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Nach der Uni noch ein Praktikum?

Carola Sonnet
Thomas Hasselberg möchte Einblicke in die FinanzweltFoto: © Emanuel Bloedt
"Jetzt ist meine letzte Chance, ein Praktikum zu machen", sagt Thomas Hasselberg. Der 22-Jährige studiert Betriebswirtschaftslehre an der Universität Münster und macht bald seinen Bachelor-Abschluss. Da er sich für das Master-Programm an der Uni Maastricht im Bereich Finance beworben hat, bleibt ihm noch bis Februar Zeit, um Berufserfahrung zu sammeln. Das Ziel: Eine bessere Vorstellung bekommen, was er in Zukunft machen möchte.
Im ersten Praktikum wird er zwei Monate lang bei der Westdeutschen Landesbank (West LB) in Düsseldorf arbeiten, denn der Finanzbereich hat ihn während des Studiums am meisten interessiert. "Unsere Ausbildung ist aber sehr allgemein angelegt, da habe ich von allem gleich viel gelernt." Deswegen will er sein Wissen jetzt vertiefen. Ob Hasselberg später aber bei einer Bank oder doch in einem Industrieunternehmen arbeiten will, kann er jetzt noch nicht sagen. "Ich will schon mal auf beiden Seiten des Verhandlungstischs gesessen haben."Praktika helfen bei der EntscheidungsfindungFür das Anschluss-Praktikum bei einem Industrieunternehmen hat er gerade mit den Bewerbungen begonnen. Die beiden kurzen und dafür sehr verschiedenen Erfahrungen sollen zeigen, welcher Bereich ihm eher liegt. Nach seinem Master-Abschluss hat er jedenfalls vor, sich nur noch auf feste Stellen zu bewerben. Das Programm in Maastricht dauert nur ein Jahr und die Vorlesungen sind auf Englisch. Damit sollte er gute Chancen haben, eine Anstellung zu finden - gerade wenn die Krise bis dahin ihren Tiefpunkt überschritten hat. Er zeigt, dass Praktika zwischen Bachelor und Master Sinn machen können.Ursprünglich hatte Doreen Herz geplant, direkt im Anschluss an ihren Bachelor in Wirtschaftsingenieurwesen an der FH Trier einen Master of Science zu machen. "Eine Kommilitonin hat mich auf das PreMaster-Programm von Bosch aufmerksam gemacht, ich hab mich dann sofort beworben." Bosch hat eine Lösung entwickelt, um Bachelor-Absolventen qualifizierte Berufserfahrung zu ermöglichen, bevor sie sich im Master-Studium weiter ausbilden. 28 Teilnehmer arbeiten während der Pilotphase in Projekten mit, Doreen Herz hat sich für die Logistik im Bosch Production System (BPS) entschieden. Der 29-Jährigen steht ein Mentor zur Seite, der sie auch während ihres Masterstudiums begleiten wird.Keine Verpflichtungen, aber gute ChancenNoch bis Ende September arbeitet sie selbstständig an Projekten wie der Entwicklung eines neuen Konzepts für Anlieferer mit. "Hier kann ich viel Theorie aus dem FH-Studium anwenden. Die Idee, ein Jahr zu arbeiten, bevor ich weiter studiere, hat mir auch sehr gut gefallen", sagt Herz. Während des Master-Studiums können sich die Programmteilnehmer mit einem zinsfreien Kredit von bis zu 500 Euro im Monat unterstützen lassen. "Das ist ein hilfreiches Angebot", findet Herz. Auch eine Verpflichtung, bei Bosch zu bleiben, gebe es nicht.Die Chance jedoch, nach Abschluss ihres Masters bei der Tochtergesellschaft Rexroth übernommen zu werden, seien ganz gut. Denn für das PreMaster-Programm wählt Bosch gezielt Bachelor mit guten Noten und gutem Englisch aus. Und legt Wert darauf, dass es sich nicht um ein normales Praktikum handelt."Employability"Zu den Ideen der Bologna-Reform zählt, die Bachelor-Absolventen bereits während ihres Studiums auf den Beruf vorzubereiten. "Employability" heißt das auf Neu-Deutsch, der Bachelor soll, so die Vorgabe an die Lehre, ein berufsbefähigender Abschluss sein. Die Schlüsselkompetenz soll es den neuen Absolventen über die europäischen Grenzen hinweg ermöglichen, Arbeit zu finden und Deutschland international wettbewerbsfähiger machen. Jedoch sehen bisher nicht alle Bachelor-Programme ein Praxissemester vor, das nötig wäre und die Regelstudienzeit im Normalfall um ein Semester verlängert. So entscheiden sich viele Bachelor-Absolventen, die Zeit vor Beginn ihres Masterstudiums zu nutzen, um erste Berufserfahrungen zu sammeln.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.08.2009

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