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Kann man Chefsein lernen?
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Die Chefschule

Teil 4: Nicht jeder Chef passt

Kann man als Führungskraft in einem zahlendominierten, auf den Börsenwert fokussierten Unternehmen wirklich so führen, wie es Mitarbeiter im 21. Jahrhundert verlangen? "Grundsätzlich ist das ein Systemproblem", sagt Jenewein, der Managementprofessor aus St. Gallen. "Aber ich kann auch als Führungskraft Ziele nicht einfach weitergeben, sondern muss sie erklären und interpretieren und so die Akzeptanz für sie schaffen."

Vielleicht muss so manche Führungskraft dann aber auch erkennen, dass sie einfach nicht zum Unternehmen passt – wenn die eigenen Werte nicht mit denen der Firma übereinstimmen. Nur: Auch dafür ist Selbstreflektion wichtig. Im Umkehrschluss aber heißt das: Wenn einst erfolgreiche Führungskräfte nach einem Unternehmenswechsel scheitern, muss das nicht unbedingt daran liegen, dass sie der neuen Aufgabe nicht gewachsen waren. "Führungskompetenz ist nichts, was man ein für alle Mal hat", sagt der Friedrichshafener Professor Wieland. "Es geht um das Matching, darum, ob die Person zum Unternehmen passt."

Philanthropen sind die besseren Chefs

Es klingt so trivial, doch wenn selbst Professoren wie Jenewein aus St. Gallen darauf explizit hinweisen, scheint die Satire von der Wirklichkeit nicht so weit entfernt zu sein. "Man muss Menschen mögen, wenn man Führungskraft werden will", sagt er. Wer jemals Ekelchef Bernd Stromberg in der gleichnamigen Serie und nun auch im Kino gesehen hat, weiß, was damit gemeint ist.

Kein Wunder in einem Land, in dem noch immer die Besten ihres Fachs aufsteigen. Doch eine Führungsposition ist ein neuer, anderer Job, der mit dem des Ingenieurs oder Controllers nicht mehr viel gemein hat. Nicht umsonst sehen Vordenker das Management als eine eigene Profession.

Und so werden wohl auch in den Führungsseminaren immer wieder Aspiranten sitzen, die mit den Menschen, die sie führen sollen, ihr größtes Problem haben. Muss man dann nicht manchmal auch Teilnehmern empfehlen, es mit der Führungslaufbahn besser sein zu lassen? "Solche Fälle gibt es", sagt der Zeppelin-Professor Wieland. Und fügt schnell hinzu: "Wir können aber nicht mehr als Empfehlungen geben."
Dieser Artikel ist erschienen am 17.03.2014
 

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