Ausrüster Bernd von Geldern

Neue Kleider für König Fußball

Marc Winkelmann
Bei einigen so schnell, dass sie gleich an Expansion dachten. Warum nicht mehr Geld auf den Tisch legen, sich stärker engagieren? Von Geldern hielte das für einen Fehler. Es wäre ungesund, zu schnell zu wachsen, sagt er. Die nötigen Strukturen sind noch nicht aufgebaut, das Team hat gerade mal 15 Mitarbeiter. Und selbst er, der Geschäftsführer, kann momentan nur 60 Prozent seiner Zeit investieren. Der Rest geht für Miles drauf. Aber es zeigte ihm: Die Idee geht auf, seine Begeisterung überträgt sich.Wie groß die ist, spürt man abends im Stadion. Die Stimmung ist prächtig, selbst die Arbeiter, die die Südtribüne neu herrichten, haben an diesem Freitag bis zum Abend ausgeharrt, um das Spiel gegen Köln von der Baustelle aus zu verfolgen. Ganz in Braun laufen die Spieler in dieser Saison auf, ihre Nummern auf der Rückseite glänzen in goldener Farbe. "Das ist schon ein geiles Gefühl, wenn die gleich zum ersten Mal rauskommen", sagt er vor dem Einlaufen. Dann geht es los, und von Geldern spielt auf der Tribüne mit. Wirft den Oberkörper nach hinten, wenn ein Stürmer übers Tor zielt, rauft sich die Haare, schiebt den Brezelverkäufer beiseite, wenn der die Sicht versperrt.St. Pauli-Fan geworden ist er vor ein paar Jahren durch seinen Nebenjob beim Radio. Fast jedes Wochenende war er für den Norddeutschen Rundfunk unterwegs und kommentierte Fußballspiele, auch für die samstägliche ARD-Konferenz. Ans Millerntor musste er regelmäßig, so lernte er den Verein kennen. Erst von außen, dann von innen. Der Kontakt half, das Trikot-Geschäft aufzubauen, im Frühjahr 2006 aber ahnte er, dass Nähe auch ein Problem sein kann.Es war nach dem Pokalhalbfinale gegen Bayern München. Mit seinem Kollegen Alexander Bleick hatte er das gesamte Spiel bundesweit live übertragen. Nach Abpfiff stand er auf dem Feld, um Interviews zu führen. Und Abwehrspieler Fabio Morena kam auf ihn zu und fragte: "In welcher Rolle bist du eigentlich gerade hier - als Journalist oder als Ausrüster?" Es war die Frage, wie viel Vereinsinterna er, der Reporter, kennen durfte und ob sich die Jobs noch trennen lassen.Als der NDR ihn im Januar zudem wegen eines markigen Spruchs über den Wolfsburger Marcelinho vorübergehend vom Sender nahm, merkte er, wie schnell die Stimmung kippen kann. "Er hat wohl auch kein Geld mehr, wie man hört, alles versoffen!" sagte er damals übers Radio. Ob er den Satz bereut? Von Geldern zögert nur kurz: "Nein." Unsicher wirkt er nicht. Er habe vorher im Umfeld des Spielers, der schon mehrmals auffällig geworden ist, recherchiert, und fahrlässig würde er so etwas nie behaupten. "Ich will es nicht kleiner machen, als es ist. Aber ich kann gut damit leben."Bei einigen so schnell, dass sie gleich an Expansion dachten. Warum nicht mehr Geld auf den Tisch legen, sich stärker engagieren? Von Geldern hielte das für einen Fehler. Es wäre ungesund, zu schnell zu wachsen, sagt er. Die nötigen Strukturen sind noch nicht aufgebaut, das Team hat gerade mal 15 Mitarbeiter. Und selbst er, der Geschäftsführer, kann momentan nur 60 Prozent seiner Zeit investieren. Der Rest geht für Miles drauf. Aber es zeigte ihm: Die Idee geht auf, seine Begeisterung überträgt sich.Wie groß die ist, spürt man abends im Stadion. Die Stimmung ist prächtig, selbst die Arbeiter, die die Südtribüne neu herrichten, haben an diesem Freitag bis zum Abend ausgeharrt, um das Spiel gegen Köln von der Baustelle aus zu verfolgen. Ganz in Braun laufen die Spieler in dieser Saison auf, ihre Nummern auf der Rückseite glänzen in goldener Farbe. "Das ist schon ein geiles Gefühl, wenn die gleich zum ersten Mal rauskommen", sagt er vor dem Einlaufen. Dann geht es los, und von Geldern spielt auf der Tribüne mit. Wirft den Oberkörper nach hinten, wenn ein Stürmer übers Tor zielt, rauft sich die Haare, schiebt den Brezelverkäufer beiseite, wenn der die Sicht versperrt.St. Pauli-Fan geworden ist er vor ein paar Jahren durch seinen Nebenjob beim Radio. Fast jedes Wochenende war er für den Norddeutschen Rundfunk unterwegs und kommentierte Fußballspiele, auch für die samstägliche ARD-Konferenz. Ans Millerntor musste er regelmäßig, so lernte er den Verein kennen. Erst von außen, dann von innen. Der Kontakt half, das Trikot-Geschäft aufzubauen, im Frühjahr 2006 aber ahnte er, dass Nähe auch ein Problem sein kann.Es war nach dem Pokalhalbfinale gegen Bayern München. Mit seinem Kollegen Alexander Bleick hatte er das gesamte Spiel bundesweit live übertragen. Nach Abpfiff stand er auf dem Feld, um Interviews zu führen. Und Abwehrspieler Fabio Morena kam auf ihn zu und fragte: "In welcher Rolle bist du eigentlich gerade hier - als Journalist oder als Ausrüster?" Es war die Frage, wie viel Vereinsinterna er, der Reporter, kennen durfte und ob sich die Jobs noch trennen lassen. Als der NDR ihn im Januar zudem wegen eines markigen Spruchs über den Wolfsburger Marcelinho vorübergehend vom Sender nahm, merkte er, wie schnell die Stimmung kippen kann. "Er hat wohl auch kein Geld mehr, wie man hört, alles versoffen!" sagte er damals übers Radio. Ob er den Satz bereut? Von Geldern zögert nur kurz: "Nein." Unsicher wirkt er nicht. Er habe vorher im Umfeld des Spielers, der schon mehrmals auffällig geworden ist, recherchiert, und fahrlässig würde er so etwas nie behaupten. "Ich will es nicht kleiner machen, als es ist. Aber ich kann gut damit leben."Jetzt legt er eine Pause ein, auch, um wieder mehr Zeit für seine Frau und seine beiden Kinder zu haben. Seine Familie hat zehn Jahre lang darunter gelitten, dass er zu oft erst sonntags mittags abgespannt von einer Reportage kam. Und er will Do You Football voranbringen. In zwei Jahren laufen bei einigen Vereinen die Ausrüsterverträge aus, mit denen müsse man verhandeln. Trotz ihrer Kritik an der kommerziell ausgerichteten Branche geht es auch für Do You Football darum, Gewinne zu erwirtschaften. "Für uns funktioniert die Idee", sagt von Geldern. Bleibt die Frage: "Wie viele Vereine wollen sie bei sich leben?"
Dieser Artikel ist erschienen am 19.10.2007

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