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Hochschule

Bachelor: Den Fachwechsel gut planen

Andreas Monning
Studenten, die während des Bachelors ihr Fach oder die Uni wechseln wollen, haben es schwer: Selbst für Fächer mit identischem Namen werden die Leistungen nicht immer angerechnet. Wichtig ist es, seinen Wechsel gut zu planen.
Der Orts- oder Fachwechsel in einem Studium gestaltet sich oft schwierig.Foto: © Paul Hardy/Corbis
Als Grischa Dallmer im letzten Sommersemester sein Studium an der Berliner Humboldt-Uni (HU) aufnahm, war er hoch motiviert. Philosophie und Sozialwissenschaften als Kombi-Bachelor sollte es sein. Doch dann fand er heraus, dass Philosophie an der Freien Uni (FU) "wesentlich kritischer gelehrt wird", wie Dallmer sagt. Also entschloss er sich, sein Studium nach dem zweiten Semester aufzuteilen: Mit dem Hauptfach wollte er an die FU wechseln, das Nebenfach Sozialwissenschaften wollte er an der HU studieren. Eine simple Sache, sollte man meinen.Nach einer Odyssee durch mehrere Studienberatungen musste er allerdings erkennen: Die Tücken im System machen einen Wechsel fast unmöglich. "Man hat wirklich versucht mir zu helfen", sagt er. "Aber dass es keine vernünftige Lösung gibt, das hätte ich nicht gedacht."

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20 Prozent der Studenten wechselnGrischa Dallmer ist nicht allein. Jeder Fünfte wechselt im Verlauf seines Studiums das Fach, die Hochschule oder beides. Diese Flexibilität ist gewünscht und zählt zu den Zielen des Bologna-Prozesses. Einfach in dem zweistufigen Bachelor-Master-System ist der Wechsel aber nur nach dem ersten Abschluss. Wer seine Fach- oder Hochschulwahl während des Bachelors korrigieren will, hat "gravierende Schwierigkeiten", heißt es in der Studie "Mobilität und Studium", die die Hochschulrektorenkonferenz im vergangenen Jahr veröffentlichte. Oft gibt es Probleme bei der Anerkennung von Leistungsnachweisen, die dazu führen, dass Wechsler viel Zeit verlieren.Kim Raese vom Asta der Uni Bochum erfährt dies täglich. "Letztens war eine Geologie-Studentin bei mir, die nach dem zweiten Semester im gleichen Fach von Bochum nach Hamburg wechseln wollte." Um in Hamburg ins dritte Semester eingestuft zu werden, fehlten ihr allerdings Einführungsscheine, die es in Bochum nicht gibt. "Letztlich konnte sie die hier im Ruhrgebiet auch nirgendwo nachmachen." Um nicht zwei Semester zu verlieren, verzichtete die Studentin auf den Wechsel.Das Problem: Selbst identisch klingende Studiengänge sind kaum vergleichbar. Die Studienordnungen im gleichen Fach unterscheiden sich von Hochschule zu Hochschule und von Bundesland zu Bundesland. Kein Wunder also, dass die Quote derjenigen, die während des Bachelors im gleichen Fach die Hochschule wechseln, seit Einführung des Abschlusses gesunken ist.Starke Eigentinitiative gefragtMangelnde Vergleichbarkeit, fehlende Anerkennung, drohender Zeitverlust: Sollte man angesichts dieser Barrieren einen Uni-Wechsel nur dann anstreben, wenn er unumgänglich ist? "Das kann man pauschal natürlich nicht sagen", sagt Benita Bischoff, die Leiterin der Studienberatung der HU. Grundsätzlich müsse ein Wechsel natürlich immer gut überlegt sein. Wenn die Entscheidung aber gefallen ist, komme es viel auf die eigene Initiative an. Als Erstes die wichtigen Ansprechpartner aufsuchen, rät Bischoff, also die jeweiligen Fachberater und die Prüfungsämter. Dabei gilt: In Fächern mit örtlicher Zulassungsbeschränkung oder ZVS-Vergabe besteht oft auch in höheren Fachsemestern eine Zulassungsbeschränkung.Eine gute Möglichkeit, einen Studienplatz an einer anderen Hochschule zu erhalten, ist der Studienplatztausch. Bis zu 6000 Gesuche verzeichnet die Online-Tauschbörse des Vereins Studentischer Belange (VSB) pro Semester, immerhin ein Drittel davon klappt. "Tauschen kann man grundsätzlich in fast allen Fächern", erklärt Projektleiter Manfred Bähr. Neben den medizinischen Fächern sei vor allem Jura ein typisches Tauschfach, weil Studierende häufig die Hochschule wechseln müssten, nachdem sie sich für Schwerpunkte wie Staatsrecht oder Finanzrecht entschieden haben. Bei BWL dagegen sind die Zahlen seit Einführung des Bachelors spürbar gesunken.Ein Tausch klappt, wenn der Partner an der anvisierten Hochschule im gleichen Fach mit demselben Abschluss und im selben Semester eingeschrieben ist. Der Tausch zwischen einem Diplom- und einem Bachelor-Studiengang ist nicht möglich. In seltenen Fällen lassen Hochschulen mit sich verhandeln. "Die meisten haben für den Tausch aber einen strengen Regelkatalog", sagt Bähr, und auf den werde seiner Erfahrung nach häufig unnachgiebig gepocht. Die letzte Möglichkeit ist ein Rechtsstreit. Bevor man allerdings klagt, sollte man die erhaltene Absage nochmal prüfen lassen: statt vom Fachberater dann eventuell vom Fachbereichsleiter.
 

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