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Uni-Städte

Bamberg: Studieren in historischen Gemäuern

Kristina Banasch
Wer nach Bamberg zum Studieren geht, dem wird oft Neid: Liebenswert idyllisch - so lässt es sich dort am besten beschreiben. Aber: In Bamberg leben und studieren heißt aber auch Kompromisse eingehen.
Bamberg: Idylle statt RummelFoto: © PR
Studieren: Familiäres Feeling unter Stuckdecken
Bamberg, 70.000 Einwohner-Städtchen in Franken, wurde 1993 von den Vereinten Nationen zum Weltkulturerbe ernannt. Baustile von der Gotik über Barock bis zur späten Romantik prägen die Architektur der über 1000 Jahre alten Kaiser- und Bischofsstadt.
Die Uni, 1647 unter dem Namen "Academia Bambergensis" gegründet, ist mit 15 Standorten über die ganze Stadt verteilt, die meisten Fakultäten sind in Jahrhunderte alten Häusern untergebracht. Die Theologen studieren unter Stuckdecken, Pädagogen, Philosophen und Psychologen residieren in einem alten Krankenhausgebäude aus der Gründerzeit und auf dem kleinen Campus der Sprach- und Literaturwissenschaften bilden alte Fachwerkhäuser, Türmchen und Erker ein altertümliches Ensemble.

Die besten Jobs von allen

Zur Mittagszeit ist die Austraße quirliger Studententreff. Hier reiht sich ein Buchladen an den nächsten, zahlreiche Cafés und Kneipen bieten eine kostengünstige Alternative für alle, die das Mensa-Essen satt haben oder sich zwischen zwei Vorlesungen mal auf schnell einen Milchkaffee treffen wollen.Wichtigster Begleiter für ein BWL-, Soziologie- oder Informatikstudium ist ein Fahrrad, denn mit der "Feki", den Fakultäten Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sowie Informatik in der Feldkirchenstraße, liegen ein paar Fakultäten etwas außerhalb vom Stadtzentrum. Lange Wege gibt es in Bamberg dennoch nicht - zumindest, wenn man Fächer an der Innenstadt-Uni studiert.Mit sieben Fakultäten und rund 8.800 Studenten ist die Bamberger Uni eine kleine Uni. Geistes- und Sozialwissenschaften, BWL und Informatik dominieren das Fächerangebot, Medizin, Jura oder Naturwissenschaften hingegen findet man nicht im Vorlesungsverzeichnis. Pluspunkte der Uni: Vorlesungen und Seminare sind weniger überfüllt als an Massenunis, neuen Bekanntschaften läuft man auf jeden Fall wieder über den Weg und viele Professoren kennen ihre Studenten persönlich.Wohnungsmarkt: Viel Wohnung für wenig Geld
Wer sich in Bamberg auf die Suche nach einer Bleibe begibt, muss im Gegensatz zu Studenten in vielen anderen Unistädten nicht unbedingt um sein Budget zittern. Wie eine Erhebung des Deutschen Studentenwerks im Herbst 2001 festgestellt hat, ist Studieren in Bamberg bayernweit am billigsten, im bundesdeutschen Vergleich rangiert die Domstadt mit ca. 600 € Lebenshaltungskosten pro Monat auf dem drittletzten Platz.
Rund 1.200 Wohnheimsplätze in zehn Studentenwohnheimen sind im Angebot, für ein gut ausgestattetes Einzimmerappartement liegen die Mietpreise zwischen 120 und 230 Euro. Daneben gibt es ausreichend WG-taugliche Wohnungen mit Holzdielen und Ölofen zu studentenfreundlichen Preisen.Freizeit: Fränkische Gemütlichkeit und Natur pur
Manchmal hat man das Gefühl, in Bamberg ticken die Uhren langsamer als anderswo. Wer über eine der vielen kleinen Brücken schlendert, vorbei am Alten Rathaus und den mittelalterlichen Fischerhäuschen von "Klein Venedig" an der Regnitz, fühlt sich schon mal in längst vergangene Zeiten zurückversetzt. Urig ist es im Sommer vor allem auf einem der vielen Bierkeller, wie die Biergärten in Franken heißen.
Nach einer Radtour durch die Fränkische Schweiz, Inlineskaten am Rhein-Main-Donau Kanal oder einem Sonnenbad im Hain, dem Bamberger Stadtwald, sind die Keller beliebter Treffpunkt - nicht nur bei Studenten. Tipp: Auf einige der Keller, z.B. den Wilde Rose-Keller, darf man sein eigenes Picknick mitbringen. Kulturell kann Bamberg mit Großstädten wie Berlin oder München zwar nicht mithalten, auch wenn die Bamberger Symphoniker weit über die Stadtgrenzen hinaus berühmt sind.Zu den Kultur-Highlights zählen die jeden Sommer im mittelalterlichen Innenhof der Alten Hofhaltung stattfindenden "Calderón"-Festspiele des E.T.A.-Hoffmann-Theaters sowie die Kurzfilm- und die Literaturtage. Und auf keinen Fall verpassen sollte man als Bamberger Student das Altstadtfest, das alljährliche Sommerfest der Uni.
 

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