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Interkulturelles Training

Teil 3: Dubai - Arabisch in drei Wochen

Michael Backfisch
Michael Backfisch ist neuer Handelsblatt-Korrespondent in Dubai. Er erzählt von seinem schwierigen Start am Golf.
Handelsblatt-Korrespondenten Michael Backfisch berichtet aus DubaiFoto: © Udo - Fotolia.de
Mein neuer Job als Handelsblatt-Korrespondent in Dubai beginnt in Bochum-Querenburg. In der Laerholzstraße 84 im zweiten Stock eines grauen Klotzes der Ruhr-Universität beziehe ich an einem Sonntag im Februar Quartier. Im Erdgeschoss befindet sich das Landessprachen-Institut NRW (LSI) – die erste Adresse für Diplomaten, Journalisten und Entsandte deutscher Firmen, die Jobs in exotischen Gegenden der Welt übernehmen sollen. Und dazu schnellstens Russisch, Japanisch, Koreanisch, Chinesisch oder eben wie ich Arabisch lernen müssen. „Was soll’s“, denke ich beim Anblick meines Zimmers mit den wenigen Kiefernmöbeln und der Küchenzeile nebenan, die sich alle Schüler während der nächsten drei Wochen miteinander teilen werden. „Ein nüchternes Ambiente ist fürs Büffeln nützlich. In Dubai spricht fast jeder Englisch. Da ich jedoch aus dem gesamten Mittleren Osten berichten werde, brauche ich zumindest ein Basiswissen in Arabisch, um mich überall durchschlagen zu können.Ein letztes Durchatmen vor der Paukmühle

Die besten Jobs von allen

Meine Vorkenntnisse sind zwar null, aber ich bin entspannt. Um17 Uhr sollen sich die Kursteilnehmer kennenlernen - ein letztes Durchatmen vor der Paukmühle. Doch nach wenigen Sekunden merke ich, dass ich mich geirrt  habe. Lehrerin Michaela Kleinhaus betritt den Raum und schmettert der Runde „Keif al hal?“ - auf Deutsch: „Wie geht's?“ entgegen. Dann jagt eine arabische Redewendung die andere: „Min anta?“ – „woher kommst du?“ und „Achlan wa sachlan“ - „Willkommen“. Michaela Kleinhaus, die mit einem Ägypter verheiratet ist, redet nicht nur schnell, sie wirft kurz darauf den insgesamt 24 Sprachschülern abwechselnd einen Ball zu. Wer ihn fängt, muss ihre Fragen auf Arabisch beantworten. Meine Adrenalin-Produktion läuft auf Hochtouren. Ich habe die dumpfe Ahnung, dass mir drei knochenharte Wochen bevorstehen.Am nächsten Tag lande ich in einer Klasse mit acht Leuten: Sechs Studenten der Islamwissenschaft, die allesamt an der Uni bereits Arabischkurse besucht haben, und ein deutscher Botschafter aus Westafrika. Wir hecheln das arabische Alphabet durch. Ich habe das Gefühl, dass die anderen schon alles können. Mein Hirn schaltet auf Alarmstufe rot, der Überlebens-Chip wird aktiviert. Am Mittag hat Michaela Kleinhaus ein Einsehen. Ich verlasse den Kreis der Fortgeschrittenenund stoße zu den Anfängern. Aber auch dort gibt es Islamwissenschaftler, die glänzen. Immerhin: Ein Mitschüler von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit aus Damaskus weiß genauso wenig wie ich. Ein Lichtblick.Nach neun Stunden Intensivunterricht geht es weiter mit Hausaufgaben. Um ein Uhr nachts mache ich meine Schreibtischlampe aus. Ich kämpfe, schufte, rackere - und hänge am Ende direkt noch den Aufbausprachkurs dran. Nach insgesamt sechs Wochen verlasse ich Bochum mit der Gewissheit, dass ich mich überall in der arabischen Welt orientieren kann. Inzwischen denke ich sogar milde an die fordernden Lehrer des LSI. Mir fällt ein Satz von Konfuzius ein: „Der größte Ruhm besteht nicht darin, niemals zu fallen, sondern jedes Mal zu wachsen, wenn wir fallen."Ein buntes Völkergemisch wuselt, gestikuliert, schimpft6. April, kurz vor Mitternacht, Ankunft in Dubai. Ich laufe aus dem angenehm kühlen Flughafen ins Freie, wo mich die feuchte Luft fast umhaut. Ein buntes Völkergemisch wuselt, gestikuliert, schimpft - eine Mixtur aus Bombay, Peschawar und Manila. Ich steige in ein Taxi mit röhrender Klimaanlage - für zwei Sekunden fühle ich mich wie ein Eisschwimmer in Sibirien. Um ein Uhr komme ich im Hotel Majestic an. Ich gönne mir noch ein Glas Rotwein in der Sports Bar und falle todmüde ins Bett. Am nächsten Morgen empfängt mich ein strahlend blauer Himmel. Tatendurstig fahre ich in die rund 25 Kilometer entfernte Media City, um meine Akkreditierung als Journalist zu beantragen.Die Strecke führt über die Sheikh Zayed Road, eine der pulsierendsten Verkehrsadern des Mittleren Ostens. Links und rechts erheben sich futuristische Wolkenkratzer aus Glas, Stahl und Beton - funkelnde Kathedralen des Petrodollar-Kapitalismus. Ich wusste natürlich, dass mich eine bürokratische Kaskade erwarten würde. Deutsche Unternehmer hatten mich vorgewarnt: „Machen Sie sich auf ein paar Wochen Ämter-Hickhack gefasst“. Dubai ist
zwar ein vor Modernität strotzendes Labor der Globalisierung, aber von zuhause aus zu arbeiten ist verboten. Jeder Ausländer braucht einen legalen Sponsor. Für mich ist das die von der Regierung gegründete Media City,wo viele internationale Zeitungen und Rundfunksender ihren Sitz haben. Der Sponsor besorgt Leuten wie mir eine Arbeitserlaubnis und einen Schreibtisch - gegen satte Gebühren, versteht sich.