Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Business Schools

Das Ende der MBA-Höchstpreise

Stefani Hergert
Die Preise von MBA-Programmen sind in den letzten Jahren immer weiter gestiegen. Doch immer weniger Firmen wollen die Kosten für ihre Mitarbeiter tragen. Mit weniger Teilnehmern steigt nun der Druck auf die Preise.
Sinken die Preise nicht, droht den Schulen BewerberschwundFoto: © sbonky - Fotolia.com
Als Jürgen Weigand vor zehn Jahren als Professor an die WHU - Otto Beisheim School of Management kam, zahlten die erfahrenen Manager dort etwa 59 000 Mark für das zweijährige Weiterbildungsprogramm, das er als Direktor leitet. Heute überweisen die Teilnehmer dieses Executive MBA (EMBA) 68.000 Euro für das Gemeinschaftsprogramm mit der Wirtschaftshochschule Kellogg School of Management.Das ist an anderen Schulen nicht anders. In Europa, den USA und Asien sind die Kursgebühren in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert. Bis zu 125 000 Euro kostet die MBA-Weiterbildung für erfahrene Führungskräfte. Doch mit den Preissteigerungen könnte es bald ein Ende haben. "Die Preise für die EMBA-Programme auf dem TopLevel werden sinken müssen", sagt Peter Rafferty, der die belgische Vlerick Leuven Gent Management School leitet. "Jedes Jahr 2 000 bis 5 000 Euro draufzusatteln kann auf Dauer nicht gutgehen", sagt auch WHU-Professor Weigand.

Die besten Jobs von allen

Die Preisspirale hat sich ausgedreht, da die Kostenübernahme durch Firmen seltener wird. Bisher haben viele Unternehmen ihre Mitarbeiter im meist berufsbegleitenden EMBA finanziell unterstützt, in manchen Klassen sponserten sie mehr als zwei Drittel der Studenten ganz oder teilweise. "Wenn die Unternehmen zahlen, lässt sich ein höherer Preis rechtfertigen", sagt Weigand.Die Krise bremst die ZahlungsbereitschaftDoch in der Krise halten sich immer mehr von ihnen zurück. Wie sollen sie auch begründen, dass sie Mitarbeiter entlassen, aber den Führungskräften Weiterbildungsprogramme mit sechsstelligen Kosten spendieren? Und als Selbstzahler werden wohl immer weniger Teilnehmer bereit sein, solche Summen auf den Tisch zu legen. "Wenn nicht die Preise sinken, dann die Bewerberzahlen", sagt Rafferty.Wer den EMBA selbst zahlt, braucht die Gewissheit, die Gebühren später durch ein höheres Einkommen wieder hereinzuholen. "Nur, was für einen Karriereschritt muss man dafür machen?", fragt Weigand. Die Teilnehmer sind in ihrer Karriere schon weit fortgeschritten, haben jahrelange Erfahrung. Dass der Druck auf die Preise steigt, glaubt auch Weigand. Doch werde das nicht sofort auf die Top-Programme durchschlagen, sondern zunächst eine Ebene darunter.
 

Fair Company | Initiative