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Studentenverbindung

Der Bund fürs Leben

Daniel Borchardt
Die Mitgliedschaft in einer Studentenverbindung kennt keine Kündigung. Wer beitritt, muss sich in die Hierarchie einfügen, sich bewähren und gegen Vorurteile ankämpfen. Ein Blick hinter die Kulissen der Burgundia-Leipzig zu Düsseldorf.
Offizielle Anlässe verlangen nach offizieller KleidungFoto: © Emanuel Bloedt
Ein großzügiges Wohnhaus in der Düsseldorfer Chlodwigstraße ist Mittelpunkt des Verbindungslebens für die Mitglieder der Burgundia-Leipzig. In den oberen Stockwerken wohnen einige der Mitglieder in schlichten Einzelzimmern, im Erdgeschoss und Keller sind die Gemeinschaftsräume. Die Uniformen werden im "Chargenzimmer" aufbewahrt, im Veranstaltungssaal und an den beiden Theken treffen sich die Burgunden zu offiziellen Anlässen oder für ein gemeinsames Altbier nach Feierabend. Überall im Haus sind die Farben der 130 Jahre alten Korporation zu sehen, viele Wände des schlichten Baus sind mit Andenken und Fotos geschmückt.Jonas Holtkemper eilt über den langen Flur, vorbei an Fernsehraum, Wohnküche und den Wandbemalungen in altertümlicher Schrift. Er klopft an die Zimmertür von Thomas Bogs, das Holz scheppert unter seiner Hand: "Du ziehst gleich den Wix fürs Foto an", ruft Holtkemper. Ein knappes "Ja" tönt aus dem Raum zurück. Minuten später taucht Thomas Bogs im Erdgeschoss des Hauses wieder auf. Der "Vollwix" schindet Eindruck: Eine Schärpe spannt sich über die schnieke Jacke, die weiße Hose steckt in Gamaschen, dazu lange Handschuhe. Auf dem Scheitel trägt der Student einen Hut, leuchtend orange und mit einem Gummiband gesichert. Die Uniform sieht ein wenig aus wie aus dem Fundus eines Historienfilms.

Die besten Jobs von allen

Holtkemper und Bogs sind bei der Studentenverbindung Burgundia-Leipzig zu Düsseldorf. Der eine als Vorsitzender ("Senior"), der andere als Fux, also im ersten Mitgliedsjahr. Die Hierarchie ist eindeutig: Füxe rackern bei Veranstaltungen, lernen die Eigenheiten des Verbindungslebens kennen und müssen sich am Ende ihrer zweisemestrigen "Probezeit" in der Burschenprüfung beweisen. Bis zu fünf Stunden lang werden sie unter anderem zur Geschichte der Uni und der Verbindung befragt.Verbindungen locken mit günstiger MieteSenior Holtkemper kam wie viele Neulinge zu Beginn seines Medizinstudiums wegen des günstigen Zimmers zur Burgundia. Sein Großvater, ebenfalls in einer Studentenverbindung, brachte ihn auf die Idee. Das Angebot ist verlockend: 15 Quadratmeter kosten hier 150 Euro warm, karge Möblierung inklusive. Ein Jahr können die Interessenten auf dem Haus Verbindungsluft schnuppern, wie es im Jargon heißt. Dann müssen sie sich entscheiden: Entweder sie ziehen wieder aus oder treten als Fux in die Verbindung ein.So haben sie Zeit genug, um sich mit den gängigen Vorurteilen gegenüber den rund 200 000 Studenten in Verbindungen und Burschenschaften auseinander zu setzen: Über sinnfreie Trinkgelage, unfaire Klüngelei und rechtsradikale Tendenzen schimpfen die Kritiker. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen einzelnen Zusammenschlüssen sowie den zahlreichen Dachverbänden.
 

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