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Klare Ansagen im Vorstellungsgespräch

F. Kern, G. Winkler
Ja-Sager langweilen. Ja-aber-Sager nerven. Klar-Sager imponieren. Wer sich von der Masse abheben will, zeigt, was er draufhat - nicht nur fachlich, sondern auch persönlich, weiß Bewerbungsberater Gerhard Winkler.
Deutliche Ansagen kommen im Gespräch gut anFoto: © Edyta Pawlowska - Fotolia.de
Am Empfang nickt man fast unmerklich, wenn man Sie im feinen Garn erblickt. Die Spitzen Ihrer Lederschuhe funkeln. Die Mappe unter Ihrem Arm gibt Ihrem federnden Tritt den nötigen Zusatzschwung. Sie haben einen ausgesprochen guten Haar-Tag. Ihr Lächeln sagt: Ich bin gut und ich bin gut drauf. Ihre Freundlichkeit wirkt nicht aufgesetzt.Auch Ihre Vorbereitung war perfekt: Sie haben vorab mit einem Sparringspartner solange die üblichen Interviewfragen durchgeboxt, bis er entnervt das Handtuch geworfen hat. Sie kennen Ihren Text und können sich über das Unternehmen fundiert auslassen. Das reicht Ihnen nicht. Heute möchten Sie unter den Kandidaten aufblitzen wie ein fescher Ferrari unter schlafäugigen Cityhoppern. Da helfen Ihnen vielleicht die Aussagen von Menschen, die aus der Vorstellungsrunde bereits als Sieger hervorgegangen sind. Nach den Erfolgsfaktoren im Jobinterview befragt, nennen sie am häufigsten: Gelassenheit, Selbstvertrauen, Schlagfertigkeit, Flexibilität und Glück.

