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Medizin

Kampf den Killern

Kirstin von Elm
Vieren im Visier: Lars Niederstadt entwickelt Schnelltests für biologische Kampfstoffe.
Lars Niederstadt im Zentrum für Biologische Sicherheit am Robert-Koch-InstitutFoto: © Frank Rothe
Trockenmilch? - Puderzucker? Oder etwa doch gefriergetrocknete, tödliche Viren? Falls aus einem Brief ans Kanzleramt oder einer herrenlosen Tasche auf dem Frankfurter Flughafen weißes Pulver rieselt, sollte diese Frage besser schnell und richtig beantwortet werden. Das Problem: "Die Sicherheitskräfte vor Ort haben in der Regel weder ein Labor noch eine wissenschaftliche Ausbildung", erklärt Lars Niederstadt. Bis verdächtige Substanzen eingeschickt und von Experten analysiert worden sind, drohen zwei bis drei Tage Angst und Chaos.Epidemien erkennen, verhüten oder bekämpfen

Die besten Jobs von allen

Damit künftig auch Laien hochinfektiöse Viren wie Ebola oder Botulinum-Toxin sofort identifizieren können, entwickelt der 28-jährige Molekularbiologe in seiner Promotion ein Verfahren zur Schnelldiagnose. Niederstadt arbeitet im Zentrum für Biologische Sicherheit (ZBS) am Robert- Koch-Institut. Die Kernaufgaben des staatlichen Gesundheitsinstituts in Berlin: Epidemien erkennen, verhüten oder bekämpfen.Ärzte & Chirurgen Medizinische Dienste Wissenschaft-Medizin Johannes Boltze Henning Baberg Lars Niederstadt ?? ?? Wer sich beim ZBS bewirbt, wird detailliert überprüft. Bevor der Doktorand antreten durfte, musste Lars Niederstadt einen lückenlosen Aufenthaltsnachweis der letzten vier Jahre vorlegen. Sein Arbeitgeber wollte sichergehen, dass er kein Land mit einer aktiven Terrorszene bereist hat. Auch beim Umgang mit infektiösen Proben ist größte Sicherheit geboten. Das "Marshmellow-Kostüm" - die weißen Ganzkörper-Schutzanzüge für die Arbeit im Hochsicherheitslabor - hat der junge Virenforscher aber noch nicht anziehen müssen. "Bisher arbeite ich zum Glück nicht mit intakten Viren, sondern mit künstlich hergestellten Bruchstücken, an denen man sich nicht infizieren kann."Sein Studium der Biologie an der FU Berlin und im australischen Perth hat der Sohn eines Mediziner-Ehepaars bewusst auf eine Tätigkeit als Virenexperte ausgerichtet und 2007 bereits seine Diplomarbeit über humane Herpesviren am Robert-Koch-Institut geschrieben. "Medizin hat mich schon immer interessiert, aber den Arbeitsalltag als Arzt finde ich eher abschreckend."Zurück zum Haupttext:Spezial Medizin: Alles für die Gesundheit
Dieser Artikel ist erschienen am 01.12.2008