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Weiterbildung

Deutscher MBA in der Krise

Stefani Hergert
Die Nachfrage nach MBA-Studienplätzen steigt stetig - und damit auch die Anzahl der Kurse, die einem hohen Standard nicht entsprechen können. Selbst mit der geforderten Änderung der Akkreditierung lässt sich die Inflation der Programme nicht stoppen.
Viele MBA-Programme entsprechen nicht dem hohen AnspruchFoto: © Franz Pfluegl - Fotolia.com
Seit die deutschen Hochschulen ihre Studiengänge auf Bachelor und Master umstellen, müssen sie sich auch mit Akkreditierungsagenturen auseinandersetzen. Die entscheiden darüber, ob das Gesamtkonzept sinnvoll ist, Lernziele eindeutig formuliert und die Abschlüsse berufsvorbereitend sind - kurz, ob die Studiengänge den Anforderungen der Bologna-Reform gerecht werden.Mit ihnen ist die Zahl der MBA-Programme explodiert. Dumm nur, dass die meisten verkappte Master of Science-Programme sind und nicht das erfüllen, was sie versprechen. Das wird sich so schnell auch nicht ändern. Zwar gibt es erste Anstöße hin zu einer längst überfälligen Reform der Akkreditierung in Deutschland. Doch zu mehr Transparenz bei den MBA-Programmen wird diese nicht führen.

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Mehr als 200 Programme, die den Abschluss Master of Business Administration verleihen, gibt es in Deutschland. Doch nur ein Bruchteil davon sind "echte" MBA-Programme, die sich an Nicht-Ökonomen richten, international sind und auf Englisch unterrichtet werden. Oftmals sind die Programme so spezialisiert, dass sie ehrlicherweise mit dem Master of Science abschließen müssten. Denn mit der Idee eines General Management Programms, das auf Führungsaufgaben vorbereitet, haben sie nichts mehr gemeinsam. Das Etikett MBA scheint vielen Hochschulen zu verlockend, der Titel wird damit entwertet.Unseriöse Anbieter profitieren"Geholfen ist damit nur den unseriösen Anbietern solcher Studiengänge. Ich bin skeptisch, ob es der Wissenschaftsgemeinschaft gelingt - ja, ob sie es überhaupt will - speziell den MBA wieder eindeutig zu positionieren und den Titel wieder bedeutungsvoll zu machen", sagt Harald Melcher, Vorstand des Verbands der Privaten Hochschulen.Kritiker und Business-School-Chefs werfen den Akkreditierungsagenturen vor, ihren Teil dazu beizutragen. "Die fehlende internationale Ausrichtung ist das Manko von Akkreditierungsagenturen, die sich speziell mit den zahlreichen Programmen beschäftigen. Sie legen kaum Wert auf Internationalität", sagt Eva Niemann, die die deutschen Aktivitäten der Tias Nimbas Business School leitet.Achim Hopbach, Geschäftsführer der Stiftung zur Akkreditierung von Studiengängen in Deutschland, hält dagegen. "Das Problem lässt sich vermutlich mit dem Instrument der Akkreditierung nicht lösen." Denn laut Hopbach gebe es kein allgemein akzeptiertes Bild eines MBA-Abschlusses. Er argumentiert, dass es selbst auf internationaler Ebene verschiedene Konzepte gebe. Hopbach: "Wer soll entscheiden, welches MBA-Modell das gültige ist?"Internationale Siegel sind  anerkannterEin neues Akkreditierungssystem wird dem inflationären Gebrauch auch deshalb keinen Riegel vorschieben, weil das formale Akkreditierungsverfahren von den einzelnen Studiengängen unabhängig ist. Viele Programme sind schon akkreditiert und es hängt von der Gutachtergruppe ab, welche inhaltlichen Maßstäbe sie anlegt.International gibt es Gütesiegel wie AACSB, Equis oder AMBA. Sie setzen sehr hohe Standards. Doch einen Ruf wie die dahinter stehenden Organisationen hat keine deutsche Agentur. Stattdessen wird ihnen vorgeworfen, dass sie nur Mindeststandards akkreditieren, auch wenn Hopbach sagt, dass man sich schon vor Jahren davon verabschiedet hätte. MBA-Anbieter, die international sichtbar sein und sich von unechten MBA-Programmen absetzen wollen, setzen daher auf die internationalen Siegel.
Dieser Artikel ist erschienen am 11.12.2009
 

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