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Wirtschaftshochschulen

Der Weg zum Muster-Manager

Stefani Hergert
Nach diversen Skandalen und der Finanzkrise stehen die Wirtschaftshochschulen unter Druck. Das Selbstverständnis und die Lehrpläne müssen sich wandeln. Doch bisher wird nur an der Oberfläche gekratzt.
Harvard Business School in Cambridge (USA)Foto: © PR
Der Mann, der gerade die Ausbildung der Manager-Elite an der berühmtesten Universität der Welt umkrempelt, ist selbst ein Paradebeispiel für den Bruch mit der Tradition. Nitin Nohria hat im Juli das Amt als Dekan der Harvard Business School angetreten, der renommierten Wirtschaftsfakultät der Harvard University. Wer bisher dort an der Spitze stand, der war meist Finanz- oder Bilanzexperte und Amerikaner. Nohria dagegen ist Experte für Führungsverhalten und nachhaltiges Wirtschaften und er ist gebürtiger Inder.Und das neue Gesicht der Business-School-Szene hat schon lange vor der Finanzkrise eine Professionalisierung des Managerberufs und und eine Art hippokratischen Eid für Manager gefordert. Zuletzt verkündete Nohria vor ehemaligen Studenten, wie sich Harvard verändern muss. Er startete eine Diskussion, wie sie die Managerschule in ihrer mehr als 100-jährigen Geschichte noch nicht erlebt hat.

Die besten Jobs von allen

Wie in Harvard diskutieren derzeit die Professoren an vielen Business Schools weltweit über ihr Selbstverständnis und ihre Lehrpläne. Die Wharton School an der University of Pennsylvania etwa, ebenfalls eine der besten der Welt, hat in dieser Woche ihre neue MBA-Struktur für die "globale Generation" von Managern verkündet. Der Blick auf die ethische und gesetzliche Verantwortung der Manager ist Teil davon.Dieser Wandel kommt nicht ganz freiwillig. Die praxisnahe Managerausbildung, in den Händen von Business Schools, die ihrem Nachwuchs den Titel Master of Business Administration (MBA) verleihen, steht nicht erst seit dem Ausbruch der Finanzkrise unter Druck. Denn Veritas - die Wahrheit - ist eigentlich schon im Emblem der Harvard- Universität verankert.Doch mit der Wahrheit nahmen es nicht alle Harvard-Absolventen immer so genau. Skandale wie der um den verurteilen Ex-Enron-Chef Jeffrey Skilling oder Stanley O'Neal, den Ex-Leitwolf von Merrill Lynch, kratzten nicht nur am Ansehen. Viele gaben den Ausbildern eine Teilschuld an der Krise: Die Managerschmieden hätten Kurzfristdenken und Profitjagd gelehrt, die MBA-Absolventen hätten hier die Bastelanleitung für all die komplizierten Finanzprodukte bekommen, die erst die Banken und dann die Weltwirtschaft in die Tiefe rissen.Zwei Jahre ist das jetzt her, und die Business Schools müssen erkennen: Öffentlicher Druck, akademischer Widerstand und veränderte Ansprüche der MBA-Studenten machen Änderungen notwendig. Doch bisher bleiben die noch an der Oberfläche.
 

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