Neue Studiengänge

BWL mit Kunst verbinden

Katja Stricker
Das sieht Alanus-Fachbereichsleiter Petersen genauso. "Unser Studiengang ist kein BWL light." Das Studium sei in erster Linie ein Wirtschaftsstudium, in 80 Prozent der Veranstaltungen geht es um Wirtschaft. Dazu kommen 20 Prozent Kunst, Kultur und Philosophie. Neben den klassischen BWL-Modellen lernen die Studenten auch Unkonventionelles kennen, etwa die Wertbildungsrechnung, eine alternative Art der Bilanzierung, wie sie beispielsweise vom Partnerunternehmen dm angewendet wird. Schließlich können die Studenten bei dm, Weleda und Alnatura die Theorie in die Praxis umsetzen: Nach jedem Semester verbringen die Studenten zehn Wochen im Unternehmen; so bringen sie es am Ende ihres Studiums auf mehr als ein Jahr Berufserfahrung - fast wie bei einem dualen Studium.Wirtschaft neu denken - gerade die Finanzkrise zeigt, dass eine neue Generation von Managern gefragt ist. Für Personalberater Patrick Schild, der mehrere Jahre im internationalen Bankwesen tätig war, steht fest, dass eine der Ursachen der Krise die Abkopplung der Philosophie von der Wirtschaft ist: "Ethik, Integrität und nachhaltiges Handeln spielen gegenüber den nackten Zahlen zurzeit nur eine untergeordnete Rolle", kritisiert Schild.Ökonomen brauchen auch einen philosophischen InputUm das zu ändern, hat Rainer Hegselmann bereits vor zehn Jahren den Studiengang Philosophy & Economics an der Uni Bayreuth ins Leben gerufen. "Ich wollte die Philosophie mit harten Fächern wie Ökonomie verbinden, denn bei vielen Fragestellungen in Wirtschaft und Unternehmen kann ein Philosoph sehr hilfreich sein", sagt er. Das Studium besteht zu je 50 Prozent aus Wirtschaft und Philosophie. Das Grundstudium ist dem normalen BWL sehr ähnlich. Statt Vertiefungsfächer wie Marketing oder Steuerrecht stehen allerdings praktische Philosophie, Sozial- und Rechtsphilosophie auf dem Stundenplan."Für Mathe-Hasser ist das Studium nichts, denn nicht nur bei den Wirtschaftsfächern ist sie als Werkzeug wichtig, sondern auch in der Entscheidungs- oder Spieltheorie", sagt Hegselmann. Wer zu den 90 Studenten pro Semester gehören will, die an der Uni Bayreuth die Anknüpfungspunkte zwischen Wirtschaft und Philosophie lernen, muss einen Eignungstest bestehen: Entscheidend sind eine sehr gute Abi-Note, ein Motivationsschreiben und ein persönliches Gespräch.Den Aufnahmetest hat Lynn Waffenschmidt mit Bravour bestanden (siehe Porträt oben). Dabei hatte sie bis zum Abitur nicht viel mit Philosophie zu tun. Erst eine Berufsberatung machte sie auf den außergewöhnlichen Studiengang in Bayreuth aufmerksam: "Obwohl ich nie Philosophie als Fach in der Schule hatte, wusste ich schon im ersten Semester - das ist es", sagt sie. Ihr Studium wird sie bald abschließen.Heute bezeichnet sie sich als Philosophin. Dennoch macht ihr auch das Wirtschaftsstudium Spaß, selbst "wenn ich da schon mal ins Stöhnen komme, wenn es mir zu praxisfern wird." Aber ohne BWL-Kenntnisse geht es im Unternehmen nun mal nicht - das ist der 22-Jährigen klar.Den Anspruch, mit herkömmlichen Betriebswirten zu konkurrieren, hat Waffenschmidt derzeit nicht. "Controlling oder Steuerrecht - das könnte ich im Unternehmen mit meiner aktuellen Ausbildung gar nicht machen. Meine Spezialisierung ist gerade die Philosophie und deren Kombination mit den Wirtschaftsthemen", sagt sie selbstbewusst. Ein Mix, der auch bei Personalern gut ankommt: "Ich würde diese Absolventen liebend gerne einstellen, weil sie vielseitig einsetzbar sind und neue Impulse bringen", sagt Berater Schild.Querdenker können neue Impulse setzenQuerdenker ausbilden will auch Michael Anders, Geschäftsführer der Uni Witten/Herdecke. Deshalb ist an der Privathochschule seit Jahren für alle Studenten ein Studium fundamentale neben dem eigentlichen Fach verpflichtend. Zur Wahl stehen etwa Rhetorik, Politik und Philosophie, aber auch Malerei, Steinmetzen oder kreatives Schreiben. Das hat seinen Grund: "Künstler gehen völlig anders an Probleme ran, nehmen nichts einfach so hin, hinterfragen viel mehr - davon können sich Betriebswirte eine Scheibe abschneiden", findet Anders.Ein hehres Ziel, doch Personalberater Sven Drosten hat Bedenken, weil es exotische Studiengänge den Personalverantwortlichen schwer machen, einen Bewerber einzuordnen: "Die rätseln dann: Ist das jetzt ein Betriebswirt oder ein Philosoph", so Drosten. Er rät deshalb, einen spezialisierten Master draufzusatteln und gezielt Praktika zu absolvieren, um sein Bewerberprofil zu schärfen.Das nimmt sich offensichtlich das Gros der Philosphy & Economics-Absolventen der Uni Bayreuth zu Herzen: "Viele unserer Absolventen machen einen Master, manche sogar in Oxford oder Harvard", sagt Studiengründer Hegselmann nicht ohne Stolz. Auch Lynn Waffenschmidt zieht es nach ihrem Abschluss ins Ausland: Sie wird ein Trimester Sprachphilosophie studieren - als Gaststudentin an der Universität Oxford.Mehr als WirtschaftAlanus-Hochschule in Alfter bei Bonn 
In erster Linie ist die Alanus-Hochschule eine staatlich anerkannte Kunsthochschule. Seit drei Jahren bildet sie auch Betriebswirte aus. Die Gebühren für den Bachelor-Studiengang liegen bei 800 Euro pro Monat, allerdings erhält das Gros der Studenten ein Voll- oder zumindest Teilstipendium, das von den Partnerunternehmen der Hochschule finanziert wird. 
www.wirtschaft-neu-denken.de
Universität Bayreuth 
Seit rund zehn Jahren gibt es den Bachelor-Studiengang Philosophy & Economics, bei dem etwa ein Viertel der Veranstaltungen auf Englisch abgehalten wird. Pro Semester fallen 500 Euro Studiengebühren an. 
www.pe.uni-bayreuth.de

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