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Jura

Weniger Freiheit, mehr Teamarbeit

Ulrike Heitze
Seine eigene Kanzlei gab er auf. Jetzt ist Thomas Paliege Jurist beim Energiehändler Statkraft und arbeitet internationale Stromverträge aus.
Thomas Paliege hat sich auf Energierecht spezialisiertFoto: © Emanuel Bloedt
Wenn Thomas Paliege erklärt, womit er sich beschäftigt, müssen selbst gestandene Juristen passen. Da geht es um Fahrpläne, Winddaten und Lastflüsse. Was nach öffentlichem Nahverkehr oder Wetterkunde klingt, ist Energierecht. Der Unternehmensjurist entwirft und verhandelt bei Statkraft Markets, der deutschen Stromhandelstochter des norwegischen Energiekonzerns Statkraft, die Verträge, die Basis für das Geschäft mit den Kunden sind.Der 36-Jährige setzt für die Stromhändler seines Hauses beispielsweise die Rahmenvereinbarungen auf, wenn ein kleines Energieunternehmen grünen Strom bei Statkraft einkauft. Er formuliert von der Verschwiegenheitsvereinbarung bis hin zum Vertrag die nötigen Schriftstücke. Oder er fasst die Regelungen ab, wenn mit einer Bank ein Stromzertifikat - ein Wertpapier über Energiekapazitäten - aufgelegt wird. "Mit normalem Jura kommt man hier nicht weit. Energierecht ist eine Kombination aus Jura, Wirtschaft und Technik", sagt er.

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Zwischen einem halben und einem ganzen Jahr dürfte ein Einsteiger ohne Vorkenntnisse benötigen, um die Zusammenhänge und Fachtermini ausreichend zu verstehen, schätzt er. Vorausgesetzt, der Neuling bringt eine Vorliebe für technische Fragen und Finanzen mit.Seine hat der Jurist im Referendariat entdeckt. "Auf meiner Wahlstation bei der Sozietät Freshfields in Budapest habe ich zum ersten Mal mit Energierecht zu tun gehabt, und es hat mich nicht mehr losgelassen." Seinen Master of Law (LL.M.) machte Paliege in Lüneburg, dem damals einzigen Master im Umwelt- und Energierecht. Über eine Uni-Kooperation mit dem Stromversorger EnBW lernte er die Vertragspraxis von Unternehmen kennen.Eine einzige Bewerbung hat er vor zweieinhalb Jahren geschrieben. Sie ging an Statkraft in Düsseldorf. Ganz bewusst entschied er sich für ein Unternehmen und gegen eine Anwaltskarriere. "Ich kannte die Arbeit in der Großkanzlei und hatte selbst mal eine eigene kleine Kanzlei. Dafür bin ich aber nicht der Typ. Mir liegt die Arbeit im Team mehr." Und international sollte sein Job sein. Über mangelnde Auslandseinsätze kann sich Paliege nicht beklagen. "Ein Teil meiner Arbeit besteht darin, Anwälte im Ausland auszusuchen und diese in ihre Aufgaben einzuführen, wenn wir in diesem Land Verträge aufzusetzen haben."Energierecht habe für Juristen einen weiteren großen Vorteil, findet der gebürtige Hildesheimer. "Es ist internationales Recht. Ich könnte als deutscher Jurist ohne Probleme in England oder Zürich arbeiten. Ein Anwalt, der eher im deutschen Rechtskreis festgelegt ist, hat es schwerer." Für solche Pläne hat Thomas Paliege aber momentan wenig Zeit. An der Jacobs-Uni in Bremen setzt der Jurist gerade einen Teilzeit-MBA obendrauf - passenderweise mit dem Schwerpunkt Management von Energieversorgern.Jura-SpezialVerkehrs- und Arbeitsrecht: Juristischer JobnomadeZurück zum Text: Spezial-Einsatz für junge Juristen
Dieser Artikel ist erschienen am 01.05.2009