Interview Annette Schavan
Bologna macht Lust aufs Studieren
Wiwo.de
Zehn Jahre nach dem Start der Bologna-Reform in Deutschland sind Bachelor und Master an den Unis Alltag – und die Lust aufs Studieren hat deutlich zugenommen, sagt Ministerin Schavan. Sie will nun weitere Reformen.
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Mobilere Studenten und verringerte Abbrecherquote
86 Prozent der Studiengänge in Deutschland sind heute auf Bachelor und Master umgestellt. Zehn Jahre nach der Einführung der Abschlüsse am 15. August 2002 kündigt Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) im Interview an, das klassische Bildungsideal wieder stärken zu wollen.
Zehn Jahre Bologna haben viel verändert. Vor allem der Bachelor-Studiengang wurde heftig kritisiert.
Schavan: Nach zehn Jahren ist der Bologna-Prozess ein Beispiel für eine europäische Erfolgsgeschichte. Die Reform hat die Mobilität der Studierenden befördert und führt langfristig dazu, dass die Studienabbruchquote sinkt. Außerdem hat die Reform in Deutschland einen enormen Aufschwung bei den Studienanfängerzahlen gebracht. Vor zehn Jahren begannen noch 37 Prozent eines Jahrgangs ein Studium, 2010 rund 50 Prozent - bei überdurchschnittlichem Zuwachs an Fachhochschulzugängen. Die Lust aufs Studieren hat deutlich zugenommen.
Wie wirkt sich die Reform auf die Berufschancen aus?
Bundesbildungsministerin Annette SchavanFoto: BMBF Schavan: Deutschland hat mit 7,9 Prozent mit Abstand die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in der Europäischen Union. Die duale Ausbildung ist eine klare Stärke in Deutschland. Es ist damit klar: Gute Bildung führt auch zu mehr Beschäftigung. Das gilt auch für das Studium: Von den Bachelor-Absolventen der Universitäten sind nur zwei Prozent arbeitslos, bei den Fachhochschulen drei Prozent. Und die Reform war ein entscheidender Schritt zur Internationalisierung. Die Zahl der Studierenden aus dem Ausland hat sich verdoppelt, die der Deutschen mit Bafög im Ausland verfünffacht.
Aber die Abbrecherquote beim Bachelor liegt immerhin bei 28 Prozent.
Schavan: Wir sind noch nicht am Ende der Entwicklung. Die Abbrecherquote an den Fachhochschulen hat sich in den vergangenen Jahren von 39 auf 19 Prozent halbiert. Ein Schlüssel für weitere Verbesserungen ist die Reform der Lehrpläne. Damit verbunden ist die Verbesserung der Lehre.
Der Bund unterstützt im Qualitätspakt Lehre in den kommenden Jahren die qualitative Verbesserung der Studienbedingungen mit zwei Milliarden Euro. Damit soll auch konsequent die Studieneingangsphase verbessert werden - zur besseren Orientierung der Studienanfänger.