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MBA

Der Revoluzzer und das Gütesiegel

Stefani Hergert
Eine Managerakademie ohne festangestellte Professoren? Peter Lorange, Chef des Lorange Institute of Business, fordert die Akkreditierer heraus.
Peter LorangeFoto: © Vanessa Püntener/Strates/IMD
Peter Lorange probiert gerade so etwas wie eine Revolution. Aus einer eher zweifelhaften Manager-Weiterbildungsstätte nahe Zürich will er in fünf bis zehn Jahren eine der besten in Europa machen. Und das ohne eigene Professorenschaft. Doch genau damit bringt der Chef des Lorange Institute of Business eine der drei großen internationalen Akkreditierungsorganisationen für Wirtschaftshochschulen in die Bredouille. Von der britischen Association of MBAs (Amba) hätte Lorange nämlich gern ein Gütesiegel. Die Briten geben sich zwar wahnsinnig innovativ - doch eine Schule ohne eigene Professoren zu akkreditieren, bereitet ihnen Kopfschmerzen."Die Herausforderung ist doch, sicherzustellen, dass die Professoren auch das unterrichten, was im Programm steht," erklärt Amba-Präsident Paul Judge. Er wolle das Ganze daher sehr sorgfältig unter die Lupe nehmen. Denn im Prinzip will Lorange komplett auf die Kernmannschaft verzichten. Stattdessen sollen Dozenten der besten Wirtschaftshochschulen der Welt zu seinen Studenten in die Schweiz kommen, und nach getaner Arbeit wieder in ihre eigentliche Wirkungsstätte zurückfliegen. Zu 90 Prozent stehe sein Professoren-Netzwerk, sagt er, vor allem Dozenten aus Asien und Europa seien dabei.

Die besten Jobs von allen

Loranges Idee stößt auch im Kollegenkreis auf Unmut. "Er hat damit eine Art Erdbeben ausgelöst", sagt ein Professor einer französischen Schule. Es gibt Hochschulen, die ihren Professoren eine Nebentätigkeit bei Lorange gern untersagen würden. Denn deren Forschung, die ja auch in die Lehre einfließt, zahlt die Schule, an der sie angestellt sind. "Wenn viele Schulen so ein Modell hätten, wer bezahlt dann die Forschung?", fragt eine Professorin einer britischen Business School. Lorange will daher die Professoren und deren Heimat-Uni entlohnen.Ein überraschender NeuanfangDass seine Idee scheitern könnte, glaubt in der Business-School-Welt dennoch so recht niemand. Dafür ist der Norweger zu erfahren und zu renommiert. Er hat in 15 Jahren aus der Managerschmiede IMD in Lausanne eine der besten weltweit gemacht, hat den Umsatz von 35 auf 115 Mio. Franken in die Höhe geschraubt, hat sich ein exzellentes Unternehmensnetzwerk aufgebaut.Umso mehr verwundert es viele, dass sich Lorange im Alter von 66Jahren noch einmal solch eine Herausforderung zumutet. Ausgerechnet die frühere GSBA in Horgen bei Zürich hat er sich ausgeguckt, eine Ausbildungsstätte für Manager, die in der Schweiz nicht einmal als Hochschule anerkannt ist, dafür aber immer wieder mit zweifelhaftem Marketing auf sich aufmerksam machte. Sie hat er im Juli gekauft.Viel ist von der alten GSBA indes nicht übrig. Von den Programmen, die er eigentlich als Basis nehmen und weiterentwickeln wollte, gibt es nur die kurzen Weiterbildungsangebote und berufsbegleitenden Masterstudiengänge für erfahrene Manager. Nicht einmal den Namen hat die Schule behalten. Im Zeitplan hinkt er aber hinterher, der Umbau dauert länger als gedacht. Freimütig gibt er zu, dass er die alte GSBA wohl überschätzt hat. Doch auch davon lässt sich ein Peter Lorange nicht abbringen.
Dieser Artikel ist erschienen am 11.06.2010
 

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