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Kann man Chefsein lernen?
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MBA-Trend

Die Chefschule

Teil 3: Der neue Führungsstil

Bisher haben viele Chefs ihren Leuten Aufgaben gegeben, die Arbeit kontrolliert und gelobt oder getadelt. Transaktionale Führung nennen das die Experten. Viele Aufgaben des 21. Jahrhunderts aber haben mit sturem Anwenden nichts mehr zu tun.

Wer kreativ sein, Innovationen hervorbringen, vor Ideen sprühen soll, der will sich eingebunden fühlen, anerkannt und wertgeschätzt werden. Für Chefs heißt das: anders führen, mehr erklären, Freiräume geben, das große Ganze begreifbar machen. Transformationale Führung nennen das die Experten. "In der komplexen Welt kann man nicht mehr transaktional führen, sondern transformational", sagt der St. Gallener Professor Jenewein.

Das Bauklötzchen-Prinzip

Was genau das heißt? Yih-teen Lee kann das recht gut mit Bauklötzen aus dem Kinderzimmer erklären. Es ist der zweite Tag in Barcelona, an dem der Professor Freiwillige zum Turmbauen sucht. Mit verbundenen Augen und nur wenig Zeit sollen sie so viele Würfel wie möglich aufeinanderstapeln. Umfallen darf der Turm natürlich nicht. In der ersten Runde sitzen neben dem Bauarbeiter Chef und Kollege, die nicht eingreifen, aber helfen dürfen. Nach links, nach rechts, ein Stück höher, jetzt ablegen, lauten die Kommandos.

Die Werte müssen zu denen des Unternehmens passen. In der zweiten Runde aber fehlen die beiden. Stattdessen setzt sich Yih-teen Lee neben den neuen, unerfahrenen Turmbauer, redet mit ihm und übt mit ihm, Würfel in großer Höhe zu stapeln. Das gibt Sicherheit. Der Professor gibt vor, wie viele Klötze am Ende aufeinanderstehen sollen, in der Bauphase aber setzt er sich ab. Das Ergebnis überzeugt dennoch: Mit seiner Art, zu motivieren und anzuleiten, stehen schließlich mehr Klötze aufeinander als gedacht.

Am Ende fragt Yih-teen Lee, was das Ziel einer Führungskraft sei. Nach einigen Diskussionen steht ein Satz an der Tafel: "Ergebnisse erzielen, indem man Menschen weiterentwickelt." Aber auch der Management-Professor weiß: Das braucht manchmal Zeit – und kann in Unternehmen, die stark auf den kurzfristigen Erfolg schielen, zum Problem für die Führungskraft werden.
 

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