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Studium

Der Weg der britischen Elite

Matthias Thibaut
In Großbritannien nutzten viele Kabinettsmitglieder den traditionellen Ausbildungsweg. Am Anfang steht meist die Privatschule, in der man neben Fachwissen die wichtigsten Fähigkeiten ausbildet: Selbstbewusstsein und Networking. Dann folgen Oxford oder Cambridge.
Das King's College in Cambridge.Foto: © Patrick Leahy, /www.sxc.hu
Viele Wege führen an die Spitze. Lord Prescott, elf Jahre Vizepremier, fing als Steward auf einem Kreuzschiff an. Alan Johnson, letzte Woche noch Schattenschatzkanzler, war Postbote. Einen traditionelleren Weg wählten die meisten im Kabinett von Premier David Cameron: Erst die Privatschule, in der man neben Fachwissen die wichtigsten Fähigkeiten ausbildet: Selbstbewusstsein und Netzwerke zu knüpfen. So gerüstet, schafften 19 der 27 Minister den Weg nach „Oxbridge“ wie die innoffizielle britische Kaderschmiede heißt – die Kombination der beiden Elite-Unis Oxford und Cambridge.„Wir arbeiten so hart wir können, um jedem eine Chance zu geben“, betont der Sprecher von „Her Majesty’s Civil Service“, der nach britischer Beamtentradition anonym bleibt, aber die Vermutung vehement zurückweist, dass ein Studienplatz in „Oxbridge“ schon alles ist, was es zur Karriere braucht. Es gebe viele Einstiegsmöglichkeiten, sogar berufserfahrene Spezialisten gelangen noch in den Spitzenkader.

Die besten Jobs von allen

Angestellte der KroneBritische Beamte sind Angestellte der Krone. Da die Ernennung eine Sache von „Familienprivilegien“ geworden war, schlug eine Kommission 1854 die Schaffung eines permanenten, einheitlichen, politisch neutralen Beamtenapparats vor, der Einstellung und Beförderung so reguliert, „dass nur fähige Personen ernannt werden“. Im letzten Jahr wurden diese Vorschläge sogar gesetzlich verankert – nach über 150 Jahren.In den Beamtendienst werden in der Regel nicht ausgebildete Spezialisten wie Ökonomen oder Juristen, sondern Studienabgänger mit exzellenten Zeugnissen aufgenommen. Der wichtigste Weg ist der „Civil Service Fast Track“, Großbritanniens erfolgreichstes Graduiertenprogramm. Jährlich werden aus 15.000 Bewerbern etwa 600 durch „fairen und offenen Wettbewerb“ ausgesucht und dann zwei Jahre lang in der im angelsächsischen Raum beliebten Mischung aus Theorie und Praxis ausgebildet. Wenn ein hoher Anteil von den Universitäten Oxford, Cambridge oder anderen Spitzen-Unis kommt, dann, „weil die eben die Besten absahnen“.Ein „Verwaltungsrecht“ gibt es in Großbritannien nicht, man braucht auch keine eigene Schule dafür. Reicht die Fachkompetenz dieser intern ausgebildeten Generalisten? „Hohe Beamte brauchen mehr als Fachwissen. Ihre Fähigkeiten zu entwickeln und sie in die Teams einzubinden, ist mindestens so wichtig“, lautet die diplomatische Antwort.
Dieser Artikel ist erschienen am 03.02.2011
 

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