Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Einer wie der andere: Doktortitel in Deutschland
Foto: ThorstenSchmitt/Fotolia.com
Noteninflation

Beim Doktor fehlt es an Standards

Kerstin Dämon, wiwo.de
Schon länger sind Gymnasien und Universitäten in der Kritik: Schüler und Studenten werden mit Kuschelnoten überhäuft. Nur erwischt es auch die Doktoren: Unter summa cum laude bekommt keiner den Titel. Schuld daran sind fehlende einheitliche Standards.
Schon länger beklagen sich Lehrstuhlinhaber darüber, dass Abiturienten mit einem Einserschnitt weniger können als diejenigen, die vor 20 Jahren eine Zwei-Komma hatten. Die Unternehmen monieren Hochschulabsolventen mit Bestnoten bei totaler Ahnungslosigkeit, Bildungssystemkritiker sprechen von einer Noteninflation oder Kuschelzensuren aller Orten.

Nun hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Untersuchung der Promotionsstandards angestoßen, das Berliner Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IFQ) hat zum Thema gleich drei Studien vorgelegt

Die besten Jobs von allen


Titel inklusive Bestnote – unabhängig von der Leistung

Das Resultat: Auch die Doktorwürde wird vielfach inklusive Bestnote vergeben. "Unmittelbar deutlich wird dies in der Benotungspraxis von Promotionen, die sehr deutliche Hinweise auf lokale Noteninflationen offenbaren", heißt es beispielsweise in der Studie von IFQ-Leiter Stefan Hornbostel. Als Beispiel wird die Universität Kiel aufgeführt, die 65 Prozent der Doktoren der Biologie mit Bestnote entlässt, wogegen beispielsweise in München nur zwei Prozent die Uni mit Titel und "summa cum laude" verlassen.

Deutlich sichtbar macht diese Unterschiede das Informationssystem Promotionsnoten in Deutschland, das sämtliche deutschen Unis sowie den dortigen Anteil der Bestnoten bei Promotionen in den einzelnen Fächern auflistet.

Wenn man nicht davon ausgeht, dass Kiel einfach die besten Biologen ausbildet, muss da etwas faul sein. Ähnlich unwahrscheinlich ist, dass die Doktoranden bundesweit immer besser werden. Dennoch steigt der Anteil derjenigen, die mit magna oder summa cum promovieren, stetig. Hornbostel moniert, dass "Promotionsnoten nichts mehr über die tatsächlich erbrachten Leistungen aussagen." Seiner Meinung nach haben sich zahlreiche Fach-, und lokale Vergabekulturen entwickelt, die eine vergleichende Bewertung von Promotionen über Standorte oder gar über Fächergrenzen hinweg schwer machen.

Fehlender Zentraldoktor

Diesen Missstand könnte man mit bundesweit einheitlichen Standards, ähnlich einem Zentralabitur, beheben. In Skandinavien oder Frankreich werden Doktorarbeiten schon längst von externen Gremien bewertet. Allerdings schaffen es hierzulande schon die Gymnasien offensichtlich nicht, Bremer Schülern das Gleiche beizubringen wie ihren Pendants in Essen, München oder Karlsruhe.

So sagt auch die Studie, dass "Promotionsordnungen zwar Anhalts- und Orientierungspunkte, aber keineswegs Beschreibungen der tatsächlichen Erfassungspraxis von Promovierenden" seien. Die Ermittlung und Auswertung von Daten sei ein "technisch-organisatorisches Problem" und vor allem "ein datenschutzrechtliches Graufeld, das von hoher Unsicherheit hinsichtlich der Zulässigkeit des Informationsaustausches gekennzeichnet ist".

Erschwerend hinzu kommt der wirtschaftliche Aspekt: Die Arbeiten eben nicht nur vom mitunter wohlmeinenden Doktorvater auswerten zu lassen, der ja selber ein gewisses Interesse an guten Noten hat, kostet schlicht Geld. Die Studie spricht in diesem Zusammenhang von "nur schwer kalkulierbaren finanziellen und personellen Ressourcen".

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 12.12.2012

Fair Company Guide 2014

Der Jobturbo

Eine Suche - alle Jobs

Aktion "Chef zu gewinnen"

Gehälter

... und dann?



Foto: Gerd Altmann/Shapes:dezignus.com / pixelio.de

Initiative

Fair Company | Initiative

Die besten Trainee-Stellen

Karriere-Städteranking

Jobsuche + Bewerbung