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Neue Energien

Zurück in die Zukunft

Kirstin von Elm
Alexander Stubinitzky sucht Ideen mit Potenzial.
Alexander Stubinitzky ist Innovationstreiber bei Linde GasFoto: © Thomas Dashuber
"Wasser ist die Kohle der Zukunft“, schrieb schon vor 130 Jahren der Schriftsteller Jules Verne. Was damals als Science-Fiction galt, wird langsam Realität. Im Gegensatz zu den immer knapper werdenden fossilen Energieträgern ist Wasserstoff nahezu unbegrenzt vorhanden und verbrennt vollkommen sauber. Wer ein Wasserstoffauto fährt, könnte aus dem Auspuff trinken,denn heraus kommt reines Wasser. Der einzige Haken: „Zur Wasserstoffgewinnung wird Energie aus konventionellen Quellen wie Erdgas oder Kohle eingesetzt“, erklärt Alexander Stubinitzky.Auch Lagerung und Transport verbrauchen viel Energie, deshalb kommt Wasserstoff bislang nicht als Kraftstoff, sondern nur als Industriegas zum Einsatz. Rund 600 Milliarden Kubikmeter jährlich werden für die Düngemittelproduktion und in Erdölraffinerien benötigt. Doch natürlich möchten Gase-Produzenten wie Linde auch auf dem gigantischen Zukunftsmarkt Wasserstoff-Kraftstoff die Nase vorn haben.

Die besten Jobs von allen

Mit seinem Promotionsvorhaben zum Thema regenerative Wasserstofferzeugung stieß Alexander Stubinitzky deshalb vor drei Jahren bei Linde Gas in Pullach auf offene Türen. Der Chemie-Konzern stellte den 29-jährigen Absolventen der Energie- und Prozesstechnik von der TU München als Projektingenieur ein - mit reduziertem Gehalt, dafür aber mit unbezahlbarem Einblick in die Forschung und Entwicklung eines der größten Wasserstoff-Anlagenbauer der Welt. „Ich war der erste Doktorand bei Linde Gas“, sagt Stubinitzky. Er untersuchte die Erzeugung von Wasserstoff mittels regenerativer Energien wie Solarstrom oder Biomasse und bewertete ihr Zukunftspotenzial. Inzwischen hat er seine Promotion abgeschlossen und ist als Wasserstoff-Experte fest im Innovationsmanagement der Linde Group angestellt.Nun kümmert er sich darum, neue Forschungsarbeiten zu bewerten und vielversprechende Ansätze in konkrete Projekte umzusetzen. Dazu stellt er Wirtschaftlichkeitsberechnungen an oder beschafft Fördergelder. Demnächst soll die erste von ihm begleitete Testanlage in Betrieb gehen. Jules Verne wäre begeistert.Chemie & Verfahrenstechnik - Das Spezial:Metallveredelung: Moderne AlchemistenInterview: Hier stimmt die ChemieZurück zum Text: Entwickler mit grünem Gewissen
Dieser Artikel ist erschienen am 26.09.2008