Die besten Jobs von allen

Nutzen Sie jede Chance Bewerberglück ergibt sich aus Gelegenheiten. Ein Interview bietet reichlich davon, ergreifen Sie sie. Klinken Sie sich ein, sobald Sie einen Bedarf, ein Interesse oder eine Absicht ausmachen. Heben Sie in Ihrer Antwort darauf ab, was Sie konkret ausgearbeitet, erlernt und erreicht haben. Stilisieren Sie sich nicht als Multitalent, das schwächt Ihr Profil. Damit der Bewerber passt, hat sein Leistungsangebot zu passen.Jeder Arbeitgeber hofft auf den singulären Fall unter all den frischen Gesichtern. Den ultimativen Glücksgriff. Benennen Sie also Ihre Förderer, Lehrmeister, Unterstützer und Arbeitgeber. Denn Personaler fragen sich: Hatten Dritte bereits Glück mit Ihnen? Dann wird man umso leichter auch mit Ihnen glücklich.Versteifen Sie sich nicht Ihre gute Vorbereitung hat Sie bereits zu einer Vorstellung davon geführt, was Sie im Gespräch erwartet. Sie stellen sich ein auf Rang, Kompetenz und Erwartungshorizont der Gesprächspartner, auf das formale Prozedere, auf eine Jobbeschreibung und auf zu erwartende Konditionen. Das ist auch gut so. Trotzdem: Halten Sie bei Veränderungen im Ablauf und im Inhalt eines Gesprächs nicht an Ihrem Konzept fest.Was immer man Ihnen nahelegt oder vorschlägt: Finden Sie in Ihrer ersten Antwort daran zunächst ein Gutes. Ihre Strategie lautet nicht, alle als Wünsche kaschierten Zumutungen begeistert abzunicken. Aber nehmen Sie sie erst einmal an und würdigen Sie das dahinterstehende Interesse des Stellenanbieters. Höflich, freundlich, offen.Seien Sie Schlagfertig "Was könnten Sie für uns tun?" - "Früh aufstehen. Lange arbeiten. Sie zum Dienstleister Nummer eins in der Berliner Investorenszene machen." "Was unterscheidet Sie von Ihren Mitbewerbern?" - "Ich kann und will mich nicht vergleichen. Aber ich kann sagen, dass ich mein Studium zügiger als meine Kommilitonen absolviert, meine Praktika sehr bewusst ausgewählt und meine Themen ganz auf die Anforderungen in internationalen Kanzleien zugeschnitten habe."Je intelligenter, anspruchsvoller, fordernder Ihr Gegenüber, desto besser kommt Esprit an. Ja-Sager langweilen. Ja-aber-Sager nerven. Klar-Sager imponieren. Seien Sie schlagfertig, aber übertreiben Sie nicht. Keine augenzwinkernde Dauerwitzigkeit - die Position eines Firmenclowns ist in keiner Firma vakant.Bauen Sie Vertrauen auf Leiten Sie Ihr Selbstbewusstsein aus der sicheren Kenntnis Ihrer eigenen Lern- und Leistungsgeschichte ab. Sprechen Sie klar, faktenbezogen und durchweg positiv über alle Ihre Entwicklungslinien, Meilensteine, Wegmarken und Ziele. Andere vertrauen Ihnen nur bedingt, wenn es Ihnen offensichtlich an Selbstvertrauen fehlt. Sie sind für Jobanbieter das, was Sie gemacht und erreicht haben. Bauen Sie darauf, dass Sie herausragen. Sonst säßen Sie ja nicht im Jobinterview.Sie präsentieren sich mit Ihrer persönlichen Leistungs- und Erfolgsbilanz. Echte Begeisterung für das eigene Fach unterstreicht Ihren Anspruch auf den Job. Damit ein Gespräch fruchtbar und in einer Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens abläuft, liefern Sie spannende Daten und überdenkenswerte Vorschläge. Präsentieren Sie Gewährsleute, Anekdoten, Belege für Ihre Verlässlichkeit und Integrität. Aber plaudern Sie nie vertrauliche Informationen über frühere Arbeitgeber aus.Bleiben Sie gelassen Bei aller Konzentration auf den Job, den Sie gerne hätten: Überdrehen Sie nicht beim Verfolgen Ihres Ziels. Der Job ist kein Ball und Sie sind kein Hündchen. Sie diskutieren Ihr Leistungsangebot und stimmen es mit den Erwartungen und Konditionen von Interessenten ab. Es ist nur ein Deal. Wenn er floppt, folgen andere. Bleiben Sie gelassen: Sie müssen sich nicht um jeden Preis verkaufen. Um sich einzigartig zu machen, zeigen Sie, was Sie sind - entschieden in der Sache, gelassen in der Haltung, fokussiert in der Zuwendung, geistreich in der Reaktion.Personaler nervt:Im vergangenen Jahr haben sich mehr als 7.500 Leute für unseren Innendienst beworben. Etwa jeden Zehnten haben wir eingeladen, 250 Kandidaten bekamen eine Stelle. In jedem Job-Interview gibt es natürlich Standardfragen. Aber wir wollen darauf keine Standardantworten.Einige spulen ihren Lebenslauf in drei Minuten herunter, andere hören gar nicht mehr auf und verlieren sich in Details. Meistens wollen die Kandidaten die perfekte Antwort geben. Leider werden sie dann sehr allgemein, sagen nicht mehr "ich" sondern "man" und sprechen nicht von ihren eigenen Erfahrungen. Peinlich sind Platituden. Wenn ein Bewerber von sich einfach sagt:"Ich bin eine gute Führungskraft", hake ich nach und frage nach einem Beispiel. Jeder redet über seine Stärken, kaum einer über seine Schwächen. Das macht die Kandidaten austauschbar. Wer nichts falsch macht, macht in der Regel auch nichts richtig. Ich suche bei einem Bewerber das gewisse Etwas. Wenn sich jemand für seine Arbeit begeistert und sich inhaltlich auseinandersetzt, springt ein Funke über.Frauke Kern, Personalleiterin, Innendienst R+V VersicherungGerhard Winkler ist Bewerbungsberater. Er betreibt die Karriere-Webseite www.jova-nova.com
Dieser Artikel ist erschienen am 20.05.2008