Prüfling durch das Promotionsverfahren schleusen. Was in Deutschland Beamtenbestechung ist, wird in anderen Ländern geduldet. Entscheidend aber ist: „Das Konstrukt Promotionsberater legt doch den Verdacht nahe, dass Kunden die Arbeit nicht selbst schreiben“, sagt Michael Hartmer, Geschäftsführer des Deutschen Hochschulverbandes. Erlaubt ist das nicht, aber da Kandidat und Komplize aus eigenem Interesse schweigen, kommt es nur selten ans Licht.
 

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