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Zahir Dehnadi

Wanderer zwischen den Welten

Christoph Mohr
Der Deutsch-Iraner Zahir Dehnadi ist der diesjährige Sieger des mit 36000 Euro dotierten Handelsblatt-MBA-Wettbewerbs. Er verbindet Film und Wirtschaft, Iran, Deutschland und die USA sowie Theorie und Praxis.
Zahir DehnadiFoto: © Rainer Holz
Ich glaube an ihn". Hetty Brand-Boswijk, Director of Admissions an der Rotterdam School of Management (RSM) hat ein sicheres Gespür für MBA-Studenten mit Potenzial. Über ihren Schreibtisch sind Tausende von Bewerbungen für ein MBA-Studium an der Schule gegangen, die zu einer der besten in Europa zählt. Hunderte von Kandidaten hat sie im persönlichen Gespräch schon beraten und unter die Lupe genommen. Denn eine Business School sucht sich ihre MBA-Studenten selbst aus; ein abgeschlossenes Erststudium, Berufserfahrung und ein akzeptables Abschneiden in dem Standard-Business-School-Test GMAT sind nur Pflichtkriterien. Dass Zahir Dehnadi, ein 26-jähriger Bewerber aus Deutschland ihr ins Auge sprang, lag nicht nur an dessen gutem Aussehen. Der Deutsch-Iraner aus Aachen bringt genau das mit, was Brand-Boswijk sucht: Er ist international, er nimmt die Dinge selbst in die Hand und er ist ungewöhnlich."Internationale Karriere"

Die besten Jobs von allen

Dehnadis bisheriges Leben lässt sich schon jetzt als internationale "Karriere" lesen, als Wanderschaft mit vielen Stationen zwischen Teheran und Aachen, den Niederlanden und den USA, Italien, Afghanistan, Aserbaidschan, Pakistan, Turkmenistan, Libanon und Dubai. Als Siebenjähriger kommt er mit seiner deutschen Mutter von Teheran nach Aachen und besucht dort die Grundschule und später das zweisprachige Couven-Gymnasium (Deutsch und Englisch), unterbrochen von einem einjährigen Schüleraustausch in den USA: "Ich wollte unbedingt in die USA", sagt Dehnadi, "ich wollte noch mehr sehen". Ein Grund war auch der Sport. "Ich war recht gut in Basketball, hatte sportliche Ambitionen und es auch schon bis in die NRW-Auswahl geschafft. Aber in den USA musste ich einsehen, dass es Viele gibt, die sehr viel besser sind." Obwohl Dehnadi seinen Aufenthalt mit einem High School-Diplom abschließt, das ihm den Weg ins amerikanische Hochschulsystem öffnet, entschließt er sich zur Rückkehr, um hier sein Abitur zu machen.Und wieder eine ungewöhnliche Entscheidung: Statt in Aachen oder Köln BWL zu studieren, entscheidet sich Dehnadi für ein Wirtschaftsstudium in Maastricht. "Ich hatte gehört, dass Maastricht besonders schwer sein soll", scherzt er rückblickend. Tatsächlich profitiert er bei dem englischsprachigen Studiengang von den kleinen Arbeitsgruppen mit zehn Studenten und dem Tutor-System nach angelsächsischem Vorbild. Und Dehnadi ergreift die Möglichkeiten, die sich ihm bieten: Ein Erasmus-Stipendium bringt ihn für ein Semester an die Bocconi in Mailand, Italiens führende Wirtschaftsuniversität. Nach dem Studium setzt sich die Wanderschaft fort: Bis in den Sommer dieses Jahres arbeitet Dehnadi für ein iranisches IT-Consulting-Unternehmen in Teheran.Auf den ersten Blick ist es das Übliche: Marktanalyse und Strategieentwicklung, Kundengespräche und Präsentationen, das übliche Beratergeschäft. Erst der zweite Blick macht Staunen: Denn sein Job und private Gelegenheiten führen den Jung-Berater auch in den Irak und in den Libanon, nach Syrien, Afghanistan, Aserbaidschan und Pakistan, nach Turkmenistan und Dubai. "Sein ganzes Leben lang hatte Dehnadi das Ziel, bei dem, was er macht, nicht nur gut zu sein, sondern er hatte immer den Ehrgeiz, deutlich besser als "einfach gut" zu sein, was ihn ungewöhnlich begierig macht, zu lernen," unterstreicht Brand-Boswijk. "Er hat viel Energie, ergreift die Initiative und da er auch noch sehr umgänglich und rücksichtsvoll ist, passt er sehr gut in unser MBA-Programm."Das überzeugte auch die Jury, die den Preis der "Handelsblatt-RSM-MBA-Scholarship-Competition" vergibt, 36000 Euro für ein MBA-Stipendium, das die kompletten Studiengebühren für ein Studium an der RSM abdeckt, das für Viele schon Wendepunkt, Neuorientierung und Neustart bedeutet hat. Nach einer Interesse weckenden Bewerbung überzeugte Dehnadi auch mit seinem Essay und schaffte es so in die Endrunde in einem starken Teilnehmerfeld. Jury-Mitglied Alexandra Winterstein über Dehnadi: "Herr Dehnadi beeindruckte durch sein außergewöhnliches Engagement in seiner Tätigkeit als Berater im Mittleren Osten sowie in Deutschland. Wir erwarten, dass seine Internationalität und Verständnis von unterschiedlichen Kulturen eine große Bereicherung sein wird."Als Gymnasiast gründete er eine Webdesign-FirmaEr unternimmt viel, dieser junge Mann, und es ist nicht nur Reisefreudigkeit, sondern auch hartes Unternehmertum. Schon als Gymnasiast gründete er eine Webdesign-Firma. Ein richtiger Erfolg wird dann später Bell Entertainment, die Filmproduktionsfirma, die Dehnadi 2004 noch als Student in Maastricht mitgründet und aufbaut. Die Aachener Firma produziert Musikvideos für MTV und Viva, Imagefilme für Mustang und Hugo Boss, Kurzfilme und sogar zwei kleinere Kinofilme. Es folgen mehrere Auszeichnungen auf kleineren Filmfestivals und eine Einladung zum "Berlinale Talent Campus". Dehnadi sitzt zum ersten Mal auf dem Chefsessel, muss sich um Budgets und Business Pläne kümmern, um Kunden und Marketing, um Mitarbeiter und Personalführung. Und Produktionskosten von mal 85000, mal 185000 Euro stemmen.