Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Aufleben der Studiengebühren
Foto: tverkhovinets/Fotolia.com
Hochschulfinanzierung

Das Comeback der Studiengebühren

Anne Ritter
Die Studiengebühren sind in Deutschland abgeschafft, doch das Umsonst-Studium könnte bald wieder passé sein: Denn klamme Kassen zwingen die Länder zu kreativen Finanzierungskonzepten. Studentenvertretungen befürchten nun die Campus-Maut durch die Hintertür.
Aktuell sorgte mal wieder Baden-Württemberg für Negativschlagzeilen: Studenten sollen für bestimmte Dienstleistungen in Zukunft Gebühren bezahlen. Dem Haushalt des Wissenschaftsministeriums fehlen rund 200 Millionen Euro. Deswegen plant man im Ländle ein neues Hochschulgesetz.

Das geplante Gesetz verpflichtet die Unis dazu, den Studiumsanwärtern bis zu 100 Euro für Bewerbungsgespräche an Hochschulen, Zulassungstests oder Eignungsprüfungen abzuverlangen. Außerdem könnten Freizeitangebote wie der Hochschulsport, Sprach- und Computerkurse kostenpflichtig werden. Bereits vor wenigen Wochen war das Wissenschaftsministerium in Stuttgart für Gebührenpläne in Kritik geraten: Die Grünen hatten Abgaben für Ausländer vorgeschlagen – Studenten aus nicht EU-Ländern sollen mit bis zu 1000 Euro pro Semester zur Kasse gebeten werden.

Wer soll das bezahlen?

Marode Bauwerke, überfüllte Hörsäle, veraltete Arbeitsmaterialien – das sind nur einige Probleme der Unis, die das Thema Hochschulfinanzierung so aktuell machen. Die Wissenschaftsorganisationen in Deutschland sind sich einig, dass die Hochschulen "unzureichend versorgt" sind.

Auch Studierende fordern, dass die Studienbedingungen verbessert werden müssen. Die flächendeckenden Proteste der letzten Jahre haben aber gezeigt, dass deutsche Studenten nicht vom Bezahlstudium zu überzeugen sind. Dabei wurden sie von höchster Stelle als zumutbar eingestuft: Nach einem Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichts (BVG) sind Gebühren – wenn sie keine soziale Hürde darstellen und sozialverträglich gestaltet sind – unter bestimmten Bedingungen erlaubt.

Gegen Studiengebühren zu sein, ist leicht: Das Grundrecht auf Bildung lässt sich schwer anfechten. Und natürlich plädiert jeder liberal denkende Freund der Demokratie für Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit. Das Studium ist ein Kapital, auf das keine moderne Gesellschaft verzichten kann – angesichts von internationalem Wettbewerb, Innovationsdruck und Fachkräftemangel. Doch wer soll das bezahlen: der Bund, die Länder, private Investoren oder die Studierenden selbst? Die Frage bleibt offen.
 

Fair Company | Initiative