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Interkulturelle Vorbereitung

Teil 1: China: Der Boden des Eisbergs

Astrid Oldekop
"China wird überschätzt. Das Land ist machbar", beruhigen Ifim-Trainer Manager, die ins Reich der Mitte ziehen.
Ein Aufenthalt im Reich der Mitte muss gut vorbereitet werdenFoto: © moonrun - Fotolia.com
Ihr Mann ist Geschäftsführer?" Yamei Li wird plötzlich gesprächig. "Da könnte er ja bei uns eine Rede halten", sagt die Chinesin lächelnd und bestimmt. Bernadette Dietsche schnappt nach Luft. Im Café eines Schanghaier Tennisclubs hatte sie die Chinesin angesprochen, in der Hoffnung, endlich Kontakte zu Einheimischen zu knüpfen. Gerade hatte ihre neue chinesische Bekannte sie noch zur Einweihungsfeier ihrer Immobilienfirma eingeladen. Eine Einladung, der Dietsche freudig zugestimmt hat. Da kommt der unerwartete Antrag. Dietsche ist derart überrascht, dass sie für ihren Mann zusagt - etwas, was sie in Wirklichkeit nie tun würde, sagt sie später.Rollenspiel beim Institut für Interkulturelles Management (Ifim) in einem Tagungshotel in Bad Honnef. Das Institut bereitet hier Manager und deren Angehörige für einen Aufenthalt in China vor. Die Gruppe ist bunt gemischt: Manager, Produktionsleiter, mitreisende Partner. Einige haben die Umzugskisten bereits gepackt, andere haben noch sechs Monate bis zur Ausreise. 80 Prozent der Ifim-Teilnehmer ziehen in den Großraum Schanghai. Wie Bernadette und Michael Dietsche. Sie planen, vier Jahre zu bleiben und haben drei Wochen Chinesisch-Training hinter sich. In Asien war Bernadette Dietsche allerdings noch nie.

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Zwei Tage lang spielen die künftigen Expats landestypische Situationen durch und lernen fremde Verhaltensweisen und Denkmuster kennen. "Fanden Sie die Chinesin sympathisch?", fragt Trainer Rolf Daufenbach nach dem Rollenspiel in die Runde. Die Antworten weichen stark voneinander ab: Reiner Mertscheid, der seit acht Jahren regelmäßig nach China reist und künftig für das Duisburger Chemie-Unternehmen Sachtleben ein Trading Office in Schanghai weiter ausbauen wird, ist skeptisch: "Ich würde nicht zu der Feier gehen", sagt er und erzählt von ähnlichen Erlebnissen, bei denen er sich bedrängt fühlte.Entsandte nehmen die Vorbereitung sehr ernst"Warum denn nicht?" hält eine Frau mit jahrelanger Korea-Erfahrung dagegen. "Wir wollen doch auch etwas von der Chinesin: Kontakte." Ihr Mann stimmt zu, und freundliche Reden, die habe er bereits zu Hauf in Asien gehalten. Am Schluss beschreibt Trainerin Yamei Li, die die Frau im Tennisclub gespielt hat, ihre Sicht. Sie hat das Gespräch als unverbindlich empfunden: "Die deutsche Frau war zwar nett, aber ich habe nicht die geringste Ahnung, ob ich sie wiedersehen werde. "Während andere Länder, wie die USA oft unterschätzt würden, lebe China von der Überschätzung, weiß Trainer Daufenbach. "Wir zeigen, dass Chinesen verstehbar sind. China ist machbar.""Bei China ist der Kulturunterschied offensichtlicher. Deshalb nehmen die Leute die Vorbereitungsseminare sehr ernst", bestätigt Andreas Bäuerle, der bei Bosch für Aulandsentsendungen zuständig ist und regelmäßig Leute zu den Ifim-Seminaren schickt. Bosch gehört zu den größten Entsendern Deutschlands mit 2500 Expats und 1000 Shortterms. Allein 250 Deutsche sind für den Konzern in China. "Die interkulturellen Trainings sind eine gute Investition. Sie zahlen sich aus, besonders in Asien", weiß Bäuerle. "Sie sind notwendig, damit die Leute möglichst nicht in Fettnäpfchen treten." Und deshalb schickt Bosch nicht nur seine künftigen Manager sondern auch deren Partner mit zu den Seminaren: "Für die mitreisenden Partner ist das Training mindestens ebenso wichtig, da diese außerhalb des Werksgeländes tagtäglich die fremde Kultur erleben, während die Expats am Arbeitsplatz auf vertrautes Bosch-Umfeld stoßen."Es gleicht einem Pingpong-Spiel, wenn sich der deutsche Trainer Rolf Daufenbach und die Chinesin Yamei Li Argumente wie Bälle zuspielen. Daufenbach, der selbst mehrere Jahre in Asien gelebt hat, beschreibt die Perspektive des Deutschen, Li spiegelt die der Chinesen. "Die Methode ist sehr realistisch", sagt Teilnehmer Reiner Mertscheit. Chinesen senden unterschwellige Signale, aber geben gerade am Anfang einer Geschäftsbeziehung nur wenige Infos, hat Mertscheit bei seinen Geschäftsreisen beobachtet.