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Karriereweg

Kino-Phönix Michael Kölmel

Jon Christoph Berndt
Dr. Michael Kölmel ist eine der Personen, die die Hochs und Tiefs des Lebens durchgemacht haben. Zusammen mit seinem Bruder Rainer hat er 1984 "Kinowelt" gegründet und von Anfang an auf Instinkt gesetzt. So brachte man "Der Englische Patient", einen Film, den sonst keiner haben wollte, in die deutschen Kinos. 2004 aber musste man Insolvenz anmelden und Kölmel in Untersuchungshaft. Doch das sollte nicht das Ende sein, wie Jon-Christoph Berndt in seiner Kolumne beleuchtet.
Michael Kölmel denkt in Filmen, spricht in Filmen, lebt ein Leben wie im Film - genug Stoff für einen Streifen mit ordentlich Überlänge. Sollte sein Kinowelt-Konzern ihn autobiographisch produzieren, kämen darin kühne Träume vor, pralle Säcke mit Geld, Insolvenz und Knast und Staatsanwälte; dann wieder Säcke mit Geld, nicht mehr ganz so prall, und das Ende bleibt offen: Man sieht Herrn Dr. Kölmel in Cinemascope, visionär vor sich hin sinnierend in den Hollywood Hills vor glutroter Abendsonne.Es braucht so einen kindlichen Träumer mit konstruktivem Hang zum Größenwahn, damit eine Cineastenkarriere nach Hochs und Tiefs immer weiter geht: Jetzt gibt es nach der Pleite wieder 21 Firmen.

Die besten Jobs von allen

On top gehören Kölmel das Leipziger Zentralstadion (würde ich mir nie kaufen; der FC Sachsen Leipzig kickt in der Oberliga) und der Zweitausendeins-Verlag (würde ich mir auch nie kaufen; soviel werfen Bücher über "Tänze mit Bachblüten" nicht ab). Kölmel würde schon, und er tut es, immer wieder. Dafür gebührt ihm mein Respekt. Der Mann ist getrieben und neigt zu einem "gewissen Abenteurertum", brachte es der Richter bei der Verurteilung zu Bewährung auf den Punkt.Neigen Sie auch zu Abenteurertum? Dann los! Klopfen Sie sich den Staub aus den Klamotten und ran an den Speck! Pflegen Sie Ihren Spleen! Aber halten Sie sich bei allem an einen lieben Menschen, der mit Ihnen durch Dick und Dünn geht und Sie auch in Stadelheim besucht. Und denken Sie an Nicole: "Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund, die Sonne brennt dort oben heiß; wer zu hoch hinaus will, der ist in Gefahr. Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund, glaub mir, ich mein es gut mit dir; keiner hilft dir dann, ich weiß es ja, wie's damals bei mir war."Marken-Ei von Michael Kölmel Der Autor, 39, ist Inhaber der Unternehmensberatung brandamazing: Er entwickelt Markenpersönlichkeiten für Unternehmen, Produkte und Menschen und schreibt hier jede Woche seine Kolumne.
Dieser Artikel ist erschienen am 18.04.2008