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Interview

"Welche Fähigkeiten haben Sie?"

Britta Mersch
Die Mentaltrainerin Barbara Rörtgen coacht mit dem philosophischen Praktiker Tim Prell Menschen, die sich im Job weiterentwickeln wollen. Das Duo nennt sich Entwicklungshelfer. Ihr Grundsatz: Wer sich und seinen Job neu erfinden will, sollte sich selbst kennen.
Die Entwicklungshelfer: Barbara Rörtgen und Tim PrellFoto: © PR
Junge Karriere: Frau Rörtgen, wenn ich in meinem Job nicht glücklich bin, bin ich dann bei Ihnen richtig?
B. Rörtgen: Ja, wir beraten ganz junge Menschen, die sich erst noch für ein Studium entscheiden, im Studylab. Im Joblab ist die Zielgruppe zwischen 35 und 45 Jahre alt. Viele haben dann schon Karriere gemacht, suchen aber nach einer neuen beruflichen Perspektive.
Sie nennen sich Entwicklungshelfer - das klingt nach Abenteuer. Ist es das auch? 
Auf jeden Fall. Wir bieten ein Coaching an, mit dem die Menschen sehr viel über sich selbst lernen. Das kann sehr aufregend sein.

Die besten Jobs von allen

Wie frustriert sind die Menschen im Moment? 
Die Krise hat dazu geführt, dass die unsicheren Menschen mehr denn je an dem festhalten, was sie haben. Die Nachfrage bei uns ist konstant geblieben. Die Zahl der offenen und risikobereiten Menschen scheint ebenfalls konstant zu sein.
Wie gehen Sie vor? 
Wir führen keine Tests durch, wie sie oft bei Psychologen gemacht werden. Sondern wir haben eine Methode entwickelt, nach der wir den Menschen individuell befragen und ganzheitlich betrachten. Wir nennen das die "Potenzial-Analyse". Das heißt, wir versuchen, das größte natürliche Potenzial der Menschen herauszufinden. Wenn wir das benennen können, finden wir auch den Job.
Wie sieht das genau aus? 
Die genauen Instrumentarien verraten wir natürlich nicht. Im Prinzip stellen wir viele Fragen, zum Beispiel nach dem Lebensmotto: Haben Sie eins?
Nicht wirklich. Ich achte aber darauf, dass ich in meinem Beruf viel Freiheit habe. 
Das wäre ein Anfang. Wir erkundigen uns, ob es im Elternhaus auch ein Motto gegeben hat. Und manchmal stellen wir fest, dass die Vorstellungen, die Menschen vertreten, oft gar nicht die eigenen sind. Wir fragen auch, welche Interessen es gibt, welche Begabungen, Fähigkeiten, Eigenschaften. Was denken Sie, wie viele Fähigkeiten könnten Sie aus dem Stegreif nennen?
Ganz spontan? Vielleicht so um die 15 ... 
So antworten viele. Wenn sie sich etwas Zeit lassen, können die meisten 20 bis 25 Fähigkeiten auflisten. Wir fragen aber weiter und helfen den Menschen, sich zu erinnern. Und am Ende haben wir eine Liste mit rund 120 Fähigkeiten und 100 bis 120 Eigenschaften, die jeden ausmachen. Das Selbstbild wird also viel größer und umfangreicher. Und so nähern wir uns Schritt für Schritt.
Was meinen Sie mit Fähigkeiten? Teamgeist, Kommunikationstalent, Durchhaltevermögen? 
Nicht nur. Das kann beim Radfahren anfangen und beim Verhandlungsgeschick enden. Kein Mensch nimmt sich die Zeit, mal alles aufzulisten, was in ihm steckt. Oft sehen die Menschen auch nur die Schwächen, die sie haben. Das ist schade, denn dadurch geht viel verloren. Unser neutraler Blick von außen hilft, die Dinge, die als selbstverständlich gesehen werden, wertzuschätzen.