Uni Duisburg-Essen

Mit neuem Master in die Politik

Cigdem Dolap
Außerdem habe er gemerkt, dass seinem Studiengang ein guter Ruf vorauseilt: "Als Student der NRW School wird man meiner Meinung nach ernster genommen als mit einem gewöhnlichen Politikstudium." Ob die Ausbildung an der NRW School auch in der Praxis hält, was sie verspricht, wird sich allerdings noch zeigen müssen. In diesem Jahr erhalten die ersten Absolventen ihren Abschluss. Dann können sie sich beispielsweise als Pressesprecher und -referenten, Wahlkampfmanager, Politik- und Imageberater oder auch als Interessenvertreter für Unternehmen, in politischen Institutionen, wie dem Land- oder Bundestag, in internationalen Organisationen, in Parteien oder Verbänden beweisen. Die enge Anbindung an die Praxis schätzt auch Judith Kösters für ihre spätere Karriere hoch ein.Die 24-Jährige, die sich nach ihrem Bachelor-Abschluss in European Studies an der NRW School bewarb, hat bereits Praktika in der Brüsseler Repräsentanz eines Chemieunternehmens sowie im Bundespresseamt hinter sich. Daraus sollten am Studium Interessierte aber nicht ableiten, hier einen Sonderstatus zu erhalten, sagt sie: "Wir bekommen keine privilegierten Positionen auf dem Silbertablett präsentiert. Wer es auf einen guten Posten schaffen will, muss neben überzeugenden fachlichen Leistungen auch definitiv Eigeninitiative mitbringen." Dass das Konzept der NRW School funktioniert, findet auch der 25-jährige Sebastian Haller, Student der Kommunikations- und Politikwissenschaften. "Als Studenten durchschauen wir das komplexe politische System inzwischen viel besser, weil wir durch die NRW School auch selber daran teilhaben. Plötzlich versteht man, wer warum und wann meint, mit jemandem reden zu müssen."Mit seinem Master möchte Sebastian Haller nach dem Studium in der Wahlforschung arbeiten. Wo auch immer es die Studenten letztlich hin verschlägt, über fehlende Kontakte dürften sie kaum klagen. Die Liste von Entscheidungsträgern aus Wissenschaft und Praxis, die seit dem Wintersemester 2006/2007 im Institut zu Gast waren, beeindruckt. Neben Wolfgang Clement kamen beispielsweise NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, Bundestagspräsident Norbert Lammert, der DGB-Vorsitzende Michael Sommer und "Hart aber fair"-Moderator Frank Plasberg an die Governance School, um aus der Praxis zu berichten.Nicht immer lösen die Dozenten so viel Wirbel aus, wie Gastprofessor Wolfgang Clement. Während seines Auftritts halten Atomkraftgegner Zettel an die Fenster des Hörsaals. Die Aufschrift: "Atomlobbyisten sind Mörder." Und schon wieder eine wichtige Lektion für die angehenden Politikmanager in Duisburg-Essen - wenn auch diesmal ungeplant: Wer das politische Machtspiel studiert, muss nicht nur lernen, mit den Mächtigen auf Augenhöhe zu sein, er muss auch mit öffentlicher Kritik umgehen können.Ausbildung zum PolitikmanagerVoraussetzung für die Zulassung an der NRW School of Governance ist ein erster Studienabschluss (z.B. Bachelor oder Diplom) in Politikwissenschaften oder einem ähnlichen Fach, etwa Sozial- oder Kommunikationswissenschaften. Weil es inzwischen dreimal so viele Bewerber wie Studienplätze gibt, müssen diese sich einem Assessment-Center sowie einer mündlichen Prüfung stellen. Bewerbungsschluss für den Studienbeginn zum Wintersemester 2008/2009 ist der 28. August. Master in Politikmanagement, Politikberatung, Public Policy oder Politische Kommunikation bieten auch zahlreiche andere Hochschulen in Deutschland an.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.05.2008

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