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Recht

Juristischer Jobnomade

Ulrike Heitze
Seine Karriere begann Oliver Beetz als Projektjurist für Großkanzleien. Inzwischen ist er Arbeitsrechtler in einer mittelständischen Kanzlei.
Oliver Beetz wollte eigentlich Unternehmensjurist werdenFoto: © Bert Bostelmann / bildfolio
Wie schafft es ein Junganwalt mit leidlichem Examen, der gerade mit der Gründung der eigenen Kanzlei kämpft und auf Nebenjobs angewiesen ist, an den Schreibtisch in einer renommierten Großkanzlei? Gar nicht, möchte man meinen. Ein Trugschluss, denn Oliver Beetz hat es geschafft. Er hat sich als Projektanwalt anheuern lassen, ein halbes Dutzend Großkanzleien von innen gesehen - und auf diesem Umweg seinen Traumjob gefunden.Ursprünglich wollte der 36-Jährige Unternehmensjurist werden. Doch als nach seinem Examen die Chancen beim favorisierten Versicherungskonzern zerplatzten, bewarb sich Beetz halbherzig als Anwalt und stieg bei einer Sozietät ein. Lange hielt die Zusammenarbeit nicht, nur ein paar Monate. Also gründete er eine eigene Kanzlei und nahm ein paar Mandanten mit. Doch natürlich lief es nicht gleich rund.

Die besten Jobs von allen

"Gerade am Anfang hat man finanziell mit langen Durststrecken zu kämpfen. Da war ich heilfroh, als mich ein Headhunter, bei dem ich mich mal gemeldet hatte, mit dem Angebot anrief, für einige Wochen in einer renommierten Kanzlei in Frankfurt bei einem Projekt auszuhelfen." Der Job: Für den Verkauf einer Großmarktkette musste Beetz Grundbücher und die dazugehörigen Mietverträge auf mögliche Risiken hin prüfen. "Die Arbeit glich qualitativ hochgeistiger Fließbandarbeit." Immerhin: Am Ende war er Experte für Immobilien- und Mietrecht, "und für mein Englisch war es auch super", sagt der gelernte Versicherungskaufmann. "Auf diese Weise habe ich einen tollen Einblick in eine Großkanzlei bekommen."In den folgenden zwei Jahren sprang Beetz immer wieder bei Kanzleien ein. Mal für einige Wochen, mal für ein paar Monate. Er sammelte Erfahrungen in diversen Rechtsbereichen. Bei einigen Kanzleien fühlte er sich integriert, in anderen blieben die Kollegen reserviert. "Durch diese Projekteinsätze hatte ich die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, mich und meine Leistung zu präsentieren." Vielleicht wäre eine Übernahme drin gewesen, sagt er. Beworben hat er sich aber nie. Die Anstellung hätte auch wegen seines Fachanwaltskurses für Arbeitsrecht nicht in seinen Zeitplan gepasst.Seit Februar ist er nun angestellt, bei Reis und Partner in Kronberg. Es ist eine mittelständische Kanzlei mit zehn Anwälten. Beetz Spezialgebiet: Arbeits- und Verkehrsrecht. Es war die richtig Entscheidung. Letztlich hat sich Oliver Beetz als Einzelkämpfer nie wohl gefühlt. "Ich bin ein Teamplayer. Ich brauche den Austausch." Dennoch fällt die Bilanz seiner ersten Berufsjahre positiv aus: "Vor dem Referendariat wollte ich niemals Anwalt werden. Aber jetzt macht es mir einen Heidenspaß."Jura-SpezialEnergierecht: Weniger Freiheit, mehr TeamarbeitZurück zum Text: Spezial-Einsatz für junge Juristen
Dieser Artikel ist erschienen am 01.05.2009